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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 4: Belgien I

Die Felsenburg

Obwohl mit der Urt ein Fluss durch die belgischen Ardennen führt, gab es leider keinen Radweg an ihr entlang. Deshalb musste ich in Belgien etwas weiter südlich über Bastogne die Ardennen überqueren. Direkt hinter der luxemburgischen Grenze fängt bei Limerlé ein Radweg an, der bis nach Bastogne geht. Und so schön ein gut ausgebauter Radweg auch ist, so langweilig fuhr sich dieser. Es ging 25 Kilometer nur geradeaus ohne Steigung durch Wald und Bäume ohne Blick auf irgendetwas. Viel Abwechslung war das also nicht.

Daher freute ich mich, dass ich in Bastogne einen 90-Grad-Richtungswechsel einschlagen konnte und über diverse kleine Straßen und Waldwege mir meinen Weg bis nach Rochefort bahnte. Den Ort hatte ich gar nicht wegen der tollen Sehenswürdigkeiten ausgesucht (bis auf die „Église décanale de la Visitation de la Saint-Vierge“ gab es auch kaum etwas zu sehen), sondern aufgrund seiner Nähe zu meinem nächsten Sightseeing-Punkt.

Eglise décanale de la Visitation de la Saint-Vierge.
Eglise décanale de la Visitation de la Saint-Vierge.

Nach der Erfahrung in Esch-sur-Alzette mit Airbnb war ich zwar etwas skeptisch, probierte es mangels Alternativen in Rochefort aber noch einmal. Dieses Mal hatte ich einen sehr guten Treffer: ein eigenes Stockwerk unter dem Dach für mich, sehr sauber und sogar mit Wasserkocher ausgestattet, was selbst manche Hotels nicht bieten. Das gemütliche Zimmer war auch praktisch, denn Rochefort als Ort bietet wirklich nicht so viel zu sehen. Die Tropfsteinhöhle von Lorette hatte im Juni leider nur am Wochenende auf. Auch die meisten Restaurants waren wegen Pfingsten noch bis zum Folgetag geschlossen. Es war aber auch okay, dass ich an dem Tag nicht mehr Sightseeing gemacht habe, denn die 110 Kilometer auf dem Rad steckten mir etwas in den Beinen. So habe ich auch die Burgruine, die der Stadt ihren Namen gab, nicht besucht. Zusätzlich gab auch noch meine Kamera ihren Dienst auf, sodass ich fortan nur noch mein Handy für Urlaubsbilder zur Verfügung hatte.

190611_eschsursure_rochefort.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 110,4 km
Zeit in Fahrt 6:12 h
Höhenmeter 1105 m auf, 1405 m ab

In der Höhle

Der Grund, wieso ich in Rochefort übernachtet habe, war der Besuch der Höhle von Han-sur-Lesse (Grottes-de-Han). Beim Aufstehen regnete es leider sehr stark, sodass ich entsprechend nass bei der Höhle ankam. Wichtig ist, dass der Startpunkt nicht am Höhleneingang, sondern im Besucherzentrum in der Stadtmitte ist. Ich stellte mein Rad an der Kirche ab, kaufte mir für 21 Euro ein Ticket und trocknete bis zum Einlass vor mich hin.

Um 10 Uhr kam eine kleine Bimmelbahn, die alle Besucher zum Eingang der Grotte brachte. Dort gab es dann zwei Reihen für unterschiedliche Sprachen: Entweder Französisch oder Niederländisch. Ich entschied mich für niederländisch, weil dort nur zwei andere Besucher standen. Es war aber egal, da der Höhlenführer eh die gesamte Gruppe leitete und alles auf Niederländisch und dann auf Französisch erklärte und manchmal für mich noch häppchenweise Englisch einstreute. Aus diesem Sprachkonglomerat konnte ich aber sogar einige Informationen mitnehmen. Es half sicherlich, dass es nicht meine erste Tropfsteinhöhle war. Und obwohl ich schon viele gesehen hatte, war auch diese wieder sehr beeindruckend. Vor allem die Videoshow „Origin“ an den Felswänden am Ende der Tour, welche die Entstehung und Entdeckung der Höhle zeigen, war großartig. Im Eintrittspreis inbegriffen war auch ein Besuch von Prehistohan, welches nach der Tour besucht werden hätte können. Aus Zeitgründen habe ich mich aber dagegen entschieden, die Ausgrabungsfundstücke anzuschauen.

Ein gefährliches Tropfsteinhöhlenmonster in Han-sur-Lesse.
Ein gefährliches Tropfsteinhöhlenmonster in Han-sur-Lesse.

Videoshow „Origin“ in der Grottes-de-Han.
Videoshow „Origin“ in der Grottes-de-Han.

Über Stock und Stein nach Namur

Nach der sehr schönen Höhlentour ging es weiter auf dem Rad. Leider erlaubte sich mein Navi bzw. das Routing von Openrouteservice Maps einen Spaß und wollte mich mit dem Rad einen „Weg“ entlang schicken, der selbst mit einem Mountainbike nicht machbar gewesen wäre (OSM-Einstufung mtb:scale=5). Leider stellte ich das aber erst am Fuße des Pfades selbst fest und der Weg zurück war mir zu lang. Also sattelte ich ab und trug zuerst meine beiden Gepäcktaschen und danach das Fahrrad auf dem Rücken die circa 500 Meter lange, aber vor allem 50 Höhenmeter umfassende Strecke den Berg hinauf.

Hier blieb mir nur Tragen übrig.
Hier blieb mir nur Tragen übrig.

Danach ging es glücklicherweise etwas entspannter weiter. An der Maas entlang kam ich nach Dinant. Dort machte ich aber nur für ein paar Fotos vom Bayardfelsen und der Stiftskirche Notre-Dame de Dinant direkt vor der Zitadelle hoch oben auf dem Berg halt. In dem Ort lohnt es sich ggf. mal einen Tag länger zu verbringen.

Der Bayardfelsen in Dinant.
Der Bayardfelsen in Dinant.

Stiftskirche Notre-Dame de Dinant vor der Zitadelle (oben).
Stiftskirche Notre-Dame de Dinant vor der Zitadelle (oben).

Mein Ziel war aber Namur. Mein Airbnb-Host stand erst ab 18 Uhr zur Verfügung, sodass ich vorher noch zur Zitadelle gelaufen bin. Zeitlich war es dennoch etwas knapp, denn die Festung schloss um 18 Uhr ihre Tore. Und so konnte ich nur einen kleinen Teil begehen und hauptsächlich die Aussicht von oben auf die Stadt genießen. Namur selbst als Stadt war ganz okay, ich habe aufgrund meiner späten Ankunft aber nicht wirklich viel von ihr gesehen. Neben der Zitadelle habe ich nur die Kathedrale Saint-Aubain von außen betrachtet und saß im „Parc Louise Marie“ zum Lesen.

Zitadelle von Namur aus der Ferne.
Zitadelle von Namur aus der Ferne.

Blick auf Namur.
Blick auf Namur.

Das Wahrzeichen von Namur: Eine goldene Schildkröte mit Reiter.
Das Wahrzeichen von Namur: Eine goldene Schildkröte mit Reiter.

Kathedrale Saint-Aubain.
Kathedrale Saint-Aubain.

190612_rochefort_namur.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 68,6 km
Zeit in Fahrt 3:49 h
Höhenmeter 440 m auf, 510 m ab

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 3: Luxemburg II

Burg Vianden

Aufgrund der zurückgelegten Strecke und der Höhenmeter vom Vortag entschied ich mich, eine Etappe etwas kürzer zu treten und weniger zu fahren. Mein erster Stopp führte mich zurück an die deutsche Grenze nach Vianden, wo ich mir die Burg anschauen wollte. Sie thront über der Stadt und ist trotz der Pflastersteine gut mit dem Rad zu erreichen.

Burg Vianden.
Burg Vianden.

Blick auf die Unterstadt.
Blick auf die Unterstadt.

Mit Audio-Guide ausgerüstet verbrachte ich circa anderthalb Stunden in der Burg und fand es sehr interessant. Der Aufbau über drei Stockwerke ist größtenteils sehr gut erklärt. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir zur Einrichtung noch mehr Informationen gewünscht, aber ich kann den Besuch auf der sehr schönen Burg nur empfehlen, wenn man in der Gegend (beispielsweise in Trier) ist.

Danach ging es wieder zurück Richtung westlicher Landesgrenze und Richtung Belgien. Die Fahrt nach Brandenbourg ließ mich schmunzeln, die gleichnamige Burg schaute ich aber nur vom Rad aus an. Mein Ziel war nämlich der Fluss Sauer.

Burg Brandenbourg.
Burg Brandenbourg.

Barrage

Der Radweg an der Sauer entlang ist sehr schön. Es geht ein kleines bisschen bergauf und bergab und natürlich schön geschlängelt durch die umliegenden Berge. Den Weg auf mich genommen habe ich, um den Obersauer-Stausee (gehalten durch den „Barrage d'Esch-sur-Sûre“, daher auch der Abschnittsname) anzuschauen. Ein Hotel fand ich in Esch–sur–Sûre, dazu gleich noch ein Wellnesshotel mit Sauna und Massage, was ich mir echt verdient hatte. ;)

Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm.
Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm.

Vor der Erholung stand aber noch eine Wanderung zum Stausee an. Vom Hotel zum Staudamm sind es ungefähr anderthalb Kilometer, die man gut zu Fuß zurücklegen kann. Den Stausee richtig anschauen konnte ich (dank OpenStreetMap) von einem Aussichtspunkt, der etwas oberhalb des Sees liegt. Ich gebe aber zu: Es ist eine große Betonmauer und viel Wasser dahinter! Hauptsächlich wollte ich auch dahin, weil ich passenderweise noch auf meine Kickstarter-Ausgabe von Barrage wartete.

Blick auf den Stausee.
Blick auf den Stausee.

Vom Stausee bin ich dann zurück zur Stadt und dort über einen kleinen Rundweg durch den Wald um die Stadt herum gelaufen. Hier konnte ich auch sehr schön die Burg mit Kapelle und den Aussichtsturm der Stadt sehen. Es gibt auch noch einen weiteren, etwas höher gelegenen Wanderweg, den ich aber nicht gelaufen bin.

Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm aus einer anderen Perspektive.
Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm aus einer anderen Perspektive.

Beim Wandern traf ich auch eine Schlange.
Beim Wandern traf ich auch eine Schlange.

Mir hat Esch-sur-Sûre sehr gefallen. Das „Hotel de la Sûre“ war echt gut und erholsam, die Gegend um den Naturpark lädt zu einigen Wanderungen ein. Und auch der Weg auf dem Rad dorthin war sehr angenehm.

190610_larochette_eschsursure.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 69,0 km
Zeit in Fahrt 4:15 h
Höhenmeter 1070 m auf, 1065 m ab

Auf dem höchsten Berg

Von Esch-sur-Sûre sollte es nach Belgien gehen. Prinzipiell ist das kein Problem, die Grenze war nur 15 Kilometer entfernt. Ich hatte mir aber auch noch in den Kopf gesetzt, den höchsten Punkt Luxemburgs mit dem Rad zu erklimmen. Dieser lag aber ganz im Norden des Landes. Da ich das zeitlich nicht geschafft hätte, kürzte ich also etwas ab und nahm die Bahn. :)

Morgennebel im Wald.
Morgennebel im Wald.

Der Weg führte daher zurück an der Sauer bis nach Goebelsmühle. Für gerade einmal zwei Euro konnte ich ein Ticket bis nach Troisvierges kaufen, was immerhin 34 Kilometer Entfernung waren. 34 Kilometer, die ich sehr gerne gespart habe. Dadurch hatte ich zwar auch Clervaux verpasst, wo ich mir ursprünglich das Schloss anschauen wollte, aber das war in Ordnung.

Um 10:30 Uhr stand ich dann auf der höchsten Erhebung von Luxemburg: dem Kneiff mit 560 m Höhe. Bis auf den „Gipfelstein“ zeugte nichts davon, dass dort ein besonders hoher Punkt ist. Zumal es für mich auch so aussah, als gehe es noch weiter bergauf. Aber irgendwer hat das bestimmt korrekt vermessen.

Auf dem Gipfel des Kneiff.
Auf dem Gipfel des Kneiff.

Und das waren auch schon meine Erfahrungen in Luxemburg, das ich recht zielstrebig auf eine etwas wirre Art und Weise durchquert habe. Belgien sollte da etwas geradliniger werden …

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 2: Luxemburg I

Das erste Mal in Luxemburg (Land)

Eigentlich wollte ich die Route nach Luxemburg über Bettembourg machen. Da ich aber wusste, dass ich am Folgetag ein paar Kilometer mehr fahren musste, kürzte ich etwas ab und fuhr bei Dudelange über die Grenze – die aber wie schon zuvor nach Frankreich nicht wirklich als solche zu erkennen war. Einzig ein Verkehrsschild mit den neuen Tempolimits wies mich darauf hin, dass ich jetzt in Luxemburg war.

In Luxemburg hatte ich mir eine Unterkunft in Esch-sur-Alzette gesucht. Meine Annahme war, dass es in Luxemburg-Stadt zu teuer ist und ein nahegelegener Ort deswegen besser wäre. Im Nachhinein stellte sich das als Fehler heraus. Zum einen war die per Airbnb gebucht Unterkunft echt grausig. Ich war 30 Minuten zu früh und so begrüßte mich der Mitbewohner in Unterhose liegend auf der Couch. Mit der Sauberkeit war es leider auch nicht so weit her, denn in der ganzen Wohnung klebte der Fußboden. Vor allem im Bad ließ ich die Socken (und später die Schuhe) an. Diese waren danach dreckiger als nach einem Tag auf dem Rad. Es war also nicht so angenehm, dort zu übernachten.

Zum anderen ist Esch-sur-Alzette keine schöne Stadt. Sie dient vermutlich eher dem normalen Arbeitsleben und Wohnen, weniger dem Sightseeing. In der Stadt fand gerade ein kleines Stadtfest statt mit Karussell, Riesenrad und einigen Essbuden. Da ich das nicht so interessant fand, bin ich lieber zum Bahnhof gelaufen, um dort mit dem Fahrstuhl nach oben und dann über eine moderne Brücke zum Stadtpark auf dem Gaalgebierg zu gelangen. Der Stadtpark ist sehr hübsch und ich konnte es mir mit einem Buch auf einer Bank bequem machen – zumindest nachdem der kurze Regenschauer vorbei war. Ich hatte auch etwas Zeit, die circa 1,5 Kilometer zum „Escher Deierepark“ zu laufen. Der kleine Tierpark ist kostenfrei und bietet vor allem lokale Tiere wie Rehe, Ziegen und Hasen. Aber auch Waschbären und Hochland-Rinder habe ich entdeckt. Der Park ist sicherlich nicht spektakulär, aber es war immerhin das Highlight von Esch-sur-Alzette.

Die Brücke in Esch-sur-Alzette.
Die Brücke in Esch-sur-Alzette.

Stadtpark auf dem Gaalgebierg.
Stadtpark auf dem Gaalgebierg.

Im Escher Deierepark gibt es auch Hochlandrinder.
Im Escher Deierepark gibt es auch Hochlandrinder.

190608_metz_eschsuralzette.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 70,2 km
Zeit in Fahrt 4:17 h
Höhenmeter 510 m auf, 275 m ab

Das erste Mal in Luxemburg (Stadt)

Am nächsten Tag gab es Frühstück beim Bäcker (wieder Pain au Chocolat) und es ging nach Luxemburg, in die Hauptstadt des Landes. Begrüßt wurde ich von der Gëlle Fra, einem Mahnmal am „Place de la Constitution“. Gleich daneben liegt die Kathedral Notre Dame, die ich aber nicht besuchte, sondern dort nur mein Rad für den Stadtrundgang abstellte.

Gëlle Fra am Place de la Constitution.
Gëlle Fra am Place de la Constitution.

Ich hatte mir leider nicht viel Zeit für Luxemburg genommen. Die Empfehlung im Touristencenter war daher vor allem die Kasematten anzuschauen. Diese in Fels gehauenen Höhlen dienten zu Verteidigungszwecken in diversen Kriegen. Auch wenn man die Höhlen alleine besichtigen kann, bevorzugte ich die Führung, bei der ich noch einige geschichtliche Hintergründe mehr erfahren konnte. In den unteren Teil der Stadt, nach Grund, bin ich nicht gegangen, dafür war der Weg „Chemin de la Corniche“ zurück zu meinem Rad echt sehr schön. Von hier hatte ich einen tollen Blick auf das Petruss-Tal, die Alzette und die Stadtmauer.

Blick auf das Petruss-Tal und die Alzette.
Blick auf das Petruss-Tal und die Alzette.

Stadtmauer und Kasematten von Luxemburg.
Stadtmauer und Kasematten von Luxemburg.

Luxemburg als Stadt hat mir sehr gut gefallen. Im Nachhinein weiß ich, dass die Übernachtung in Esch-sur-Alzette ein Fehler war. Und leider hatte ich aufgrund meiner weiteren Wegplanung auch nicht mehr Zeit, um mir Luxemburg anzuschauen. Aber es muss ja einen Grund geben, noch einmal einen Wochenendtrip in diese schöne Stadt zu machen.

Auf der Suche nach den Wölfen

Von Luxemburg wollte ich ursprünglich bis nach Echternach an der deutschen Grenze, dort ein Zimmer nehmen und mir in Ruhe die Wolfsschlucht anschauen (die nichts mit echten Wölfen zu tun hat). Leider waren in Echternach alle Zimmer belegt. Also entschied ich, nur „schnell“ zur Schlucht zu fahren, diese „kurz“ zu durchqueren und woanders ein Zimmer zu suchen (siehe unten). Auf dem Weg nach Echternach begegneten mir viele Wanderer und auch in Echternach war sehr viel los, was erklärte, wieso ich kein Zimmer mehr finden konnte. Da die Schlucht ein Teil des Mullerthal Trails ist, ist in der Wandersaison in Echternach vermutlich immer viel los.

Nach zweieinhalb Stunden war ich in Echternach und wollte die Schlucht besuchen. Erst fand ich nicht den richtigen Eingang und dann schien ich die Schlucht auch noch falsch herum abzulaufen. Die Beschilderung war da nicht ganz eindeutig. Der Weg führte jedenfalls durch sehr viel Wald bis zur Wolfsschlucht. Die steilen Wände und die provisorischen Treppen sind schon beeindruckend – und anstrengend zu laufen. Aber den Weg dorthin und danach zurück fand ich eher nicht so spannend, da es keinerlei Aussicht zu genießen gab. Hauptsächlich lief ich eben durch sehr viel Wald. Die Bergtouren im Balkan haben mir da wesentlich besser gefallen.

Schlucht auf dem Weg nach Echternach.
Schlucht auf dem Weg nach Echternach.

Die Wolfsschlucht.
Die Wolfsschlucht.

Nach dem strammen Fünf-Kilometer-Fußmarsch ging es zurück aufs Rad. Mit günstigen Zimmern war die Region leider nicht gesegnet, sodass ich nicht einmal an der Sauer, entlang meines eigentlichen Weges, bleiben konnte. Das „woanders“ von oben lag daher 20 Kilometer landeinwärts in Larochette (deutsch: Fels) über ein paar Hügelketten. Immerhin gab es ein preiswertes Einzelzimmer in der dortigen Jugendherberge.

Die Burg in Larochette.
Die Burg in Larochette.

190609_eschsuralzette_larochette.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 89,9 km
Zeit in Fahrt 5:10 h
Höhenmeter 1145 m auf, 1125 m ab

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 1: Vorbereitung und Frankreich

Es ist kaum zu glauben, aber ich habe immer noch nicht alle Nachbarländer Deutschlands besucht und erst recht nicht alle Länder Europas. Dieses Jahr wollte ich gleich drei Länder von der Liste streichen und mit dem Rad durch Luxemburg, Belgien und Niederlande fahren.

Offline-Planung

Als Vorbereitung lieh mir ein Freund einige Rad- und Autokarten der Region. Ich besorgte mir aber zusätzlich noch zwei eigene Offline-Karten. Von der Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ habe ich mir eine recht gute Radkarte für Luxemburg besorgt. Und dann zusätzlich noch eine Karte für Niederlande Süd, da ich nicht weiter als bis nach Amsterdam fahren wollte.

Wieso überhaupt noch Offline-Karten? Zum einen als Backup, falls wider Erwarten die elektronischen Geräte auf der Reise alle ausfallen und ich nicht weiß, wo ich mich befinde. Ehrlich gesagt würde ich in den meisten europäischen Ländern auch ohne Karte problemlos wieder in die Zivilisation zurückfinden, aber sicher ist sicher. Viel eher brauchte ich die Karten, um vorab den Routenverlauf zu bestimmen. Digital kann ich mir einfach keinen so guten Überblick verschaffen. Analog lege ich die Karten auf dem Fußboden aus und kann bei Bedarf „hineinzoomen“ (also mich hinknien und näher herangehen), sehe aber immer noch ohne Probleme das langfristige Ziel (wenn ich den Kopf etwas hebe). Zusätzlich haben die meisten Radkarten interessante Orte bereits markiert, sodass ich ein besseres Gefühl erhalte, wo es sich ggf. lohnt vorbeizufahren.

Online-Planung

Als ich die wesentlichen Orte und Sehenswürdigkeiten zusammengesucht hatte, ging es an die Feinplanung. Wie immer nutzte ich dafür Openrouteservice Maps, welches auf dem OpenStreetMap-Kartenmaterial aufsetzt. Das Fahrrad-Routing beachtet die Radwege und so ist das Standardrouting meist sehr gut.

Für die Nachbereitung habe ich dieses Jahr neu QMapShack eingesetzt. In das Programm konnte ich die von meinem Garmin Oregon 450 aufgezeichneten GPX-Tracks laden und so leicht die Werte für Streckenlänge, Dauer und Höhenmeter ablesen, die dann auch hier in den Bericht eingeflossen sind. Auch die Kartenscreenshots habe ich mit dem Programm erstellt.

Und wie immer habe ich meine Navigationskarten für mein Garmin mit der Radkarte für Luxemburg, Belgien und Niederlanden erstellt. Eine Anleitung dafür findet ihr hier im Blog.

Unterkünfte

Wie auch die Jahre zuvor schaute ich meist am Vortag auf Booking.com nach einer Unterkunft, denn in der Regel wusste ich erst da wirklich, wie weit ich am Folgetag fahren wollte/konnte. Das ging meist unproblematisch, ich fand immer ein Zimmer. Manchmal waren aber nur sehr teure Unterkünfte übrig.

Aus dem Grund nutzte ich zusätzlich noch Airbnb, wobei ich immer noch nicht verstehe, wofür das letzte „b“ stehen soll. Frühstück gab es jedenfalls nie. Meine Erfahrung mit den Unterkünften ist sehr gemischt. Von einem extrem dreckigen Zimmer kam ich auch zu einem sehr schön eingerichteten, was fast an ein Hotel erinnerte. Und dazwischen gab es das, was ich von Airbnb auch erwartet hatte, nämlich Schlafen auf einer Couch in einem kleinen Zimmer. Insgesamt war Airbnb eine gute Erfahrung, denn die Preise sind oft besser als in den Hotels. Richtig in Kontakt kam ich mit den Gastgebern dabei aber nicht wirklich. Diese haben schließlich ihr eigenes Leben und sind nicht für meine Bespaßung da.

An zwei Tagen kam ich auch in Jugendherbergen unter. Diese waren vom Preis-/Leistungsverhältnis echt unschlagbar. Einmal hatte ich Glück und hatte ein Zimmer ganz für mich allein. Ansonsten schlief ich in einem Mehrbettzimmer, was der Standardfall ist, wenn man in Jugendherbergen übernachtet.

Auf nach Frankreich

Mein Ziel war es, Luxemburg einmal komplett von Süden nach Norden zu durchqueren. Da Luxemburg südlich aber an Frankreich angrenzt, entschied ich mich, von Deutschland aus erst nach Frankreich zu fahren. Den sinnvollsten Übergang habe ich bei Saarbrücken gesehen. Da ich die Strecke von Stuttgart nach Saarbrücken aber bereits 2014 erkundet hatte, fuhr ich mit dem Zug bis nach Saarbrücken und setzte mich erst dort aufs Rad.

Von Saarbrücken aus ging es schnell Richtung französischer Grenze. Nach 30 Kilometern war ich bereits in Creutzwald und konnte am See im „Parc de la Bisten“ einen ersten Zwischenstopp einlegen. Bei der Weiterfahrt zogen am Horizont sehr dunkle Wolken auf. Glücklicherweise zogen sie düster nördlich an mir vorbei, sodass ich die ganze Strecke über trocken blieb.

Parc de la Bisten in Creutzwald.
Parc de la Bisten in Creutzwald.

Düstere Wolken zogen auf.
Düstere Wolken zogen auf.

Als Ziel auf französischer Seite hatte ich mir Metz ausgesucht, weil die Stadt sehr schön sein soll – was ich bestätigen kann. Vor allem die Kathedrale überragt das Stadtbild und sieht überwältigend aus. Auch von innen fand ich vor allem die Buntglasfenster, durch die das Licht durchschien, sehr schön. Nach dem Besuch der Kathedrale lief ich durch die Altstadt mit seinen vielen Geschäften. Daneben schaute ich mir unter anderem den Temple Neuf (evangelische Stadtkirche), das Porte des Allemands, den Stadtpark und auch den Bahnhof (wo ich gegenüber im Hotel Alérion untergekommen war) an. Sicherlich könnte man auch ein gemütliches Wochenende in Metz verbringen.

Kathedrale von Metz.
Kathedrale von Metz.

Die Buntglasfenster in der Kathedrale.
Die Buntglasfenster in der Kathedrale.

Porte des Allemands.
Porte des Allemands.

Temple Neuf.
Temple Neuf.

190607_saarbruecken_metz.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 79,4 km
Zeit in Fahrt 4:11 h
Höhenmeter 525 m auf, 630 m ab

Die letzten Meter in Frankreich

Da mir das Frühstück im Hotel etwas zu teuer war, holte ich mir ein klassisches Pain au Chocolat vom Carrefour. Das Pain au Chocolat sollte auch in Luxemburg mein stetiger Begleiter sein, da ich mindestens ein Stück dieser Leckerei pro Tag verdrückte. Glücklicherweise konnte ich mich selbst immer damit herausreden, dass ich die Energie auf dem Rad brauchte …

An der Mosel entlang ging es immer weiter Richtung Norden. Südlich von Thionville, in Uckange, wollte ich mir den „Jardin des Traces“ anschauen. Der Garten soll an die Eisenverhüttung und deren Arbeiter erinnern, denn direkt daneben befindet sich als Industriedenkmal ein altes Eisenhüttenwerk. Ich fand vor fünf Jahren die Völklinger Hütte schon sehr beeindruckend, leider hatte der „Garten“ aber erst am Nachmittag auf. Daher musste ich ohne Besichtigung weiterfahren. Luxemburg war ganz nah …

Kleine Wegsperrung.
Kleine Wegsperrung.

Das alte Eisenhüttenwerk im Jardin des Traces.
Das alte Eisenhüttenwerk im Jardin des Traces.

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Kurztrip nach Göteborg 2019

Einleitung

Schweden habe ich das letzte Mal vor fünf Jahren auf meiner Reise nach Kopenhagen besucht. Damals war es ein eher kurzer Aufenthalt mit dem Rad zwischen Trelleborg und Malmö.

Dieses Jahr besuchte ich Schweden ein wenig länger. Geplant war ein kurzer Städtetrip nach Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens.

Reise nach und in Göteborg

Unser Flug war leider etwas verspätet, sodass wir am ersten Tag nicht wie gedacht um 13 Uhr in Göteborg landeten, sondern erst drei Stunden später. Alle 12 Minuten fahren Busse (Flygsbussa/FLYG) direkt vom Hauptausgang des Flughafenterminals nach Göteborg. In der Stadt hält der Bus auch an verschiedenen Stationen, wobei wir bis zur Endstation Hauptbahnhof durchfuhren. Die Fahrkarte kostet 215 SEK = ca. 20 Euro für Hin- und Rückfahrt und ist einen Monat ab Kauf gültig.

Unser Hotel am Hafen Stenpiren.
Unser Hotel am Hafen Stenpiren.

Wer eine Göteborg-Reise plant, stolpert früher oder später über den Göteborg-Pass. Mit diesem erhält man freien Eintritt zu einigen Attraktionen und kann auch kostenlos mit den Västtrafik-Bussen und -Bahnen fahren. Da das Wetter für das Wochenende aber ganz gut aussah, planten wir gar nicht in irgendwelche Indoor-Attraktionen zu gehen. Daher war der Göteborg-Pass mit 395-770 SEK (ca. 36-71 Euro) für 1 bis 3 Tage nicht passend für uns.

Hafenkräne in der Dämmerung.
Hafenkräne in der Dämmerung.

Wir erkundeten Göteborgs Innenstadt lieber zu Fuß, was ganz gut geht. Vom Hafen bis zum Götaplatsen sind es nur zwei Kilometer und die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich in diesem Umkreis. Zu den Inseln (siehe unten) gingen wir natürlich nicht zu Fuß. Diese konnten wir sehr gut mit den öffentlichen Fähren von Västtrafik erreichen. Praktischerweise war genau vor unserem Hotel eine Haltestelle, sodass wir dort einfach ein- und aussteigen konnten. Eine Einzelfahrt kostet ungefähr 30 Kronen. Da wir aber auch Zwischenstopps mit der Fähre machen wollten, kauften wir der Einfachheit halber eine Tageskarte (95 SEK = ca. 8,80 Euro).

Blick auf Göteborg.
Blick auf Göteborg.

Bezahlen geht in Schweden im Übrigen fast überall bargeldlos. Ganz im Gegenteil gab es einige Lokalitäten, die gar kein Bargeld mehr annahmen. Es war jedenfalls unser erster Urlaub, bei dem wir kein Geld abheben mussten und alles mit Karte zahlen konnten.

Essen in Göteborg

Verhungern muss wohl niemand in Göteborg. Es gibt zahlreiche Restaurants aller Nationalitäten. Wenn man etwas Preiswertes sucht, wird es aber schon etwas schwieriger. Die Preise für Essen sind etwas höher als in Deutschland, so wie allgemein alles etwas teurer ist.

Am ersten Abend wollten wir natürlich etwas typisch Schwedisches essen. Und natürlich fielen uns da Köttbullar ein, die ich auch daheim gerne selbst mache (okay, aus der Tiefkühlpackung). Man findet die Hackbällchen nicht an jeder Straßenecke, wir wurden im „Cafe du Nord“ fündig, wo die Preise auch noch akzeptabel waren. Und die Köttbullar haben auch gut geschmeckt.

Köttbullar mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren.
Köttbullar mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren.

Am zweiten Tag konnten wir uns den Burgern nicht entziehen. Interessanterweise hat so gut wie jedes Restaurant mindestens einen Hamburger auf seiner Karte gelistet. Leider liegen die Preise so um die 199 SEK (ca. 18,50 Euro), was uns etwas zu viel für einen Hamburger war. Aber auch hier fanden wir eine preisgünstige Alternative in „John Scotts Stable“. Neben dem guten Essen ist auch die Aufmachung der Lokalität interessant. Von außen eher unscheinbar, von innen riesig mit gemütlichen Sesseln, Regalen voller Büchern und einer schönen Dachterrasse, wo wir aufgrund des Wetters saßen.

Am letzten Tag hatten wir Lust auf Asiatisch und machten bei „Gansu Köken“ halt. Das kleine chinesische Lokal hat nur zwei Gerichte auf der Karte: Suppe oder Salat. Die Suppe gibt es mit zwei verschiedenen Nudelarten, den Salat mit Fleisch oder Vegetarisch. So klein die Auswahl ist, so gut ist die Suppe dann aber auch. Sie ist nicht gerade unscharf, aber Wasser und Tee gibt es kostenlos dazu. Und es war reichlich Inhalt, sodass wir keinen Nachtisch brauchten.

Leckere Suppe im Gansu Köken.
Leckere Suppe im Gansu Köken.

Apropos Nachtisch: Beim Bäcker und in den Supermärkten gibt es kleine, schwedische Leckereien, die stark an Bombice aus Montenegro oder an die srilankanischen Ladoo erinnern. Die Chokladbollar sind meist mit Kokos ummantelt und schmecken neben Kakao auch ein bisschen nach Kaffee oder Mokka. Ich fand sie so lecker, dass ich mir aus dem Supermarkt noch einige für daheim mitgenommen habe. Wer solche Bällchen nicht mag, kann es auch mit diversen Marzipan-Leckereien versuchen oder mit Lakritzstangen in eine ganz andere Richtung gehen. Schweden bietet für Leckereien viele Alternativen!

Diverse Süßigkeiten aus Schweden.
Diverse Süßigkeiten aus Schweden.

Eine Besonderheit gab es in allen von uns besuchten Restaurants: Wir bezahlten im Voraus. Das ist etwas ungewohnt, nimmt aber viel Stress aus dem Essen. Denn so kann man sich die Zeit genau so einteilen, wie man will und geht einfach, wenn man Lust hat. So mussten wir nicht nach dem Essen noch unnötig nach einem Kellner rufen, der abkassiert. Das hat mir gefallen und fände ich auch in Deutschland toll.

Stadtleben

Göteborg selbst würde ich eher nicht als besonders schöne Stadt bezeichnen. Es ist eine Stadt, die derzeit mit vielen Baustellen aufwarten kann, weswegen wir auch ein paar Umwege gehen mussten. Zum Leben eignet sich die Stadt aber sicherlich hervorragend.

Hotelschiff Lilla Bommen und dahinter der „Lippenstift“ Skanskaskrapan.
Hotelschiff Lilla Bommen und dahinter der „Lippenstift“ Skanskaskrapan.

Mit Sightseeing waren wir relativ schnell durch. Das Wahrzeichen von Göteborg, der Skanskaskrapan, ist echt nicht so hübsch. Von der Aussichtsplattform Utkiken hat man angeblich einen tollen Blick über Göteborg. Wir konnten diese aber nicht besuchen, da sie am Wochenende geschlossen ist. Die Feskekörka (Fischkirche) ist eine Fischmarkthalle, in der es ca. 10 Fischläden gibt. Hier hatten wir uns auch sehr schnell satt gesehen. Über die Kungsportsavenyn (Einkaufsstraße) zu laufen ist ganz okay, aber da die Straße sehr stark befahren ist, kam bei mir auch keine richtige Bummellaune auf. Am Ende der Straße liegt der Götaplatsen, was sicherlich ein bedeutender öffentlicher Platz ist, aber dennoch eher nicht so überwältigend daherkommt wie andere große Stadtplätze.

Die Fischkirche.
Die Fischkirche.

Das Kunstmuseum am Götaplatsen.
Das Kunstmuseum am Götaplatsen.

Das Opernhaus am Abend.
Das Opernhaus am Abend.

Was mir da schon eher gefallen hat, war das Stadtviertel Haga. Es gibt viele Cafés und Restaurants und kleinere Läden, die Handwerkskunst und Souvenirs anbieten. Hier machte mir das Schlendern und Schauen Spaß und wir machten dort natürlich auch Fika (Kaffeepause mit Kuchen).

Stadtviertel Haaga.
Stadtviertel Haaga.

Das Kronhuset, das älteste Gebäude in Göteborg von 1654.
Das Kronhuset, das älteste Gebäude in Göteborg von 1654.

Was Göteborg viel hat, sind Museen, beispielsweise das Kunstmuseum, das Naturhistorische Museum oder das Universeum. In letztem kann man sicherlich einen ganzen Tag verbringen, wofür wir leider keine Zeit mehr hatten. Dafür schauten wir uns aber das Maritiman an. Bei der Schiffsausstellung kann man verschiedene Schiffe begehen. Beeindruckend war natürlich der große Zerstörer, die HMS Småland. Interessant und beengend war dagegen der Gang durch ein echtes U-Boot, die Nordkaperen. Schade war, dass wir nicht durch das Periskop schauen konnten. Dafür war aber draußen am Kai eines separat aufgebaut. Nach circa zwei Stunden waren wir auch schon durch, aber wer sich ein bisschen für Schiffstechnik interessiert, ist hier gut aufgehoben.

Die Schiffe im Maritiman.
Die Schiffe im Maritiman.

Der Schlachtkreuzer und das U-Boot daneben.
Der Schlachtkreuzer und das U-Boot daneben.

Im U-Boot.
Im U-Boot.

Auf den Inseln

Was wir unbedingt sehen wollten, war der Göteborger Schärengarten, der sich in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufteilt. Da der südliche vom Hafen Stenpiren aus direkt bei unserem Hotel angefahren wird, war dieser für uns leichter zu erreichen. Und so nahmen wir am Morgen die Fähre und fuhren in knapp anderthalb Stunden zuerst auf die südlichste erreichbare Insel Vrångö. Die Insel ist übersichtlich und nicht stark bewohnt, vor allem der südliche Teil ist aber wunderschön zum Wandern. Es gibt wenig hohe Bäume, meist nur Sträucher oder Felsen. Viele kleine Buchten laden zum Baden oder einfach nur Hinsetzen ein. Und rund um die Insel sieht man weitere, kleine Felsen aus dem Wasser ragen. Das war wirklich sehr gemütlich und erholsam und wir hätten hier auch mehr Zeit verbringen können.

Vrångö: Sträucher, Büsche und viel Fels.
Vrångö: Sträucher, Büsche und viel Fels.

Entspannte Aussicht auf Vrångö.
Entspannte Aussicht auf Vrångö.

Unsere Fähre ging nach gut zwei Stunden aber wieder zurück, weil wir noch Halt auf der größeren Insel Styrsö machen wollten. Wir legten am südlichen Hafen Skäret an und liefen – über den etwas niedrigeren Kvarnberget – auf den mit 60 Metern höchsten Punkt der Insel, Stora Rös. Von hier konnten wir auf die Nachbarinsel Donsö schauen, aber viel schöner war der Blick auf die westliche Bucht von Styrsö. Etwas schade war, dass auf dem Aussichtspunkt ein Teerhaufen geschüttet wurde, was sicherlich seinen Grund hatte, aber so das Naturbild etwas zerstörte.

Blick auf Donsö.
Blick auf Donsö.

Die westliche Bucht von Styrsö.
Die westliche Bucht von Styrsö.

Styrsö ist nicht ganz so hübsch wie Vrångö, zumindest nicht die Teile, die wir gesehen haben. Aus Zeitgründen sind wir aber nicht über ganz Styrsö gelaufen, sodass es vielleicht noch hübschere Ecken zu entdecken gibt. Nach anderthalb Stunden legte die nächste Fähre am nordöstlichen Hafen Bratten ab und brachte uns wieder zurück zum Hotel nach Stenpiren. Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch einmal nach Göteborg zu kommen, um auf einer der Inseln zu übernachten und mehr des Schärengartens zu erkunden.

Ungestörtes Wohnen.
Ungestörtes Wohnen.

Abschluss

Göteborg war eine tolle Erfahrung. Auch wenn die Stadt nicht überragend ist, was Sehenswürdigkeiten angeht, begeisterten mich die vorgelagerten Inseln umso mehr. Beim nächsten Mal können wir uns dann aber auch mehr Zeit für Museen nehmen, vor allem das Universeum klang echt interessant.

Neu gespielte Brettspiele im August 2019

Auch im August gab es wieder einige neue Spiele auf dem Spieletisch.

Run, Fight or Die (Grey Fox Games, 2014)

Wer „King of Tokyo“ kennt, weiß in etwa, wie die Mechanik von „Run, Fight or Die“ funktioniert: Die Spieler werfen Würfel mit besonderen Symbolen. Man legt die Würfel raus, die man behalten will, den Rest wirft man erneut, dann noch einmal und mit dem Endergebnis muss man leben und die Effekte anwenden. Thematisch eingebettet ist das Ganze in ein Zombie-Apokalypse-Szenario. Die Spieler gehen in eine noch bevölkerte Stadt, um sich dort eine neue Gruppe an Personen zusammenzustellen. Dabei strömen aber Horden von Zombies auf einen ein. Und unter den Umständen ist das Auffinden von Personen nicht ganz so leicht.

Wir haben nur das Grundspiel gespielt, was mich nicht umgehauen hat. Zum einen ist man schon sehr stark Würfelglück-abhängig. Wenn man in den ersten zwei Runden keine Waffe (Baseballschläger oder Pistole) würfelt, kann man die Zombies nicht abwehren und man stirbt auf alle Fälle. Und das nur durch pures Würfelunglück. Hier wirkt mir der Zufall zu stark auf das Spiel ein. Da man Zombies abwehren muss, hat man selten Ruhe und muss so zwingend auch immer ein Waffensymbol herausnehmen. Dadurch kommen die besonderen Effekte der anderen Symbole wie „Buch“ und „Suchen“ nicht zwingend dran. Dabei gibt es davon zahlreiche, denn je nach Anzahl an herausgelegten Würfeln gibt es unterschiedliche Aktionen. Gut, dass eine Übersicht beiliegt, weil sich das niemand merken kann. Schade, dass es nur zwei Übersichten gibt.

Die gefundenen, neuen Gruppenmitglieder bringen auch Effekte mit, was ich ganz gut finde, auch wenn ich bei so etwas immer leicht die Übersicht verliere. Mitglieder mit hoher Punktezahl haben dabei eher einen Malus, der einen behindert. Andere mit weniger Punkten bringen dafür zusätzlich Fähigkeiten ein. Aber auch hier regiert der Zufall, welche Karten man bekommen. Das Spiel kann enden, sobald ein Spieler fünf neue Leute gefunden hat. Da jeder noch eine Runde hat, kann es sein, dass ein Mitspieler dann noch zufällig einen ganz hochwertigen Charakter findet (die Negativeffekte interessieren am Ende ja nicht mehr) und so das Spiel vor dem Spieler, der das Spielende eingeläutet hat, gewinnt.

Wie Ihr seht, war es nicht mein Spiel. Es kann sicherlich recht lustig sein in passender Runde, aber „King of Tokyo“ gefällt mir besser. Zum einen hat man mehr Interaktionen (bei „Run, Fight or Die“ spielt im Grundspiel jeder für sich), zum anderen hat der Zufall einen nicht ganz so starken Effekt auf das Spielgeschehen.

Wertung: (5,0)

1500 m (Lucky loser, 2016)

„1500 m“ ist ein Lauf-Rennspiel. Durch Karten wählt jeder Spieler geheim, wie viel Energie er in dieser Etappe ausgeben will. Der mit dem höchsten Wert fängt an und wählt eine Aktion wie z.B. Beschleunigen, weiter laufen, Energie sammeln oder Angreifen. Fies ist, dass der Spieler, der die wenigste Energie eingesetzt hat, keine Aktion bekommt. Danach fängt der vorne liegende Spieler an zu laufen. Und zwar soweit, wie er geheim mit einer zweiten Karte gewählt hat. Plus ggf. eine extra Weite durch die Aktion. Je nach Platzierung folgen die anderen Spieler. Und danach muss jeder Spieler entscheiden, ob er beschleunigen will, was zwar Energie kostet, aber einen noch weiter voranbringt. Und so läuft man bis jemand zuerst die 1500 Meter geschafft hat ohne all seine Energie zu verlieren.

Im Prinzip klingt „1500 m“ sehr gut. Die geheime Auswahl der Energiekarten funktioniert auch super. Nur kann man die Mitspieler schwer einschätzen, finde ich. Daher habe ich mich auf mich konzentriert, wie viel Energie ich gerade ausgeben will ohne dabei Letzter zu sein. Ebenso klasse war der Endspurt, wo die Energiereserve der Spieler langsam zu Ende geht und man echt haushalten muss, um noch ins Ziel zu kommen. Ich war am Ende so erschöpft, dass ich 1 Meter vor der Ziellinie zusammengebrochen bin. Während andere noch locker einmal 1000 m hätten laufen können. Leider ist der Weg zum Endspurt eher unspannend. Es passiert eher wenig und wiederholt sich jede Runde. Meine Empfehlung wäre daher, immer die kürze 800-m-Strecke zu spielen.

Im Vergleich zu DEM Rennspiel „Flamme Rouge“ fällt „1500 m“ aber deutlich ab. Der Renncharakter kommt beim Fahrradrennen wesentlich besser herüber. Durch die variablen Strecken ist das auch interessanter als immer nur im Kreis zu laufen.

Wertung: (6,0)

1500 m
1500 m

60 Seconds to Save the World (Alderac Entertainment Group, 2017)

60 Sekunden, um die Welt zu retten? Ein extrem schnelles Echtzeit-Koop? Nein! Koop stimmt zwar, aber keine Ahnung, was das Spiel mit 60 Sekunden zu tun hat. Die Welt sollen wir aber wirklich retten. Mehrere Szenarien stehen in 60 Seconds to Save the World zur Auswahl: Alien-Invasion, Zombies, Supergrippe, Atomkrieg etc. Um die Gefahr abzuwehren, müssen die Spieler einen Plan erfüllen. Dafür spielen sie Karten in ihre Auslage aus, welche bestimmte Symbole enthalten. Passen die Symbole, kann man den Plan ausführen.

Bei mir ist das Spiel komplett durchgefallen. Die Anleitung ist echt chaotisch und nicht verständlich. So machte das Erlernen des Spiels schon keinen Spaß. Der Spielaufbau ist nicht sonderlich variationsreich. Es ist zwar immer ein anderes Thema, aber vom Prinzip her macht man immer das Gleiche und sucht passende Symbole zum Problem. Wir haben nicht herausgefunden, wieso man die Aktion „Karten tauschen“ oder „Karten zeigen“ (man darf nicht über die eigenen Karten sprechen) ausführen sollte. Wir spielten beide vor uns hin und irgendwie ergab sich der Sieg dann. Zumindest in der zweiten Partie. In der ersten verloren wir wegen Kartenpech, was extrem schlecht für so ein Spiel ist. Wir mussten bestimmte Symbole sammeln, die vom verdeckten Kartenstapel aber dummerweise immer wieder zufällig abgeworfen wurden. So hatten wir irgendwann keine Chance mehr auf den Sieg, weil uns die Symbole ausgingen. Ich finde leider echt nichts Positives an dem Spiel.

Wertung: (2,5)

60 Seconds to Save the World
60 Seconds to Save the World

Majesty: deine Krone, dein Königreich (Hans im Glück, 2017)

„Majesty: deine Krone, dein Königreich“ ist ein sehr schnelles und einfaches Karten-Drafting-Spiel. Aus der Auslage nimmt man sich eine der sechs Karten und legt diese passend an eines seiner sieben Gebäude. Dafür gibt es dann Geld (je nach Beruf) und ggf. noch eine Spezialaktion, mit der man zum Beispiel Gegner ärgern und deren Karten angreifen/umdrehen kann. Nach zwölf Zügen ist das Spiel vorbei, es findet noch eine Mehrheitenwertung statt und dann gewinnt jemand.

Das Spiel tut genau das, was es verspricht. Die Spieltiefe ist eher gering, dafür kann man es zu viert auch in 30 Minuten runterspielen. Die Grafik und vor allem die Jeton-Münzen sind sehr schön, aber das macht das Spiel nicht wesentlich interessanter.

Wertung: (6,0)

Majesty
Majesty

Claim (Game Factory, 2018)

Bei „Claim“ handelt es sich um ein kleines Stich-Kartenspiel für zwei Spieler. Beide Spieler halten 12 Karten mit unterschiedlichen Farben und Werten von 0-12 auf der Hand. In der ersten Phase wird immer eine Karte aufgedeckt, beide Spieler spielen eine Karte von ihrer Hand aus und wer den Stich gewinnt, bekommt die aufgedeckte als Belohnung, der andere ein Zufallsprodukt vom Stapel. Wenn alle Stiche durch sind, wird mit den neu erworbenen Karten in Phase Zwei ein ganz normales Stichspiel daraus gemacht und man sammelt möglichst viele Stiche. Denn am Ende wird für jede Kartenfarbe geschaut, wer mehr Karten hat. Und wer so die meisten Mehrheiten hat, gewinnt.

Schnell erklärt, schnell gespielt – leider auch schnell vergessen. „Claim“ ist nicht schlecht, aber auch nichts besonderes. Das Thema ist wie so oft nicht existent. Rein Farbkarten ohne irgendwelche Fantasy-Monster wie Goblins oder Untote hätten das gleiche Spiel erzeugt. Kann man spielen, brauch ich aber nicht noch einmal.

Wertung: (5,5)

Claim
Claim

Hardback (Fowers Games, 2018)

Wenn ich sage, dass „Hardback“ wie „Paperback“ ist, ist wohl kaum jemandem geholfen. Daher: Hardback ist ein Deckbuilder. Anstelle Waffen oder Kämpfer zu sammeln, sammeln die Spieler … Buchstaben! Denn „Hardback“ ist ein Wortspiel. Mit den eignen Buchstaben-Handkarten muss man ein Wort auslegen. Hierfür erhält man analog zu „Scrabble“ je nach verwendeten Buchstaben einen bestimmten Wortwert. Mit diesem Wert kann man sich dann neue Buchstabenkarten aus der Auslage kaufen. Auf die Rückseite gedrehte Karten fungieren also Joker, bringen aber auch keine Punkte.

„Hardback“ funktioniert besser als „Paperback“. Grund sind die Joker, die man sich bei „Paperback“ noch kaufen konnte, nun einfach grundsätzlich auf der Hand hält. Zwei weitere Kniffe gefallen mir gut: Man kann mit Restgeld Tintenfässchen kaufen. Setzt man diese ein, darf eine weitere Karte vom eigenen Deck ziehen, muss diesen Buchstaben dann aber auch zwingend in einem Wort verwenden. Daneben gibt es noch analog zu z.B. „Ascension“ stationäre Buchstaben-Karten, die vor einem liegen bleiben und jede Runde aufs neue eingesetzt werden können – aber auch von den Gegnern.

„Hardback“ hat aber auch ähnliche Probleme wie „Paperback“: Die Downtime ist teils groß, wenn einem Mitspieler partout kein Wort einfällt. Daneben interessiert mich auch nicht wirklich, was die Mitspieler für Wörter ausspielen, da ich selbst am Grübeln bin. So spielt jeder eher solitär vor sich hin. Das Nutzen von fremden Buchstaben kam bei uns nicht vor.

Dennoch spielt sich „Hardback“ ganz gut. Für das, was es bietet, ist es nur etwas zu lang. Auf der anderen Seite benötigt man die Zeit, um sich ein gutes Deck aufzubauen, mit welchem man immer stärkere Wörter ausspielen kann.

Wertung: (6,5)

Balkan-Tour 2019 – Teil 4: Pristina und Abschluss

Auf Wiedersehen in Pristina

Nach der Wandertour wollten wir vor dem Heimflug noch Kosovos Hauptstadt Pristina anschauen. Damit hatten wir dann auch nach Albaniens Tirana und Nordmazedoniens Skopje alle Hauptstädte der Region besucht. (Okay, Podgorica in Montenegro hatten wir letztes Jahr ausgelassen.)

Mit dem Taxi ging es am letzten Maitag von Radomirë aus mit Zwischenstopp und Autowechsel in Kukës über die Grenze nach Pristina. Als Unterkunft buchte Adriatik uns das Hotel „Old Town“, was ganz gut in der Stadt gelegen war. Nach einem kurzen Stopp in einem Café schlug eine Freundin in der Gruppe vor, in das Bear Sanctuary zu gehen. Das Areal liegt etwas außerhalb von Pristina und beherbergt ca. 20 Braunbären. Diese wurden früher privat unter meist schrecklichen Bedingungen in Restaurants zur Belustigung der Gäste gehalten. In dem Reservat sollen die Tiere wieder ihre normalen Verhaltensweisen erlernen, was bei vielen der Bären auch funktionierte. Bei einigen sah ich aber immer noch, dass sie trotz eines riesigen Gebietes lethargisch an der gleichen Stelle immer wieder auf und ab laufen.

Suchbild: Wo ist der dritte Bär?
Suchbild: Wo ist der dritte Bär?

Da ist er!
Da ist er!

Nach einer Stunde waren wir schon fertig und Adriatik wählte das Renaissance-Restaurant zum Abendessen aus, was eine sehr gute Wahl war. Von außen erkennt man nirgends, dass es sich um ein Restaurant handelt. Innen ist es super gestaltet und das Essen erstklassig. Nach all den Suppen, Brot und Käse in den Bergen war zart gebratenes Fleisch und gebackene Auberginen einen sehr willkommene Abwechslung.

Mutter-Teresa-Kathedrale.
Mutter-Teresa-Kathedrale.

Christ-Erlöser-Kirche.
Christ-Erlöser-Kirche.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von unseren beiden Freunden und von Adriatik. Da unser Flug erst am Nachmittag ging, konnten wir so noch etwas durch die Stadt laufen. Pristina ist dabei aber eher eine Stadt zum Leben und weniger zum Sightseeing. Der Turm der Mutter-Teresa-Kathedrale war leider nicht offen, sonst hätten wir eine tolle Aussicht über die Stadt gehabt. Die Nationalbibliothek besticht durch seine eigenwillige Architektur. Das bekannteste Denkmal ist das Newborn, welches jedes Jahr seine Gestalt ändert und neu bemalt wird. In 2019 war das Thema „Umweltschutz“.

Die Nationalbibliothek.
Die Nationalbibliothek.

Kosovo: Newborn.
Kosovo: Newborn.

Schlussbemerkungen

Wieder einmal hat es mir sehr gut gefallen. Während der Peaks of the Balkans-Trail infrastrukturtechnisch wesentlich besser ausgebaut ist, konnten wir auf dieser Reise Pfade betreten, die nicht einmal als Pfade zu erkennen waren. Ohne unseren Guide Adriatik hätten wir das in dieser Form aber vermutlich nicht gemacht – was schade wäre, denn es lohnt sich. Auch wenn die Gästehäuser und das Essen mitunter eher einfach waren, waren die paar Tage eine sehr schöne Erfahrung. Das Wetter hat leider nicht immer mitgespielt, aber so ist das nun einmal in den Bergen.

Und auch die Hauptstädte von Nordmazedonien und Kosovo sind interessant. Vor allem Pristina wirkt dabei wie jede andere große Stadt auch. Und diese Erkenntnis fand ich auch wieder das Positive an der Reise: Der Balkan ist ein ganz normales Urlaubsgebiet, welches zu erkunden sich wirklich lohnt. Sicherlich muss an der ein oder anderen Stelle noch investiert werden, aber für Wanderfreudige und Wissbegierige bietet sich die Chance, einige aufstrebende und interessante europäische Völker kennenzulernen, mit denen man vermutlich nicht oft zu tun hat.

Ich werde den Kosovo und die Wanderung in den Sharr-Mountains jedenfalls in guter Erinnerung behalten!

190601_balkan2019_2.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 57,8 km (nur Wanderung)
Höchster Punkt 2751 m (Korab)
Höhenmeter 3680 m auf, 4765 m ab

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Übersicht

Balkan-Tour 2019 – Teil 3: Wandern in Albanien

Zurück in Albanien

Mit dem spannenden Cliffhanger auf dem Kallabak aus dem letzten Teil überquerten wir die Grenze von Kosovo nach Albanien. Auch hier trafen wir natürlich keinerlei Grenzpolizisten an, die unsere Einreisegenehmigung sehen wollten. Dennoch sei gesagt, dass man diese auf alle Fälle vorher beantragen und mitnehmen sollte, falls man doch einmal danach gefragt wird. Dann kann man auch leichter erklären, wieso man später zwei Einreisestempel von Kosovo, aber nur einen Ausreisestempel in seinem Reisepass hat (mit dem Auto von Nordmazedonien nach Kosovo, dann zu Fuß von Kosovo nach Albanien, von Albanien wieder mit dem Auto nach Kosovo und dann von Kosovo mit dem Flugzeug heim). Für uns hat Adriatik glücklicherweise die Organisation der Genehmigungen übernommen, sodass wir uns um nichts kümmern mussten.

Blick auf den Korab.
Blick auf den Korab.

Direkt hinter der Kosovo-Albanien-Grenze trafen wir auf weitere Bunker, die wir bereits letztes Jahr in Albanien gesehen hatten. Zusammen mit den Schützengräben rief es mir wieder in Erinnerung, dass die Kämpfe in dieser Region noch gar nicht so lange her sind (ca. 20 Jahre).

Schützengraben in Albanien.
Schützengraben in Albanien.

Bunker aus Zeit von Hoxha.
Bunker aus Zeit von Hoxha.

Gegen 18 Uhr kamen wir dann im Dorf Caje bzw. in Vau in einem Gästehaus unter. Nach ca. 17 Kilometern und 5 Stunden Wanderung freuten wir uns alle auf etwas Warmes zu essen. Das Gästehaus war sehr einfach gehalten. Unser Zimmer bestand nur aus zwei Einzelbetten und einem Teppich. Aber zum Schlafen reichte das auch. Interessanter war dafür die Räumlichkeit zum Essen, da wir in einer klassisch eingerichteten, albanischen Wohnung auf Schaffellen um einen Kamin saßen. Zum Essen gab es Bohnensuppe und viele Milchprodukte wie Käse oder Joghurt, von denen ich bereits letztes Jahr nicht ganz so angetan war.

Unsere Unterkunft in Vau.
Unsere Unterkunft in Vau.

Gemütliches Wohnen.
Gemütliches Wohnen.

Viele Milchprodukte beim Abendessen.
Viele Milchprodukte beim Abendessen.

190528_caje.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 17,6 km
Höchster Punkt 2117 m
Höhenmeter 620 m auf, 1260 m ab

Die Übernachtung war ganz okay, das Zimmer nur etwas feucht. Die Feuchtigkeit setzte sich draußen fort, denn es regnete sehr stark. Die Berge waren verhangen und so entschieden wir uns nicht über den Pass zu laufen, sondern lieber „gemütlich“ mit dem Auto nach Radomirë zu fahren. Gemütlich steht mit Absicht in Anführungszeichen, da wir für die per Luftlinie gerade einmal 7 Kilometer lange Strecke etwas mehr als anderthalb Stunden mit dem Auto brauchten. Zum einen ist die Gesamtstrecke ca. 25 Kilometer und dazu sind die Straßenverhältnisse größtenteils nur Schotterpisten mit vielen Schlaglöchern. Dementsprechend wurden wir auch gut durchgerüttelt.

Einfache Zimmer.
Einfache Zimmer.

Auch Albanien hat ein Müllproblem.
Auch Albanien hat ein Müllproblem.

Rundgang durch Radomirë

Radomirë ist ein kleiner Ort auf 1200 Metern Höhe, der von Wanderern gerne als Startpunkt für eine Tour auf den Korab genutzt wird – was wir am Folgetag auch geplant hatten. Wir schauten uns dafür gemütlich den Ort an. Die Infrastruktur, vor allem die Straßen, ist nicht sehr gut ausgebaut. Die Häuser aus Wellblech sind in einer sehr einfachen Bauweise. Gegenüber den einfachen Häusern stach die sehr moderne Moschee extrem heraus. Unser Hotel war glücklicherweise aus Stein. Gegenüber der Unterkunft war eine Käsefabrik, in die wir Dank Adriatik auch einen Blick werfen konnten. Ansonsten verbrachten wir die Zeit mit Sonne tanken und Ausruhen vor dem großen Trip am Folgetag.

Die neue Moschee in Radomirë.
Die neue Moschee in Radomirë.

Standardstraße und Wellblechhütten.
Standardstraße und Wellblechhütten.

Abendessen mit Bohnensuppe, Reis, Pommes und Salat.
Abendessen mit Bohnensuppe, Reis, Pommes und Salat.

Blick in die Käserei.
Blick in die Käserei.

Zum Korab und zurück

Um 6 Uhr ging es schon sehr früh los. Die Sonne schien etwas zwischen den Wolken hervor, der Berggipfel war noch eingehüllt. Je höher wir kamen, desto besser wurde das Wetter, sodass wir bald bei strahlendem Sonnenschein über die grünen Wiesen laufen konnten. Wie bereits am ersten Tag lag ab ca. 2000 Meter nur noch Schnee und ich fand mich diesmal schneller damit ab, dass die Schuhe nass wurden.

Der Korab in den Wolken.
Der Korab in den Wolken.

Über diese Brücke mussten wir.
Über diese Brücke mussten wir.

Ein kleiner Wasserfall im Gebirge.
Ein kleiner Wasserfall im Gebirge.

iel Schnee um uns herum.
iel Schnee um uns herum.

Auf dem Grat zwischen Albanien und Nordmazedonien ging es dann hoch zum Gipfel. Der Korab ist mit 2764 Metern der höchste Berg Albaniens und gleichzeitig Nordmazedoniens, da er genau auf der Grenze liegt. Der Blick über den Grat auf die nordmazedonische Seite war einfach atemberaubend. Viel Zeit konnten wir auf dem Gipfel leider nicht genießen, da die Wolken bereits nach wenigen Minuten zuzogen und alles in Nebel hüllten. Wir hatten also großes Glück, dass wir es gerade noch rechtzeitig auf den Gipfel geschafft hatten.

Die Aussicht ist toll.
Die Aussicht ist toll.

Hinter uns ziehen Wolken heran.
Hinter uns ziehen Wolken heran.

Das Gras ist von Wind und Kälte gefroren.
Das Gras ist von Wind und Kälte gefroren.

Auf dem Korab auf 2764 Metern Höhe.
Auf dem Korab auf 2764 Metern Höhe.

Blick auf die nordmazedonische Seite.
Blick auf die nordmazedonische Seite.

Der Abstieg im Schnee war dann etwas beschwerlich. Um die Sache einfacher zu machen, legte sich Adriatik einfach auf den Rücken in den Schnee und rutsche den Berghang abwärts. Wir folgten ihm, teilweise nutzen wir unsere Rucksäcke als Schlitten. Einige der schneebedeckten Strecken legten wir so zurück und hatten dabei einen Riesenspaß, auch wenn von der Hose bis zur Jacke und dem Rucksack alles nass geworden ist.

Auch hier gibt es Krokus-Felder.
Auch hier gibt es Krokus-Felder.

Die Sonne kommt heraus.
Die Sonne kommt heraus.

Etwas tiefer im Tal wurde es dann wieder sonnig, sodass unsere Kleidung trocknen konnte. Auf dem Rückweg nahmen wir einen leicht anderen Weg am Flusslauf entlang. Um 17 Uhr nach 11 Stunden Wanderung (reine Geh- und Rutschzeit waren es aber nur 6,5 Stunden) und ca. 17 Kilometern waren wir zurück im Hotel. Laut Navi hatten wir ca. 1600 Meter hoch und natürlich wieder hinab zurückgelegt und es war eine echt großartige Erfahrung. Das Abendessen mit Kartoffelsuppe, Nudeln, Salat und Fleisch schmeckte umso mehr. Leider war es auch schon der letzte Tag in den Bergen.

Radomirë.
Radomirë.

Sonnenuntergang.
Sonnenuntergang.

Abendessen mit Kartoffelsuppe, Salat, Nudeln und Fleisch.
Abendessen mit Kartoffelsuppe, Salat, Nudeln und Fleisch.

190530_korab.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 16,8 km
Höchster Punkt 2751 m
Höhenmeter 1600 m auf, 1600 m ab

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Balkan-Tour 2019 – Teil 2: Wandern in Kosovo

Kosovo im Schnee

Mit dem Auto wurden wir 6:30 Uhr am Hotel in Skopje abgeholt und überquerten kurz danach die Grenze nach Kosovo, was keinerlei Problem darstellte. Um 8 Uhr kamen wir in Prevallë im Süden Kosovos an und starteten unsere Tour.

Das Wetter war anfangs noch recht gut. Über grüne Wiesen ging es los, vor uns lagen die schneebedeckten Berge. Diesen kamen wir auch immer näher und schließlich war es so weit: Wir mussten durch den Schnee stapfen. Prinzipiell ist das nicht so schlimm, meine Schuhe waren aber leider nicht komplett wasserabweisend und mitunter sank ich bis zum Knie in den Schnee ein, sodass auch bald die Hose nass war. Meinen Mitwanderern ging es aber nicht viel anders, was natürlich nur ein geringer Trost war.

Startpunkt der Wanderung mit der Aussicht, was kommt.
Startpunkt der Wanderung mit der Aussicht, was kommt.

Überall Schnee.
Überall Schnee.

Unsere Mittagspause machten wir ungefähr auf der Grenze von Kosovo und Nordmazedonien. Über den Grenzgrat liefen wir weiter gen Süden und das Wetter schwang langsam um. Es zogen Wolken bzw. Nebel auf und mitunter konnte ich gerade noch so schemenhaft meine Freunde vor oder hinter mir erkennen. Wir liefen also etwas näher zusammen, sodass niemand verloren ging. Dass der Nebel, vor allem bei Schnee, einem Streiche spielen kann, stellte ich auch bald fest. Denn plötzlich bewegte sich vor uns im Nebel etwas Großes ganz langsam. Da wir zuvor Bärenspuren gesehen hatten, befürchte ich schon das Schlimmste. Der „Bär“ entfernte sich aber keinen Meter, auch als wir näher kamen nicht. Der Grund war einfach: Es handelte sich nur um einen großen Stein, der aus der Ferne mit den vorbeiziehenden Nebelschwaden so aussah, als würde er sich bewegen.

Blick vom Gipfel aus.
Blick vom Gipfel aus.

Bärenspuren im Schnee.
Bärenspuren im Schnee.

Krokusse im Nebel.
Krokusse im Nebel.

Adriatik kannte sich glücklicherweise in der Gegend aus und wir hatten zwei Navigationsgeräte dabei (ich natürlich mein Garmin), sodass wir diesen nicht ganz so schönen Teil im Schnee bei schlechter Sicht gefahrlos hinter uns lassen konnten. Ziemlich durchnässt kamen wir gegen 19 Uhr nach einer langen Wanderung von 15 Kilometern an einer kleinen Berghütte an. Diese hatten deutsche KFOR-Soldaten Anfang der 2000er dort gebaut. Sicherlich war es keine Luxusunterkunft, aber dank des Kamins war es sehr warm im Gegensatz zu draußen. Wir konnten uns zum Abendessen ein paar Würstchen braten und hatten Brot, Wurst und Käse dabei. Einzig die Toilette im Außenbereich mit Freiluftblick nach unten war doch etwas gewöhnungsbedürftig, zumal es keine Tür gab und es so von der Seite reinregnete.

Unsere Hütte.
Unsere Hütte.

Die Schuhe hängen zum Trocknen über dem Ofen.
Die Schuhe hängen zum Trocknen über dem Ofen.

190526_prevalle.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 15,1 km
Höchster Punkt 2546 m
Höhenmeter 1375 m auf, 1095 m ab

Zwischenstopp in Prizren

Am nächsten Morgen schliefen wir etwas länger, da die Wettervorhersage nicht so toll aussah. Es bestätigte sich auch: Es regnete, die Berge lagen im Nebel und wir konnten keine 10 Meter richtig sehen. Wir warteten noch bis 12 Uhr ab, entschieden uns aber dann, dass es sicherer ist, nicht über die Berge nach Zaplluzhë zu wandern. Stattdessen ging es bergab durch das sehr schöne Sieben-Bären-Tal, auch wenn wir keinen einzigen Bären, dafür aber über 10 Feuersalamander gesehen haben.

Der Flusslauf in der Nähe der Hütte.
Der Flusslauf in der Nähe der Hütte.

Einer der zahlreichen Feuersalamander.
Einer der zahlreichen Feuersalamander.

Das wunderschöne Tal.
Das wunderschöne Tal.

In Gornje Ljubinje organisierte Adriatik uns einen Wagen. Und so waren wir an dem Tag gerade einmal 8 Kilometer bei ca. drei Stunden Wanderung unterwegs. Da wir noch Zeit hatten, machten wir mit dem Auto einen kurzen Stopp in Prizren. Die zweitgrößte Stadt Kosovos (nach der Hauptstadt Pristina) hat eine schöne Altstadt, die zum Schlendern einlädt. Hätte das Wetter noch etwas mehr mitgespielt, wäre der Weg am Fluss Bistrica entlang mit Blick auf die Festung sicherlich noch etwas schöner gewesen.

Prizren mit Festung im Hintergrund.
Prizren mit Festung im Hintergrund.

190527_ljubinje.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 8,3 km
Höchster Punkt 1721 m
Höhenmeter 85 m auf, 810 m ab

Eine Unterkunft hatte Adriatik für uns im Städtchen Dragash gebucht. Über einem Einkaufszentrum lag das Meka Hotel mitsamt Restaurant. Das Abendessen, aber vor allem das Frühstück waren sehr gut. Adriatik entschuldigte sich zwar im Vorfeld, dass wir auch in Hotels unterkommen müssten und nicht nur in Gästehäusern, aber ich fand das gar nicht so schlimm.

Das sehr gute Frühstück im Meka Hotel.
Das sehr gute Frühstück im Meka Hotel.

Über die Grenze nach Albanien

Am nächsten Morgen starteten wir wieder mit einer Autofahrt. Das Taxi brachte uns in die Nähe der Dreiländereck-Grenze, wo Kosovo, Nordmazedonien und Albanien aufeinanderstoßen. Auf dem Weg zum Startpunkt sahen wir auch eine der unschönen Seiten Kosovos, auch wenn das in Albanien nicht viel anders war, wie ich später merkte. Dadurch, dass es in den entlegenen Dörfern keine Müllabfuhr und auch kein Recycling gibt, wird der Müll mehr oder weniger achtlos in die Natur bzw. in den Fluss geworfen. Für Essensabfälle mag dies noch ein verständlicher Umgang sein, aber auch Plastiktüten, Verpackungen und Flaschen landen dort und verschmutzen die Umwelt entsprechend. Aus dem Grund sammelten wir ab sofort auch unseren Plastikmüll und ließen ihn nicht in den Gästehäusern, sondern nahmen ihn bis nach Pristina mit.

Müllproblem im Kosovo.
Müllproblem im Kosovo.

Ausgeladen wurden wir auf einer Hochebene, sodass wir das umliegenden Šar-Planina-Gebirge (auch Scharr Mountains genannt) sehr bewundern konnten. In der Ferne blickte uns auch schon der Korab entgegen, den wir am übernächsten Tag besteigen wollten. Von allen Tagen hat mir dieser am besten gefallen, da einmal das Wetter sehr gut war (nicht zu warm und nicht kalt), aber auch die Landschaft mich beeindruckte. Über weite Wiesen ging es hinaus bis auf kleinere Berge und wieder hinab bis zur Grenze nach Albanien.

Start der Wanderung.
Start der Wanderung.

Der Gipfel des Kallabak.
Der Gipfel des Kallabak.

Als höchsten Punkt wanderten wir auf den Kallabak mit 2174 Metern Höhe. Wir starteten auf der Hochebene zwar auf ca. 2000 Metern, mussten aber ein kleines Flüsschen auf 1745 Metern Höhe überqueren. Daher waren es doch ein paar Höhenmeter, die wir an diesem Tag geklettert sind. Vom Kallabak aus hatten wir eine noch bessere Sicht auf das umliegende Gebirge. Und wir sahen, dass sich langsam etwas Regen näherte … (Fortsetzung folgt)

Überquerung eines kleinen Flusses.
Überquerung eines kleinen Flusses.

Ich. :)
Ich. :)

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Balkan-Tour 2019 – Teil 1: Einleitung und Skopje

Einleitung

Es ist noch kein Jahr her, da waren wir in Montenegro und Albanien den „Peaks of the Balkans“ wandern. Ein bisschen per Zufall und ein klein wenig durch Absicht hat es sich ergeben, dass wir Ende Mai 2019 erneut in den Balkan konnten. Dieses Mal wollten wir auch Kosovo und Nordmazedonien sehen.

Seit letztem Jahr standen wir mit Adriatik Gacaferi, unserem Reiseführer bei „Peaks of the Balkans“ in Kontakt. Und so fragten wir, ob er für uns vier Wanderer nicht eine kleine Route an der Dreiländereck-Grenze von Kosovo, Nordmazedonien und Albanien planen könnte. Ein bisschen orientierte er sich an dem neuen High Scardus Trail, der erst letztes Jahr eingeweiht wurde. Und so packten wir Ende Mai wieder unsere Sachen, um fünf Tage in den Bergen wandern zu gehen.

WizzAir bringt uns nach Nordmazedonien.
WizzAir bringt uns nach Nordmazedonien.

Ankunft in Skopje

Erster Stopp für uns war in Nordmazedoniens Hauptstadt Skopje. Da wir abends ankamen, suchten wir uns nach dem Hotel erst einmal etwas zu Essen. Der Balkan is(s)t sehr fleischlastig, wie wir bereits aus dem letzten Jahr wussten. In Skopje ist vor allem Cebap, das bei uns als Cevapcici bekannt ist, ein häufig anzufindendes Essen. Wer Cebap pur haben will, der sollte im „Destan“ vorbeischauen. Daneben gibt es Cebap auch noch auf gebackenen Bohnen, was mir ebenfalls sehr gut schmeckte.

Cebap ist Nationalspeise.
Cebap ist Nationalspeise.

Das erleuchtete Staatsarchiv (links) und Außenministerium (rechts).
Das erleuchtete Staatsarchiv (links) und Außenministerium (rechts).

Am nächsten Tag erkundeten wir Skopje. Dominiert wird die Stadt durch den „Mazedonischen Platz“ mit der Reiterstatue Alexanders des Großen. Von 2008 bis 2014 wurde der Innenstadtkern Skopjes komplett neu gestaltet (siehe Skopje 2014), unter anderem mit monumentalen, teils historisch aussehenden Bauten rund um den Mazedonischen Platz. Ein entsprechendes Wow-Gefühl hatte ich auch, als ich das erste Mal den Platz betrat. Als wir aber hinter die Kulissen schauten, das heißt zum Beispiel von der Festung aus auf Skopje, sahen wir, dass außerhalb des kleinen Innenstadtbereichs die Stadt „normal“ aussieht und nicht ganz so pompös ist, wie sie anfangs wirkt.

Das Porta Macedonia.
Das Porta Macedonia.

Im Park of The Woman Freedom-Fighter.
Im Park of The Woman Freedom-Fighter.

Mazedonischer Platz mit Statue Alexanders des Großen.
Mazedonischer Platz mit Statue Alexanders des Großen.

Direkt hinter der Altstadt, in der sich auch der Basar mit vielen kleinen Läden befindet, liegt die Festung Kale. Die Ruine ist ohne Eintritt frei besuchbar. Bis auf die tolle Aussicht in alle Richtungen gibt es leider nicht so viel zu sehen. Es wirkte auf mich, als hätte die Stadt die Festung für Besucher ausbauen wollen, das Projekt aber nicht zu Ende gebracht.

Blick auf Skopje von der Festung aus.
Blick auf Skopje von der Festung aus.

Eckturm der Festung Kale.
Eckturm der Festung Kale.

Die Festung Kale.
Die Festung Kale.

An einem halben Tag hatten wir den interessanten Teil Skopjes bereits gesehen, weswegen wir in zwei der zahlreichen Museen gingen. Zuerst wollten wir mehr über die Geschichte Nordmazedoniens in dem „Museum of the Macedonian Struggle“ erfahren. Das Museum enthält sehr viele Gemälde und Wachsfiguren, die wichtige, geschichtliche Szenen dar- bzw. nachstellen. Zu den einzelnen Ausstellungen gab es auch immer eine Infotafel mit etwas englischem Text, aber ohne Guide fand ich es teils schwer verständlich, alle Informationen in den richtigen Kontext zu rücken.

Interessanter fand ich das „Holocaust Memorial Center“, welches sehr informativ die Geschichte der Juden im Balkan der letzten 2000 Jahre darstellt. Ein Fokus liegt dabei vor allem auf dem Holocaust des Zweiten Weltkriegs und der Geschichte bis 1950. Wir konnten ohne Probleme zwei Stunden in dem Museum verbringen und ich fand es sehr gut.

Alles in allem kann man sich Skopje ruhig einmal anschauen, wenn man in der Nähe ist. Vor allem die Innenstadt ist sehr sehenswert, aber uns reichte ein Tag, um alles für uns relevante zu sehen. Schließlich waren wir auch eher zum Wandern in den Balkan gekommen …

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