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Eindrücke vom Stadt-Land-Spielt 2025

Am 20. und 21.09.2025 war Stadt-Land-Spielt in ganz Deutschland. Zahlreiche Städte und Spielvereine haben teilgenommen. Ich habe den FsF e.V. in Böblingen unterstützt, die am Samstag in einem Mehrzweckgebäude Spiele für interessierte Mitspieler anboten. Seitens Stadt-Land-Spielt gab es mehrere Spielepakete mit teils neuen Spielen, die zum Vorstellen der Besucher gedacht waren. Bei uns lag das Paket „Strategie & Glück: für die ganze Familie von 5 bis 99 J.“ (laut Webseite) vor.

Wir öffneten um 14 Uhr und der Andrang war sehr übersichtlich. Bis 18 Uhr hatten wir nur circa vier Familien zu Besuch, eine davon sogar von einem Mitglied des Vereins. Die neuen Besucher waren Personen, die das Vereinsplakat beim Vorbeigehen gesehen hatten und sich dafür interessierten. Aber auch wenn es nicht viele waren, hat mir das Erklären von Spielen für andere wieder sehr viel Spaß gemacht. Ich freue mich daher jetzt schon auf die Stuttgarter Spielemesse im November.

Den zugeschickten Spielen lagen auch noch zwei Challenges bei. Zum einen gab es eine „Dorfromantik“-Challenge, bei der man sich per Draft Plättchen wählte und dann daraus jeder für sich ein Dorf zauberte. Und die Person mit der höchsten Punktezahl gewinnt einen Preis. Da ich „Dorfromantik“ okay, aber nicht umwerfend finde, habe ich dabei nicht mitgemacht. Daneben gab es noch die Spiele-Rally, bei der die Veranstalter interessierten Personen drei zugeschickte Spiele erklären, sie diese spielen und sich dann für eine Verlosung eintragen können. Immerhin sieben Loszettel hatten wir am Ende in der Box, unter denen ich zwei Spiele verlosen konnte.

Und natürlich habe ich einige neue Spiele (unter anderem die aus der Box und einige Kinderspiele) kennengelernt. Darunter „Pictoo“, „Quando“, „Alle gegen Rudi“, „Dschungelgedrängel“, „Hitster: Celebration“ und „Voll verschätzt“.

Pictoo Fantasy/Disney (Ravensburger, 2025)

Das Spiel „Pictoo“ ist von 2015/16, aber vermutlich nur für den US-Markt. 2025 hat Ravensburger jetzt auch eine deutsche Version davon veröffentlicht. Gleichzeitig dazu gab es auch noch eine „Pictoo Disney“-Version, die ich auf BGG nicht als eigenständiges Spiel erwartet hätte, weil es identisch funktioniert.

In „Pictoo“ legt jeder fünf Karten vor sich aus, die jeweils eine andere Wimmelbild-Szene zeigen. Je nach Thema ist das irgendetwas in Richtung Einhorn-Fantasy oder etwas aus Disney-Filmen. Überall auf den Karten sind verschiedene Gegenstände versteckt, wie ein Schwert, ein Zylinder, ein Topf oder Ähnliches. Auf der Rückseite der Karten sind diese Gegenstände groß abgedruckt. Es wird nun die oberste Karte des Stapels mit der Gegenstand-Seite nach oben aufgedeckt und jeder sucht so schnell wie möglich den Gegenstand bei sich auf einer Karte. Wer ihn zuerst findet, schreit „Hier“. Die Person legt ihre Karte dann mit der Rückseite in die Mitte und gibt damit den nächsten Suchgegenstand vor. Gewonnen hat, wer zuerst alle Karten losgeworden ist.

Pictoo Disney
Pictoo Disney

„Pictoo“ fühlt sich an wie eine Mischung aus „Dobble“ und einem Wimmelbild. Und das funktioniert für mich ausgezeichnet. Es machte mir einfach sehr viel Spaß, die Karten anzuschauen, zu erkunden und irgendeinen gläsernen Schuh oder einen Fliegenpilz darauf zu suchen. Oft kam – nicht nur von den Kindern – „Oh, schau mal. Da ist ja das und das.“ Wo ich am Anfang mit fünf Karten noch lange suche, präge ich mir diese im Spielverlauf immer besser ein und finde die Dinge schneller. Manchmal finde ich sie aber auch gar nicht, weil ich nicht selten hörte: „Ein Zwerg? Ich hab einen Zwerg. Moment, wo ist der Zwerg? Den hatte ich eben noch. Ach nein, der war auf der Karte, die ich vorhin abgelegt habe.“ Ein gutes Gedächtnis kann hier auch hinderlich sein.

Wer „Dobble“ spielt, weiß, dass Kinder darin gar nicht so schlecht sind. Gleiches gilt für „Pictoo“. Am Anfang werden die meisten Erwachsenen noch Vorteile haben, weil viele schneller die Bilder erfassen und Muster erkennen können. Aber je öfter man „Pictoo“ spielt, desto mehr bekommen die Kinder ein Gespür dafür, was die interessanten Gegenstände sind. Vor allem skaliert das Spiel gut über die Zeit, weil im Normalfall mit weniger Karten die Chancen geringer sind, den gesuchten Gegenstand überhaupt abgebildet zu haben. Damit entsteht automatisch ein Catch-up-Mechanismus, der recht gut funktioniert. Dennoch schadet es aber sicher nicht, wenn Eltern sich am Anfang etwas zurückhalten und nicht gleich die ersten vier Karten nach jeweils einer Sekunde ablegen.

Interessant fand ich, dass das Spiel sowohl bei Älteren als auch bei Jüngeren so gut ankam. Normalerweise endet die Partie, wenn eine Person alle ihre Karten abgelegt hat. Es passierte (zumindest in der Erstpartie) in allen Runden, dass so lange gespielt wurde, bis alle ihre Karten abgelegt hatten. Da wurde meist dann auch bei den anderen Spielerinnen mitgeschaut und gesucht, wenn man bereits fertig war. Und das ist ein positiver Aspekt eines Spiels, wenn man es nicht sofort wegpackt. Und als ich es mit einem Vater und der fünfjährigen Tochter gespielt habe, forderte diese immerhin vier Partien ein, was davon zeugt, dass es auch Kinder länger bei der Stange halten kann.

Bei mir ist „Pictoo“ jedenfalls auf dem Einkaufszettel gelandet. Welche Version es wird, weiß ich noch nicht sicher. Zumindest bei der Disney-Version hat mich begeistert, dass ich die Karten zu einem Film zu einer großen Szene zusammensetzen kann. Allein für diesen Meta-Aspekt verdient das Spiel eine hohe Wertung. (9,0)

Wertung: (9,0)

#Pictoo #PictooFantasy #PictooDisney

Quando (KENDi, 2024)

Das zweite Spiel der Spiele-Rally war „Quando“. Wir spielten es einmal Probe, damit ich die Regeln nicht nur vom Lesen her kannte. Erklären musste ich es an diesem Tag danach aber nur einmal.

„Quando“ ist ein Kartenspiel, bei dem wir versuchen, möglichst viele Handkarten auszuspielen, bevor ein Durchgang endet. Anfangs zieht jeder 7 Karten auf die Hand. Auf beiden Seiten der Karten stehen Zahlen von 0 bis 10, ich darf mir die Rückseite meiner Karten aber nicht anschauen. In meinem Zug spiele ich entweder eine Straße mit genau drei Karten oder beliebig viele Karten mit der gleichen Zahl. Spiele ich genau drei Karten mit der gleichen Zahl, müssen alle Mitspielerinnen eine 0 auf ihrer Hand auf die Rückseite drehen oder – wenn sie keine haben – eine Karte nachziehen. An meinem Zugende muss ich ebenfalls eine Karte nachziehen. Immer, wenn ich eine Karte nachziehen kann, muss ich entscheiden, ob ich diese mit der sichtbaren Vorderseite vom Nachziehstapel aufnehme oder ob ich die Karte umdrehe. Im zweiten Fall muss ich aber mit dem Ergebnis leben.

Ein Durchgang endet sofort, wenn eine Spielerin nach dem Nachziehen nur Nullen auf der Hand hat. Alternativ kann man anstatt Karten auszuspielen und nachzuziehen, klopfen. Damit läutet man das Ende des Durchgangs ein und jede Spielerin danach darf noch einmal genau eine Aktion ausführen. Am Ende wird geprüft, wer die wenigsten Punkte hat. Diese Spielerin erhält 0 Minuspunkte. Alle anderen erhalten ihre Kartenwerte als Minuspunkte aufgeschrieben. Sollte der Klopfer nicht die wenigsten Punkte haben, gibt es 5 Minuspunkte extra. Die Partie endet, wenn eine Spielerin mehr als 50 Minuspunkte hat. Die Person mit den wenigsten Minuspunkten gewinnt.

Quando
Quando

Es gibt so Spiele, die bei mir keinerlei Eindruck hinterlassen. Nachdem ich „Quando“ gespielt und sogar erklärt hatte, fiel mir eine Woche später nicht mehr ein, wie das Spiel funktionierte und worum es ging. Das Spiel plätschert auch einfach nur so dahin, ich empfand es niemals als spannend. Ganz im Gegenteil: Es war eher langweilig, wenn man an dem Punkt angekommen war, wo man weder Straße noch gleiche Karten hat. Denn dann schmeiße ich nur eine Karte weg und ziehe eine Karte nach. Das über mehrere Runden hinweg ist nicht spannend. Die Entscheidung beim Nachziehen, ob ich die Karte mit der bekannten Vorderseite aufnehme oder auf die unbekannte Rückseite drehe, hinterließ bei mir ebenfalls kein Spannungsgefühl. Anders als bei „Captain Flip“, welches genau mit diesem Mechanismus viel Spannung und Spaß erzeugt, langweilt es mich in „Quando“, weil es einfach zu viele Möglichkeiten gibt und es Zufall ist, was herauskommt.

Was ich auch wenig verstanden habe, ist die Regel, dass ich die Rückseite meiner Karten nicht anschauen darf. Es passierte bei uns ständig, dass jemand seine Hand ablegte oder die Karten auf den Tisch legte, sodass man unweigerlich die Rückseite sah. Ich fand nur, dass man mit der Information wenig anfangen konnte. Einzig die Rückseite der Nullen interessiert mich. Natürlich kann ich von den Rückseiten der anderen Karten schließen, welche Karten noch im Spiel sind, aber den Aufwand war mir das Spiel nicht wert. Ich bin froh, wenn ich „Quando“ nicht noch einmal spielen muss. (5,0)

Wertung: (5,0)

#Quando

Kitchen Rush (Artipia/Pegasus, 2019)

Zu „Kitchen Rush“ komme ich alle paar Jahre mal. Die letzte Partie ist aber sicherlich auch schon wieder sieben Jahre her und so benötigte ich eine neue Erklärung.

In dem kooperativen Spiel managen wir gemeinsam ein Restaurant. Jeder von uns hat ein oder zwei Sanduhren als Arbeiter. Wir spielen alle gleichzeitig und setzen unsere Sanduhren umgedreht auf ein Aktionsfeld auf dem Plan. Ich führe die Aktion aus, muss mit der nächsten Aktion aber warten, bis die Sanduhr durchgelaufen ist. Als Aktionen kann ich neue Gäste begrüßen, die sich bestimmte Gerichte wünschen, ich darf mir ein Gericht nehmen, ich gehe in eine der beiden Speisekammern und hole mir die Zutaten, oder ich koche das Gericht. Das klingt sehr simpel, aber es ist gar nicht so einfach, in den 4:30 Minuten alle Aktionen zu erledigen, da die Sanduhr circa 30 Sekunden durchläuft und ich so maximal nur neun Aktionen habe.

„Kitchen Rush“ ist in mehrere Szenarien aufgeteilt. Oben habe ich das Einstiegsszenario beschrieben, welches wir zweimal spielen mussten, um es zu gewinnen. Später kommen noch Gewürze dazu, die ich mir aus dem Garten besorgen muss, jemand muss im Dorf die Zutaten erst einkaufen und auf die zwei Speisekammern verteilen, die Teller werden dreckig und müssen gewaschen werden, und anstatt einer Sanduhr erhält jeder zwei. Das ergibt ein schönes Chaos, welches es zu managen gilt, und macht normalerweise viel Spaß. Mir haben diesmal aber die zwei Partien gereicht und ich wollte nicht weiterspielen, da ich ja zum Spieleerklären auf der Veranstaltung war. (8,0)

Später habe ich mitbekommen, dass das Spiel auch noch einem elfjährigen Kind beigebracht wurde. Dieses war so begeistert, dass es fortan jede Spielegruppe, die mit einer Partie fertig war, fragte, ob sie „Kitchen Rush“ spielen wollte. Am Abend fanden sich dann mit zwei anderen Kindern auch noch weitere Mitspieler für ihn ein. Er erklärte dabei die Regeln, und als er gleich mit den Gewürzen anfing, hatte ich schon die Befürchtung, dass er die anderen beiden im Alter von circa 9 bis 11 überfordern würde. Aber tatsächlich spielten diese zu dritt bzw. später dann zu zweit sehr viele Szenarien von „Kitchen Rush“ durch, sodass sie sogar einen noch verpackten Kartenstapel öffnen mussten. Das hat mir wieder gezeigt, wie sehr Spiele doch begeistern können.

Wertung: (8,0)

#KitchenRush

Captain Flip (PlayPunk, 2024)

Mit unserer Fünfjährigen kann ich „Captain Flip“ sehr gut spielen. Sie kann noch nicht allein Punkte zählen, aber sie versteht die Regeln und kann gut selbst entscheiden, ob sie etwas umdrehen will oder nicht. Daher schlug ich das Spiel einem Vater und seiner fünfjährigen Tochter vor, mit der wir zuvor „Pictoo“ gespielt hatten (siehe oben). Aber ich lernte, dass Kinder unterschiedlich sind, und dass das Piratenthema nicht jeden begeistern kann. Sie verstand zwar schnell, dass man die Masten hochklettern sollte, um ans Gold zu kommen, in Summe war sie aber nicht bei der Sache.

Auch mit dem Mechanismus, dass das Plättchen herausgezogen und nicht umgedreht werden darf, tat sie sich schwer. Sie zog immer ein Plättchen, drehte es hin und her und entschied sich dann nach Rückfrage für eine Seite. Als Kindervariante fand ich das gar nicht so schlecht. Dennoch wollte sie nach circa 3/4 der Partie nicht weiterspielen. Ihr Vater und ich beendeten die Partie noch regulär, während sie ihre Plättchen schon einpackte.

Mir selbst hat „Captain Flip“ wieder Spaß gemacht, aber ich habe es ja auch vorgeschlagen. Aber ich lasse die Partie ohne Wertung stehen. (ohne Wertung)

#CaptainFlip

Alle gegen Rudi (NSV, 2018)

Danach zeigte ich den beiden die Spielekammer des Vereins und dort waren auch einige echte Kinderspiele dabei. Das erste war „Alle gegen Rudi“. Wir legen einen Parcours aus Karten mit Start und Ziel aus. Wir alle spielen gemeinsam mit Igel, Hund und Bär gegen Rennmaus Rudi und versuchen, mit einem Tier vor der Maus im Ziel zu sein. Hierfür würfeln wir mit zwei Würfeln, auf denen die Tiere abgebildet sind. Je nach Wurf bewege ich Rudi einen Schritt, den Igel einen Schritt, den Hund zwei Schritte und den Bären gleich drei. Wenn ich einen Doppel-Igel habe, darf ich stattdessen auch den Hund zwei Schritte oder den Bären drei Schritte laufen lassen.

Alle gegen Rudi
Alle gegen Rudi

Für die Zielgruppe 4+ ist „Alle gegen Rudi“ sicherlich geeignet, aber es ist leider mal wieder ein Spiel ohne große Entscheidungen. Ich würfel und dann bewegt sich etwas. Einzig beim Doppel-Igel habe ich eine Entscheidung. Das ist wie gesagt für die Zielgruppe okay, aber ich bevorzuge Kinderspiele, an denen ich auch Spaß habe und bei denen ich Entscheidungen treffen kann. Und auch für Vierjährige finde ich Spiele besser, bei denen sie Entscheidungen treffen und eine Auswirkung ihrer eigenen Handlung sehen.

Unsere Partie war dazu noch sehr langweilig, weil der Bär mit weitem Abstand vor der Maus gewann. Die Maus konnte eigentlich nur den Igel auf halber Strecke überholen. Ggf. haben wir etwas falsch gespielt. Ggf. hat die Fünfjährige aber etwas mitgeholfen, denn sie hatte bereits nach drei Minuten keine große Lust mehr und stapelte stattdessen die Tiere aufeinander, wodurch wir beim Zählen sicherlich irgendwo etwas durcheinanderkamen. Ich bevorzuge dann wohl lieber „Mein erster Obstgarten“ als Kinderspiel, was ebenfalls zufällig mit wenig Entscheidungen daherkommt, aber kürzer geht und sich haptischer anfühlt. (5,0)

Wertung: (5,0)

#AlleGegenRudi

Dschungelgedrängel (frechverlag, 2023)

Das letzte Kinderspiel an dem Tag war „Dschungelgedrängel“. Jede Spielerin hat vier Statuen für Affen, Tiger, Elefanten und Aras vor sich. Wir starten mit 5 Handkarten und spielen reihum. In meinem Zug spiele ich entweder eine Aktionskarte oder lege beliebig viele Tierkarten einer Art zu einer Statue. Auf den Tierkarten sind unterschiedliche Tierzahlen abgebildet. Liegen weniger als 9 Tiere einer Art an einer Statue, passiert nichts. Sind es exakt 9, drehe ich die Statue um, die damit geblockt ist. Und sind es mehr als 9, fallen die Tiere herunter und alle Karten davon werden abgeworfen. Gewonnen hat, wer zuerst alle vier Statuen umgedreht hat.

Dschungelgedrängel
Dschungelgedrängel

Der Clou ist, dass ich Tierkarten nicht nur bei mir spielen kann, sondern auch bei meinen Mitspielerinnen. Das sorgt für einen großen Ärgerfaktor, wenn jemand 8 Elefanten auf seiner Statue sitzen hat und ich eine weitere Karte mit zwei Elefanten darauf dorthin spiele. Dieser Effekt war das ganze Spiel über auch recht witzig. Es führt aber auch dazu, dass eine Partie länger dauert als es das Spiel trägt.

Vor allem zum Spielende hin, wenn viele Statuen umgedreht sind, zieht sich das Spiel und wird langweilig. Als Sonderaktion, wenn alle Statuen einer Art umgedreht sind, kann ich nämlich beliebig viele Tierkarten einer Art abwerfen und nachziehen. Das führte dazu, dass wir zwei Erwachsenen nur noch Karten abwarfen, bis jemand eine passende Zahl an Tieren auf der Hand hatte, um die Statuen vollzumachen. Auch wenn das Beenden einer Statue in einem Zug verboten ist, also 9 Tiere auf einmal zu spielen, reicht es aus, wenn ich 1 bis 3 Tiere als Basis spiele, dann den Rest sammle und in einem Zug daraufsetze. Da können die Mitspieler auch wenig dagegen machen. Die zwei Aktionskarten, die mich Tiere abwerfen oder zu mir ziehen lassen, sind nett, aber verändern das Spielgefühl nicht sehr.

Auch bei dem Spiel war die Fünfjährige nicht so lange dabei. Sie hatte mehr Spaß daran, alle Karten (also auch die vom Nachziehstapel) nach Tierart zu sortieren und unsere Statuen abzuräumen, wenn sie voll waren. Dafür spielte sie Kartenfee und gab uns neue Karten auf die Hand, wenn es notwendig war. Insofern weiß ich nicht, wie ich es aus Kindersicht werten soll. Aus meiner Sicht war das Spiel okay, aber auch nicht herausragend. Es wird vermutlich keine Folgepartie geben. (6,0)

Wertung: (6,0)

#Dschungelgedrängel

King of Tokyo (Heidelberger/IELLO, 2011)

Die jüngeren Kinder waren dann weg, aber die älteren noch da. Also spielten wir zu sechst eine Partie „King of Tokyo“. Ich besitze das Spiel selbst, spiele es aber eher selten, weil ich gefühlt doch bessere Spiele im Schrank habe. Aber als Zwischendurchspaß ohne Nachzudenken funktioniert das Spiel dennoch prima.

Einziger Nachteil ist die Spieler-Elimination. Ein elfjähriges Kind, das mitspielte, stand nach einem Angriff mit 1 Leben in Tokio. Und anstatt die Stadt zu verlassen, was wir ihm alle empfohlen hatten, blieb es stehen mit den Worten „Ich sterbe eh als Erstes.“ Recht hatte es, im nächsten Zug wurde natürlich eine Tatze geworfen und das Kind fragte, wie es jetzt weiterspielt. Es suchte sich nach dem Ausscheiden dann aber schnell einen neuen Tisch mit zwei anderen Kindern und setzte diesen „Kitchen Rush“ vor (siehe oben).

King of Tokyo
King of Tokyo

Wir spielten die Partie zu Ende und ich konnte mich immerhin bis kurz vor Schluss behaupten. Ich stand in Tokio und hatte nach dem letzten Angriff von außen nur noch ein Leben. Mein einziger Gegner hatte vier, aber ich hatte eine Karte, mit der ich aus Tokio heraus einen Schaden mehr machen konnte. Also blieb ich drin und versuchte mein Glück, das mir leider nicht hold war. Ich würfelte nur zwei Tatzen und konnte ihn somit nicht zur Strecke bringen. Das rächte sich logischerweise, weil mein Mitspieler nur eine Tatze brauchte, die er auch würfelte. Und so schied ich aus.

Es war mal wieder nett, „King of Tokyo“ zu spielen. Für die 20 Minuten Spaß zwischendurch war es genau das Richtige. (7,5)

Wertung: (7,5)

#KingOfTokyo

Hitster: Celebration (Jumbo, 2025)

Da mir „Hitster“ bei der Erstbegegnung sehr gut gefallen hat, stimmte ich einer Partie „Hitster: Celebration“ zu. Es spielt sich wie das normale „Hitster“, nur eben mit anderen Liedern. Und die sind … ja, wie soll ich sagen? Schlecht? Zumindest trafen sie in 90% der Fälle nicht meinen Geschmack bzw. hatte ich in 80% der Fälle die Titel noch nie gehört. Und ich meine nicht die Liednamen, sondern tatsächlich das gespielte Lied. Das ist natürlich nicht zwingend erforderlich, um den Jahrgang des Liedes zu erraten, um es einzuordnen, aber ich habe gemerkt, dass es mir mehr Spaß macht, wenn ich die Lieder zumindest einmal gehört habe.

Hitster: Celebration
Hitster: Celebration

Vielleicht hätten wir auch nicht den kompetitiven Modus, sondern den kooperativen wählen sollen. Dann wäre es aber auch darauf hinausgelaufen, dass zwei bis drei Leute am Tisch den Zeitstrahl gebildet hätten und der Rest mehr oder weniger zustimmend nickt. Denn wenn ich gar keine Ahnung von den Titeln habe, muss ich auch nicht mitreden.

Ich war jedenfalls froh, dass wir nicht bis zehn Karten im Zeitstrahl gespielt haben, was noch Ewigkeiten gedauert hätte, sondern nach sieben Karten aufhörten. „Hitster: Celebration“ brauche ich jedenfalls nicht noch einmal. (4,0)

Wertung: (4,0)

#HitsterCelebration

Voll verschätzt (Denkriesen, 2025)

Noch ein neues Spiel konnte ich mit „Voll verschätzt“ kennenlernen. Die erste Partie spielten wir zu dritt. Es folgten an dem Abend aber auch noch weitere Partien zu siebt und daheim noch einmal zu viert.

„Voll verschätzt“ ist ein Schätzspiel, welches Fragen stellt, deren Antwort kaum jemand kennt. Es wird über drei Runden gespielt. In jeder Runde werden acht plus zwei optionale Schätzfragen von einem großen Block gestellt. Beispiele sind: „Wie viele Zähne hat eine Mücke?“, „Wie alt wird ein T-Rex?“ oder „Seit wann existiert Bibis Beauty Palace auf Youtube?“ Jeder trägt die Antwort geheim auf seinem Block ein. Von den beiden optionalen Fragen bezieht sich eine auf die Gruppe (Beispiel: „Wie viele Kuscheltiere habt ihr in Summe zusammen daheim in Eurem Bett liegen?“) und die andere ist eine Frage, die nur mit Internetzugang beantwortet werden kann (Beispiel: „Wie viele Abonnenten hat der Youtube-Kinderkanal von ‚My Little Pony‘?“). Nach den Fragen muss jeder eine Antwort markieren, die doppelt gewertet wird.

Dann wird die Seite auf dem Block umgedreht und die Antworten vorgelesen. Wer exakt trifft, erhält drei Punkte. Sollte dies niemand schaffen, erhalten die Spielerinnen, die am nächsten dran sind, zwei Punkte. Und die Person, die am weitesten weg ist, einen Minuspunkt. Nach drei Runden endet die Partie, die Punkte der drei Durchgänge werden gezählt und jemand gewinnt.

Voll verschätzt
Voll verschätzt

Aber wie so oft bei solchen Partyspielen ist die Punktzahl egal, es geht mehr um das Gesamterlebnis. Und das macht durchaus Spaß bei der Auflösung, wenn man sieht, wie weit man danebenliegt. Manchmal gibt es auch Diskussionen über die Antwort, was bei sieben Leuten, die durcheinanderreden, aber mitunter etwas anstrengend ist. Anstrengend kann bei einer großen Gruppe auch die Auswertung sein, denn man muss herausfinden, wer am nächsten dran und am weitesten weg war. Und das ist mit viel Rechnerei verbunden, wenn die Fragen eher große Wertebereiche als Antwort zulassen.

Positiv finde ich die zwei optionalen Fragen. Nicht jeder mag es, das Handy am analogen Spieltisch zu zücken, aber ich fand es witzig, zu raten, wie viele Follower Cristiano Ronaldo gerade hat. Und auch das Schätzen von Gruppenfragen regt zu Diskussion an, wenn gefragt wird, wie viele Personen zum letzten Geburtstag eingeladen wurden und man selbst bei 0 steht, andere aber 30 angeben – und es nicht mal ein runder Geburtstag war.

Auf dem Stadt-Land-Spielt-Event gab es auch ein Probespiel von „Voll verschätzt“, was wir danach daheim zu viert spielten. Hierüber ließen sich dann auch die anderen „Voll verschätzt“-Editionen Junior, Rotlicht und Christmas testen. Ich gebe zu, dass mir die normale Version und ggf. noch die Junior-Version aber mehr zusagen. Dabei ist die Junior-Edition aber auch ab 10 Jahren angegeben, da sich jüngere Kinder mit Relationen und Abschätzungen eher schwer tun.

Mir hat „Voll verschätzt“ in den drei Partien viel Spaß gemacht – unabhängig vom Spielergebnis. Einzig bei der Langzeitmotivation bin ich unsicher. Der Frageblock enthält zwar 35 Seiten, aber da immer zehn Fragen auf einer Seite stehen, kommen in späteren Partien genau diese zehn Fragen wieder. In der Produktion ist der Block sicherlich preiswerter (ca. 8 bis 10 Euro im Laden), aber ein Kartenspiel mit einer einzelnen Frage auf der Vorder- und Antwort auf der Rückseite wäre auf Dauer abwechslungsreicher gewesen, denke ich. Denn so weiß ich nicht, ob mir die gleichen Fragen mit einer anderen Gruppe auch Spaß machen bzw. wo ich mich grob an die Antwort erinnere.

Wichtig ist auch: „Voll verschätzt“ ist kein interaktives Spiel. Jeder schreibt für sich und bei der Auflösung entstehen manchmal (!) Diskussionen. Je nach Gruppe kann es aber auch sein, dass man die Antworten durchgeht, Punkte aufschreibt und es abhakt. Da muss also jeder für sich entscheiden, wie das Spiel bei ihm ankommen könnte. Mir hat es, wie gesagt, als Einmal-Spielerlebnis gut gefallen. Ich wird aber sicherlich nicht andere Großgruppenspiele wie „Werwörter“ oder „Just One“ bei mir ersetzen. (7,5)

Wertung: (7,5)

#VollVerschätzt

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