Radtour 2026 ins Ällgäu und an den Bodensee
Einleitung
Meine letzte Radtour ist ungefähr sieben Jahre her. Im Mai 2026 hatte ich aber die Möglichkeit, eine mehrtägige Radtour Richtung Allgäu und Bodensee zu machen, was ich nach der langen Pause natürlich gerne in Angriff nahm.
Wie üblich habe ich die einzelnen Strecken über Open Route Service geplant. Hier sehe ich direkt die unterschiedlichen Radwege (soweit eingetragen) und kann das vorgeschlagene Routing gut anpassen. Dennoch der Hinweis: Auch ORS irrt sich manchmal. Es gab auf der Reise zwei Strecken, die definitiv nicht für Fahrräder geeignet waren. Hätte ich mir die Streckenbeschaffenheit vorab genauer angeschaut, hätte ich das gesehen. Glücklicherweise ging es beide Male bergab und ich konnte das Fahrrad langsam über die holprigen und steinigen Wege schieben. Bergauf hätte ich dazu keine Lust gehabt.
Die Strecken habe ich dann als GPX-Tracks auf mein Garmin Oregon 450 gespielt, was trotz des Alters immer noch seinen Dienst tut. Auf eine Aktualisierung der Karten auf dem Gerät habe ich verzichtet, weil ich mich nicht mehr damit auseinandersetzen wollte, ob und wie es derzeit funktioniert. Die sieben Jahre alte Deutschland-Karte mit Radwegen hat aber sehr gut ihren Dienst getan.
Den Bodensee und das Allgäu hatte ich bereits auf meiner Radtour 2012 besucht, bin damals aber von Bayern aus gekommen und habe den Bodensee zur Hälfte umrundet. Dieses Mal wählte ich einen direkteren Weg, aber auch nicht zu direkt. Schließlich wollte ich noch etwas Neues von Deutschland sehen.
Mittwoch, 20.05.2026, Blaubeuren
Frühmorgens gegen 8 Uhr ging es los. Zuerst bin ich am Schloss Solitude vorbeigefahren, was aber kein seltener Besuch war. Daher gab es hier auch keinen längeren Halt.
Einmal quer durch den Wald und durch die Stuttgarter Vororte im Westen der Stadt ging es nach Leinfelden. Dort beginnt in Musberg der Siebenmühlental-Radweg, den ich früher schon öfters gefahren bin, um Freunde in der Gegend zu besuchen. Ich mag den Radweg, weil er gut ausgebaut ist und es sich dennoch schön in der Natur fahren lässt.
Dort, wo der Radweg die Aich kreuzt, bin ich gen Nürtingen abgebogen, dann am Tiefenbach bis nach Owen und weiter an der Lauter bis nach Oberlenningen gefahren. Was ich bei der Planung vorab übersah: Die Schwäbische Alb ist ein Hochplateau und irgendwie musste ich hochkommen. Der Anstieg in Oberlenningen lag ein kleines Stück bei vermutlich 20%, wo ich mein Rad nur noch schieben konnte. Die restliche Höhe von 450 Metern auf 750 Meter hoch bis nach Schopfloch konnte ich aber auf den Pedalen zurücklegen. Das Schopflocher Moor kannte ich schon, weswegen ich dort keinen Halt machte.
Was ich nicht kannte, war die Tiefenhöhle in Laichingen. Die Höhle wird nicht, wie viele andere, horizontal durchquert, sondern vertikal. Die Höhle selbst ist 87 Meter tief, als Besucher kommt man bis auf 55 Meter über zahlreiche Treppen nach unten. Ich gebe zu, dass die Höhle, was Stalaktiten und Stalakmiten angeht, nicht viel zu bieten hat. Aber die verschiedenen Gänge und Schächte in die Höhe fand ich dennoch beeindruckend.
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Das Wetter war inzwischen etwas schlechter geworden mit ein bisschen Regen, und es war auch nicht sehr warm (14 Grad). Da war ich froh, dass es nicht mehr weit zum Ziel war. Ich hatte vorab überlegt, wie weit ich aus dem Stegreif nach längerer Tourenpause an einem Tag fahren könnte. Über die verfügbaren Unterkünfte auf Booking.com schränkten sich die Übernachtungsziele etwas ein. Und so landete ich nach 98 Kilometern Radtour am ersten Tag in Blaubeuren.
Der Blautopf, der unterirdisch mit dem Wasser aus der Tiefenhöhle Laichingen gespeist wird, befindet sich leider noch in Renovierung. Aber ich war schon vor zwei Jahren dort, sodass ich wusste, wie schön er aussieht.
Untergekommen bin ich in der örtlichen Jugendherberge. Für die reine Übernachtung inkl. Frühstück reichte mir das vollkommen aus und war im Vergleich zu anderen Unterkünften auch preiswert. Dass es abends mitunter etwas lauter auf den Gängen zuging, war da nicht so schlimm.
Donnerstag, 21.05.2026, Ottobeuren
Da ich damit gerechnet hatte, dass mir am zweiten Morgen ein paar Körperteile weh tun würden, plante ich die zweite Route recht horizontal an Flüssen entlang. An der Blau ging es entlang bis nach Ulm, wo ich mir das Ulmer Münster anschauen wollte. Das hätte ich fast verpasst, weil ich bei der Planung keinen Zwischenpunkt am Münster gesetzt hatte. Erst als ich in Neu-Ulm die Donau überquerte, fiel mir auf, dass ich am Münster vorbeigefahren war.
Das Ulmer Münster mit seinem gotischen Stil besitzt seit kurzem den „nur“ noch zweitgrößten Kirchenturm der Welt. Im Oktober 2025 wurde er von der Sagrada Familia in Barcelona abgelöst. Dennoch wirkt das Kirchengebäude von außen sehr beeindruckend, auch wenn es gerade renoviert wird. Auch im Inneren gibt es Bauarbeiten, was gegebenenfalls ein Grund war, dass ich es innen nicht ganz so beeindruckend fand – vor allem im Vergleich zu der Kirche an meinem Zielort (siehe unten). Hochgelaufen auf den Turm bin ich nicht, weil ich meine Beine noch zum Radfahren brauchte.
Nach dem Münster habe ich mir im Gebäude der Touristeninformation eine Foto-Ausstellung zur Tschernobyl-Katastrophe angeschaut, was dieses Jahr im April auch schon wieder 40 Jahre her ist.
Von Ulm ging es dann kurz an der Donau und dann an der Iller flussaufwärts gen Süden bis nach Memmingen. Leider kann ich den Radweg nicht wirklich empfehlen. 50 Kilometer Schotterpiste mit teilweise groben Steinen und viel Wackelei. Da war es kein Wunder, dass mir der Po irgendwann wehtat. Zusätzlich gibt es auf dem Weg bis auf viel Wasser nicht wirklich viel zu sehen. Ich weiß, wieso ich den Folgetag im Allgäu so viel besser fand.
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Von Memmingen ging es dann nach Ottobeuren, was nach insgesamt 94 Kilometern der zweite Stopp war. Auch hier kam ich in der Jugendherberge unter.
Ottobeuren hat eine wunderschöne Basilika, die auch schon von Weitem prachtvoll aussieht. Vom Nahen sieht man dann, dass einige Elemente nur aufgemalt sind, was dennoch hübsch aussieht. Beeindruckend fand ich die Kirche aber vor allem von innen. Die Deckengemälde sehen umwerfend aus, es gibt extrem viele Figuren und Schnitzereien und auch die diversen Altäre sind sehr prunkvoll ausgestattet. Das zugehörige Benediktinerkloster habe ich nicht besucht, weil es schon geschlossen hatte.
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Freitag, 22.05.2026, Scheidegg
Am Freitag wurde es etwas bergiger, dafür aber auch abwechslungsreicher. Ich hatte mir vorab zwei Alternativstrecken überlegt und wählte die zweite, da ich auf meiner Radtour 2012 nicht durch Isny durchgekommen bin.
Lustigerweise traf ich für eine kurze Strecke die Iller wieder und war etwas verwundert, dass ich sie diesmal flussabwärts (am Vortag war es flussaufwärts) begleitete. Ansonsten machte ich (bis auf Mittagssnack und Nachmittagseis) keine größeren Halte.
Dennoch hat mir die Landschaft trotz oder wegen des Aufs und Abs viel besser gefallen, als der Vortrag am Fluss entlang. Alle paar Kilometer war wieder ein kleiner Ort oder irgendwelche Tiere auf Weiden, die für Abwechslung sorgten. So konnte ich kurz vor der Mittagspause in Altusrief beim Werksverkauf der Firma Meggle einen leckeren Bockshornkleekäse kaufen. Und hinter Isny sah ich erst das „Schloss Syrgenstein“ aus der Ferne und bin dann auch direkt daran vorbeigefahren (aber ohne Halt).
Und es motiviert mich irgendwie mehr, dass ich die zehnte Hügelspitze erreiche, als immer geradeauszufahren und zu wissen, dass es die weiteren 40 Kilometer so weitergeht.
Den letzten Zwischenhalt vor dem Ziel machte ich in Lindenberg. Das war auch nötig, denn es ging vom Tal aus 150 Meter hoch auf 800 Meter in den Ort hinein. In dem Urlaubsort befindet sich am Ortseingang am Nadenberg ein kleiner Aussichtsturm, auf dem man sehr schön auf die Berge und das Umland schauen kann.
Gegen 16 Uhr kam ich dann nach einer Tagesetappe von 79 Kilometern in Scheidegg im Landhaus Hummel an, wo ich die nächsten vier Tage verbrachte.
Samstag, 23.05.2026, bis Montag, 25.05.2026, Scheidegg und Umgebung
Von Scheidegg aus kann man viele Ausflüge unternehmen. In Scheidegg selbst gibt es ein Alpenfreibad, Wasserfälle und einen Erlebnisponyhof.
Wir besuchten den Reptilienzoo in Scheidegg, der aber nicht sehr groß ist. Innen gibt es ca. 50 Terrarien mit Gift- und Würgeschlangen, einem Chamäleon, Fröschen und Kröten und Spinnen. Im Außengehege gibt es noch Schildkröten und Schlangen. Wie gesagt, ist der Zoo sehr klein, und in 30 Minuten hatten wir alles angeschaut.
Etwas interessanter fand ich da schon die Waldwelt Skywalk Allgäu. Es handelt sich um einen Baumwipfelpfad auf circa 25 Metern Höhe, der rundherum noch zahlreiche Stationen zum Mitmachen hat. Natürlich sind eher Kinder die Zielgruppe, aber auch als Erwachsener habe ich Spaß am Kugellabyrinth, am Tierweitsprung oder an der Zapfenschleuder. Und die Rutsche am Baumwipfelpfad hat mir natürlich auch Spaß gemacht.
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Ähnlich interessant ist der Alpenwildpark am Pfändner in Bregenz/Österreich. Von Scheidegg dauert es keine 30 Minuten mit dem Auto. Wir waren schon einmal 2022 dort und ich fand es auch vier Jahre später wieder schön, die Tiere, die umliegenden Berge und den Bodensee anzuschauen.
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Ungefähr die gleiche Fahrtzeit entfernt ist Lindau. Ich war 2012 schon einmal dort, konnte mich aber nicht mehr wirklich an die Stadt oder die Insel erinnern. Wir sind auf die Insel gelaufen und haben uns dort den Hafen samt Leuchtturm angeschaut. Von oben hat man einen schönen Blick auf den Bodensee, die Stadt und die Berge.
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Dienstag, 26.05.2026, Aulendorf
Bei der Planung schaute ich auch, wie ich aus Scheidegg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück nach Hause komme. Mit dem Fahrrad gar nicht, wie es schien. Also wollte ich einfach nur den nächstgelegenen Bahnhof ansteuern. Ein Start von den Bahnhöfen im Umkreis bedeutete aber zahlreiche Umstiege. Zusätzlich gab es aufgrund diverser Baustellen zwischen Friedrichshafen und Ulm auf vielen Streckenteilen nur einen Schienenersatzverkehr per Bus. Und in dem ist die Mitnahme von Fahrrädern nicht immer so einfach möglich. Aus dem Grund suchte ich mir als Startpunkt für die Rückreise den Zug in Aulendorf aus, da ich mit diesem direkt bis nach Stuttgart durchfahren konnte.
Und so ging es von Scheidegg manchmal bergauf, aber meistens bergab bis zur Bahnhaltestelle. Viel zu sehen gab es nicht. Ich hielt aber auch extra nicht für eine längere Zeit an, weil ich nicht sicher war, wann ich genau ankomme, ob die Züge dann überhaupt fahren und ob ich einen Fahrradstellplatz bekomme.
Um 12 Uhr war ich dann nach kurzen 62 Kilometern in Aulendorf. Im Zug klappte alles sehr gut. Stellplatz war vorhanden, Sitzplatz auch, und pünktlich gegen 14:30 Uhr kam ich in Stuttgart an.
In Summe hat mir die Radtour wieder sehr viel Spaß gemacht. Es ist schön, einfach so durch Deutschland zu fahren und unbekannte Sachen anzuschauen, seien es Höhlen, Seen, Schluchten, Schlösser oder Kirchen. Beim nächsten Mal werde ich nur Vorkehrungen treffen, dass Po und Beine weniger weh tun. Und ich muss mir merken, dass ich nicht dauerhaft einen Tag lang an einem Fluss entlangfahren will. Zumindest nicht, wenn der Fluss wenig Spannendes zu bieten hat. Davon abgesehen waren es ca. 340 sehr schöne Radkilometer.



























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