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Rückblick: Ubuntu-Treffen auf der Ubucon 2009

Wie bereits letztes Jahr fand an der Universität Göttingen die Ubucon 2009 statt, Deutschlands größte Ubuntu-Veranstaltung. Vom 16. bis 18. Oktober konnten sowohl Ubuntu-Kenner als auch Ubuntu-Neulinge den informativen Vorträgen zuhören oder bei Workshops aktiv teilnehmen.

Da es an den drei Tagen jeweils bis zu sechs parallel stattfindende Vorträge gab, kann dieser Artikel nur von dem kleinen Teil berichten, an denen ich teilgenommen habe.

Freitag, 16.10.2009

Gegen 12 Uhr bin ich in Göttingen angekommen und konnte bereits 15 Minuten später im Versorgungsgebäude der Georg-August-Universität beim Aufbau und der Organisation mithelfen. Es trafen auch im Vorfeld einige Besucher ein, obwohl der erste Vortrag erst für 14 bzw. 16 Uhr angekündigt waren. In der Regel war das kein Problem, da man sich die restliche Zeit im Hackcenter mit seinem Note- und Netbooks vergnügen oder erste Kontakte mit den anderen Ubuntu-Nutzern knüpfen konnte. Dazu standen auch alle drei Tage für einen Unkostenbeitrag von 10 Euro (bzw. 15 Euro bei Vor-Ort-Anmeldung) jedem Teilnehmer kostenloses Trinken und Essen in Form von belegten Brötchen und Berlinern zur Verfügung.

Über die Twitterwall war man immer über die Vorgänge auf der Ubucon informiert

LaTeX im Jahr 2009

Mit etwas Verspätung startete Adrian Böhmichen seinen Vortrag zum Thema "LaTeX im Jahr 2009" kurz nach 16 Uhr. Vor ca. 25 Teilnehmer berichtete er zuerst von der LaTeX-Distribution TeX Live und den Neuerungen in der 2009er-Version. Dabei wurde auch auf die Unterschiede zwischen der auf der TeX-Live-Webseite angebotenen Downloadversion und den Paketen, die in den Ubuntu-Paketquellen zu finden sind, eingegangen. Vorgestellt wurde sowohl der überarbeitete TeX-Live-Manager "tlmgr"

für die LaTeX-Paketinstallation (der bei Ubuntu nicht mit dabei ist) als auch der TeX-Documentation-Browser, der über "texdoc PAKETNAME" im Terminal direkt die Dokumentation zu einem LaTeX-Paket anzeigt.

Im zweiten Teil wurden danach zahlreiche LaTeX-Editoren vorgestellt, von den vor allem TeXworks und Gummi ziemlich neu sind. TeXworks soll dabei vor allem durch die Verwendung von synctex damit glänzen, dass er bei einer markierten Stelle im LaTeX-Code direkt zur jeweiligen Ausgabe im PDF springen kann. Dies soll auch umgekehrt möglich sein, das heißt, wenn man im PDF eine Stelle markiert, man direkt zu jeweiligen LaTeX-Codestück springt. Daneben wurden noch etwas bekanntere LaTeX-Editoren wie Kile, gedit, Geany oder TeXMAKER vorgestellt.

Danach stellte Böhmichen einige Helfer vor, die einen bei der Arbeit mit LaTeX unterstützen sollen. Dazu zählten Makefiles, die automatisch neue PDF-Dokumente erstellen (wobei dies ähnlich interessant wie der Vortrag "Komfortable Makefiles" auf der Dante-Tagung in Esslingen war (siehe freiesMagazin 10/2009)),

pygments zum Syntaxhighlighing, hunspell zur Rechtschreibprüfung lacheck als sehr einfach LaTeX-Syntaxchecker, impressive für den Einsatz von Präsentationseffekten in PDF-Präsentationen und noch einmal synctex, welches ja bereits in Verbindung mit TeXworks erwähnt wurde.

Von der Präsentation erinnerten die Themen stark an die Vorträge bei der Dante-Tagung in Esslingen, denn auch Biber als Nachfolger von BibTeX wurde vorgestellt.

Interessanter war da schon Asymptote, eine Interpretersprache, die ähnlich wie Metapost oder PSTricks Grafiken erstellen kann. Mit Asymptote kann man auch komplexere Funktionen schreiben, wobei der Code entweder als Skript ausgeführt oder direkt im LaTeX-Code angegeben werden kann. Als sehr einfache GUI steht "xasy" zur Verfügung, wobei der ausgegebene Code etwas unleserlich und zur weiteren Verarbeitung ungeeignet scheint.

Zum Ende hin wurde kurz auf XeTeX als Alternative zu pdfTeX, welches einen Open-Type-Unterstützung bietet und somit vor allem sehr leicht LaTeX-fremde Schriften einfügen kann, und LuaTeX, eine TeX-Variante mit Lua-Interpreter, Open-Type- und ConTeXt-Unterstützung, eingegangen.

Den Vortrag von Adrian Böhmichen soll später auf der Ubucon-Programmseite zum Download angeboten werden.

"Ubucon" kann noch nicht jeder schreiben.

Beer-Event im Sausalitos

Nach dem Checkin im Hotel ging es ab 19 Uhr im Sausalitos mit dem Beer-Event weiter. Hier wurden ganz ohne Notebooks zwischenmenschliche Beziehung gepflegt, (sehr) viel gegessen und getrunken. Diese abendlichen Treffen am Freitag und am folgenden Samstag trugen sehr zur Auflockerung der ganzen Ubucon bei, da man sich so besser untereinander kennenlernen konnte.

Samstag, 17.10.2009

LaTeX-Workshops

Den ersten Vortrag am Samstag hielt ich selbst zum Thema "LaTeX für Einsteiger". Vor allem die hohe Teilnehmerzahl von 30 bis 35 Personen war überraschend, zeigte aber, dass das Interesse an LaTeX auch bei Nicht-Profis vorhanden ist. In zwei Stunden bin ich auf die Gestaltung von ganz einfachen Dokumenten, etwas Textformatierung, Tabellen und Bildern und alles, was sonst zu einem ersten eigenen Versuch dazu gehören sollte, eingegangen.

Gleich danach fand ein zweiter Workshop zum Thema "Magazinerstellung mit LaTeX" statt, bei der auch ein kleiner Teil der Zuhörer aus dem ersten Workshop sitzen geblieben sind. Ingesamt war die Teilnehmerzahl mit ca. 15 Leuten zwar geringer, dennoch erstaunlich hoch, bedenkt man, dass es sich hier um ein sehr spezielles Themengebiet handelt. Anhand meiner Erfahrungen bei freiesMagazin, welches mit LaTeX gesetzt wird, konnte ich den fortgeschrittenen Teilnehmern (hoffentlich) etwas Neues beibringen.

Die Folien und Beispiele zu beiden Workshops können auf der Webseite deesaster.org heruntergeladen werden.

Auch die LaTeX-Vorträge waren gut besucht.
(Copyright: Roman Hanhart, Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.5 Schweiz)

Gimp-Einführung

Karsten Günther hielt nach der Mittagspause einen sehr interessanten Workshop für alle Gimp-Einsteiger. Zirka 30 Teilnehmer lernten vor allem den Aufbau von Gimp und die einzelnen Werkzeuge kennen. Verstärkt wurde auf die wichtigen Auswahlwerkzeuge eingegangen und wie diese genau funktionieren. Auch die Ebenenverwaltung, ohne die man bei der Bildbearbeitung in Gimp nicht auskommt, wurde intensiv vorgestellt.

Zum Schluss ging Karsten Günther, der auch Gimp-Schulungen abhält, ein wenig auf die Farbkorrektur von Bildern ein, die man als Anfänger zumindest auch einmal gesehen haben sollte. Dabei wurden alle Beispiele sowohl von ihm selbst am Beamer gezeigt als auch von den Teilnehmern nachgemacht.

Der Kurs war sehr gut verständlich und selbst Gimp-Erfahrene konnte etwas Neues lernen, da die Tabulator-Taste ab sofort zu meinen wichtigsten Gimp-Tastenkürzeln zählt. ("Tab" minimiert alle Dialoge außer dem aktuellen Bild, was vor allem bei kleineren Bildschirmauflösungen hilfreich ist.)

Im Hackcenter konnte man untereinander Erfahrungen abseits der Vorträge austauschen.

Muschelsuppe

Gleich danach hielt Karsten Günther eine Bash-Einführung, zeitgleich fand aber auch die "Muschelsuppe" von Dirk Deimeke statt, dem neuen Vorsitzenden des deutschen Ubuntu e.V. Deimeke kennt sich als Systemadministrator sehr gut mit der Shell aus und wollte in den zwei Stunden fortgeschrittenen Shell-Anwendern ein paar Kniffe der Bash zeigen, wobei er dies vor allem mit Hilfe der Zuhörer tat und diese aktiv in den Dialog mit einbezog.

Neben regulären Ausdrücken, die in Basic Regular Expressions (BRE), Extended Regular Expressions (ERE) und Perl Regular Expreissions (PRE) gegliedert waren, wurde neben Variablenzuweisungen und Funktionen auch auf die Benutzung von "BASH_REMATCH" als globales Array für Rückbezüge eingegangen.

Danach wurde das Thema etwas allgemeiner und neben der Bash-Programmierung kamen auch einige Shell-Befehle wie awk, sed oder cat hinzu. Dabei konnte man zum Beispiel lernen, dass "grep -o" nur die gefundenen Suchbegriffe und nicht die ganzen Zeilen ausgibt, "strace -c" sehr gut zur Performance-Analyse benutzt werden kann oder man mittels der Programme Lockfile (das Paket dazu heißt "lockfile-progs") einfach Lockfiles und mktemp temporäre (eindeutige) Dateienamen erzeugen kann.

Den Abschluss bildete dabei eine Vorstellung von unnützen Shell-Konstrukten, die aus dem ubuntuusers-Wiki entliehen war.

Vieles wurde bei dem Vortrag live getestet (da Dirk Deimeke den Vortrag aus Zeitmangel nicht komplett ausgearbeitet hatte) und mit den Teilnehmern erarbeitet.

Die Folien, die in Wahrheit aus einer gut gegliederten Textdatei bestanden, sollen später auf der Ubucon-Webseite zu finden sein.

Social-Event im Sambesi

Bereits letztes Jahr fand das Social Event im Sambesi statt und bis auf die etwas herausgeforderte Bedienung war es sehr schön. Vor allem das Essen (Strauß, Springbock, Zebra und Krokodil) war außergewöhnlich und wurde an so gut wie jedem Tisch bestellt. Dabei unterhielt man sich wieder über Ubuntu-Themen aber auch alles andere abseits davon.

Die Burger im Sausalitos waren riesig und lecker.

Sonntag, 18.10.2009

ubuntuusers-Vortrag

Aufgrund eines nicht funktionierendes Weckers war der Sonntag Morgen etwas hektischer als geplant, dennoch schaffte ich es noch einigermaßen pünktlich zur ubuntuusers.de-Veranstaltung kurz nach 9 Uhr. Andreas Behle stellte zuerst die Historie des ubuntuusers.de-Portals und wie die Community in den letzten fünf Jahren gewachsen ist vor.

Danach riefen Adrian Böhmichen und Martin Gräßlin zum Wiki-Sprint auf, denn für die neue Ubuntu-Version 9.10 "Karmic Koala", die Ende Oktober erschienen wird, müssen auch wieder zahlreiche Wiki-Artikel getestet und ausgebessert werden. Über die provokante Frage "Wieso arbeitet Ihr nicht am Wiki mit?" wollte man die vier bis fünf Nicht-ubuntuusers-Teammitgliedern zur Diskussion anregen, was man vielleicht verbessern könnte, um die Mitarbeit am Wiki zu erhöhen, da die Beteiligung immer weiter schrumpft.

Die Veranstaltung war etwas weniger besucht als letztes Jahr, das Verhältnis zwischen ubuntuusers-(Ex-)Teammitgliedern und ubuntuuser-Nutzern war aber wieder sehr unausgewogen, obwohl es am Ende auch etwas zu gewinnen gab. Von den fünf ausgelosten Buchpreisen gingen daher nur vier weg, da nicht mehr Personen an der Verlosung teilnehmen wollte, was sehr schade ist.

Zeitgleich fand auch wieder der beliebte Tux-Bastelkurs statt, der von Barbara Göner geleitet wurde, bei dem man entspannt mit Schere und Kleber oder einfach nur mit etwas Origami abschalten konnte.

Beim Tux-Bastelkurs gab es wieder zahlreiche Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben.

Podcasting mit und über Linux

Dirk Deimeke und Roman Hanhart berichteten ab 11 Uhr über Ihre Arbeit und Erfahrungen beim Podcast DeimHart, der einmal monatlich veröffentlicht wird. Vor allem Neupodcaster konnten zahlreiche hilfreiche Tipps mitnehmen.

Neben der Planung eines Podcasts (Themenfindung, Gestaltung und Koordination), wozu zum Beispiel ein breitgefächertes Themengebiet mit einzelnen Spezialisierungen pro Folge oder eine ausführliche Recherche zählt, wurde auch auf die verwendete Hard- und Software eingegangen. Bei Deimhart wird dabei ein Aufnahmegerät von Zoom, das dank eingebauten Verstärkers und A/D-Wandler viel Arbeit abnehmen kann. Ob die Qualität wirklich so gut ist, kann man sich bei DeimHart sicherlich bald anhören, da Roman Hanhart mehrere Ubucon-Vorträge aufgenommen hat und nach der Bearbeitung zur Verfügung stellen will. Auch der Podcasting-Vortrag wird zu einem Podcast ausgearbeitet.

Als Software wird Audacity für die Übertragung und Bearbeitung der Daten eingesetzt. Bei der Wandlung in MP3 hat sich laut Hanhart gezeigt, dass der Lame-Encoder für MP3s aber eine schlechte Qualität abliefert und man daher besser eine OGG-Datei erstellt und diese dann über das Programm Soundconverter nach MP3 konvertiert.

Insgesamt war dies der beste Vortrag der Ubucon, da Dirk Deimeke und Roman Hanhart ein echt gut eingespieltes Team sind, die sich ihre Sätze fast schon gegenseitig ergänzen können. Das erklärt auch, wieso der Podcast der beiden so locker und natürlich daherkommt.

Die Podcasts sind später auf der Seite von DeimHart zu finden.

Dirk Deimeke und Roman Hanhart bei ihrem Podcasting-Vortrag.

Abschlussveranstaltung

Nach einer kurzen Mittagspause und Aufbruchphase, in der zahlreiche der Teilnehmer den Heimweg angetreten haben, gab Dirk Deimeke als Vorsitzender des deutschen Ubuntu e.V. noch einen kurzen Abschlussbericht und lud zum Gruppenfoto ein.

Von den 165 vorangemeldeteten Teilnehmern sind 155 gekommen, wobei es natürlich auch zahlreiche Vor-Ort-Anmeldungen gab. Insgesamt wurden zur Hochzeit am Samstag Nachmittag bis zu 200 Zuhörer in den Räumen gezählt. Die 48 freien Slots gab es mit zweistündigen Vorträgen zu belegen, in die dann am Ende 38 Stück auf sechs Räume aufgeteilt wurden. Dies hatte aber auch den Nachteil, dass man sehr viele Vorträge nicht anhören konnte, weil diese zeitgleich mit anderen lagen. Daneben waren die Räume teilweise nicht ausreichend, sodass in einigen Vorträge die Zuhörer stehen mussten.

Laut Julius Bloch, Leiter des Ubuntu-DE-Messeteams, war die Veranstaltung ein großer Erfolg, nur wird die nächste Ubucon 2010 voraussichtlich nicht in Göttingen stattfinden, wenn eine andere gute Örtlichkeit (vorzugsweise eine größere Universitätsstadt) gefunden wird.

Das Gruppenfoto spiegelt nicht die tatsächliche Teilnehmerzahl wieder.

Abschlussbemerkung

Mein Fazit ist, dass ich nächstes Jahr definitiv wieder auf die Ubucon fahren werde und sicherlich auch ein oder zwei Vorträge/Workshops zu einem Thema halte. Die Stimmung war extrem gut und die Abende sehr feucht-fröhlich. Die Organisation war größtenteils top, auch wenn es kleinere Mängel, wie die schlechte Beschilderung, gab.

Leider konnte man an maximal sieben der 38 Vorträgen/Workshops teilnehmen, was oft sehr schade war. Auf der anderen Seite ist es natürlich schön, dass die Ubucon drei Tage lang ein so volles Programm liefern konnte. Für nächstes Jahr wird aber vielleicht über einen etwas freieren Zeitpuffer nachgedacht, sodass auch einstündige Vorträge möglich sind.

Schade war auch, dass - wie schon im letzten Jahr - das Gruppenfoto erst am Sonntag nach der Abschlusskundgebung gemacht wurde und nicht am Samstag Mittag, als die meisten Leute auf der Ubucon zugegen waren. So zeigt das Bild nur einen Bruchteil der tatsächlichen Teilnehmer.

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Kommentare

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ditsch am :

Ein tolles Twitterwall-Photo hast du da :D

elendil am :

schön zu lesen - vielen Dank dafür

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