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Buch: Thunderhead

Titel Thunderhead
Autor Neal Shusterman
Sprache Englisch
Genre Roman
Verlag Walker Books, 2018
Seitenanzahl 515

„Thunderhead“ ist der zweite Teil der Scythe-Trilogie. Die folgende Beschreibung spoilert zwar nicht den zweiten Teil, aber den ersten, daher: Lesen auf eigene Gefahr!

Citra Terranova hat die Scythe-Prüfung bestanden und arbeitet seit einigen Monaten als Honorable Scythe Anastasia zusammen mit ihrer früheren Ausbilderin Scythe Curie. Rowan dagegen ist dem Scythedom entkommen und macht als Scythe Lucifer Jagd auf abtrünnige Scythes, die nur zum Spaß andere Menschen töten. Der allwissende Computer „Thunderhead“, der die Geschicke der Menschheit lenkt und deren Bedürfnisse erfüllt, darf nicht mit den Scythes interagieren, aber sie natürlich beobachten. Und mit Furcht sieht er, wie im Scythedom von MidMerica eine neue Ordnung sich daran macht, die Herrschaft zu übernehmen. Greift der Thunderhead doch ein oder sieht er zu, wie die Menschheit untergeht?

Neal Shusterman hat eine großartige Fortsetzung seines ersten Romans „Scythe“ veröffentlicht. Zwischen Teil 1 und 2 lagen bei mir kaum ein paar Monate, daher war es auch kein Problem, dem Plot weiter zu folgen. Aber nicht nur aus Citras und Rowans Sicht kann der Leser diesen diesmal verfolgen, sondern vor allem in die Gedankenwelt des Thunderhead taucht man ein. Shusterman schafft es eine sehr sympathische Maschine zu erschaffen, die – im Gegensatz zu anderen Maschineninstanzen mal nicht die Menschheit auslöschen oder kontrollieren will sondern – sich wirklich um das Wohlergehen der Menschen sorgt. Und so erfährt man sehr viel über die Hintergründe der aktuellen Zivilisation, was die Welt noch realer macht.

Es gibt natürlich auch zahlreiche Plot-Twists, die mir alle sehr gut gefallen haben, da sie nicht direkt hervorsehbar waren. Einzig das Ende ist schade, weil es einen riesigen Cliffhanger hinterlässt, aber mich natürlich auch mit Spannung auf den dritten Teil warten lässt. Leider habe ich keine Ahnung, wann der dritte Teil erscheint, ich hoffe aber auf 2019. :)

Buch: Alice im Düsterland

Titel Alice im Düsterland
Autor Jonathan Green
Sprache Deutsch
Genre Abenteuerbuch
Verlag Mantikore, 2018
Seitenanzahl 397

Dass ich „Alice im Wunderland“ mag, konnten die Leser des Blogs ja schon am Alice-Comic sehen. Auf der Spielemesse in Essen bin ich – neben Wonderland Xiii – über das Abenteuerbuch „Alice im Düsterland“ gestolpert. In dem Abenteuerbuch durchlebt der Leser die Geschichte von Alice nach, kann sich aber an diversen Punkten für den einen oder anderen Weg entscheiden. Folgt man dem Kaninchen oder nicht? Trinkt man die Flasche auf dem Glastisch oder isst man lieber den Kuchen? Und welchen Weg wählt man durch das Labyrinth?

Damit sich das Buch von der Original-Geschichte unterscheidet, wurden ein paar wenige Rätsel, aber umso mehr Kämpfe gegen absurde Monstrositäten eingebaut. Nicht umsonst heißt es „Düsterland“. Für Kinder ist das Buch definitiv nicht geeignet. Zumal – für mich ein Pluspunkt – zahlreiche der Texte durch tolle Grafiken von Kev Crossley illustriert sind.

Die Kämpfe laufen simpel ab: Alice und ihr Gegner haben jeweils einen Kampfwert und eine Ausdauer (=Leben). Das Ergebnis von zwei W6 (sechsseitige Würfel) addiert man zum Kampfwert und erhält so die Kampfstufe von Alice und ihrem Gegner. Der Verlierer verliert entsprechend Ausdauer ab und sollte sie bei 0 sein, ist der Kampf vorbei – und das Abenteuer für Alice gegebenenfalls auch. Sehr schön finde ich, dass alternativ zum Würfeln auch ein 52er-Set Spielkarten benutzt werden kann, was das Spiel noch thematischer macht. Die Chancenverteilung ist natürlich eine andere, aber so kann man das Buch auch unterwegs spielen, wo es keine Würfelablage gibt oder Würfel zu störend wären (im Flugzeug oder der U-Bahn zum Beispiel).

Ebenfalls würfeln oder Karten ziehen muss man für Proben: Gewandtheit, Logik und Wahnsinn werden geprüft. Aber im Vordergrund steht der Kampf. Zusätzlich gibt es noch zwei Auswahlmöglichkeiten, die man per Standard bis zu dreimal wählen kann pro Abenteuer: „Die Feder ist mächtiger“ löst oft eine brenzlige Situation im richtigen Moment auf. Und „Seltsamer und seltsamer“ macht – ja, das bin ich mir nicht sicher. Oft passiert etwas Seltsames bei dieser Wahl – und macht die Sache nur schlimmer. ;)

Kämpfe sind wie gesagt wichtig – in meinen Augen etwas zu wichtig. Im ersten Durchgang setzte ich noch viel auf Logik und Gewandtheit, nur dass ich damit sehr schnell starb, da nur ganz wenig Situationen eine Alternative zum Kampf zulassen. Wenn man wiederum den Kampfwert auf das Maximum setzt (am Anfang des Abenteuers darf man Fähigkeitenpunkte verteilen), kann durch das Zufallselement der Würfel bzw. Karten natürlich dennoch etwas schief gehen, aber in der Regel gewinnt man jeden Kampf.

Insgesamt habe ich das Buch viermal durchgespielt – also „durch“ in dem Sinn, dass ich gestorben war oder das Buch mir sagte, dass es hier zu Ende ist. Das „echte“ Ende, das es zu erreichen gäbe, habe ich leider nie gesehen. Das Positive ist: Auch beim vierten Durchgang hatte ich noch nicht alles gesehen. Es gab immer noch neue Optionen und Wege, die ich gehen konnte. Beispielsweise gibt es ein Labyrinth und ab Durchgang 3 habe ich mir eine Karte gezeichnet mit allen Nummern und Besonderheiten, was Spaß gemacht hat. Ich denke, ab Durchgang 5 wird es aber schwer, noch etwas Neues zu entdecken.

Das Negative: Es gibt eine Stelle im Buch, an der man vermutlich immer landet, denke ich. In ihr wird auf ein Rätsel von zuvor verwiesen. Wenn man das Rätsel nicht gelöst hat, ist das Spiel vorbei. Punkte, Ende, Aus. Das Rätsel dummerweise ist ein Schachrätsel, bei der man von der Stellung der Figuren sagen muss, in wie vielen Zügen Weiß gewinnt. Das ist nett und anders, aber ich denke nicht, dass man mit Allgemeinwissen auf die Antwort kommt – zumal die Lösung größer als 10 ist. Wer als Nicht-Schachspieler kann schon über 10 Züge auf einem Schachfeld im Voraus denken? Aus zwei Gründen ist das also schade: Zum einen stolpert man nicht zwingend über das Schach-Rätsel und steht dann einfach ungewollt vor dem Spielende. Oder man konnte es nicht lösen und steht auch dann vor dem Ende. Da fällt mir ein: Insgesamt konnte ich kaum eines der Rätsel lösen, was ggf. aber auch an mir liegen mag.

Die deutsche Übersetzung des englischen Originals hat mir im Übrigen sehr gut gefallen. Die Geschichte ist wiederum ist nur an wenigen Stellen ganz neu. Wer Alice gelesen hat, wird viele alte Bekannte wiedertreffen – in ggf. leicht veränderter Form. Es machte jedenfalls sehr viel Spaß, sich durch das Buch zu lesen und alternative Wege zu gehen. Nur die Rätsel und das plötzliche Ende verleiden mir einen fünften Durchgang etwas. Dabei würde ich gerne wissen, wie es mit der Roten Dame und dem Plapperpack weitergeht …

Buch: A Simple Favour

Titel A Simple Favour
Autor Darcey Bell
Sprache Englisch
Genre Roman
Verlag Pan Books, 2018
Seitenanzahl 371

Stephanie ist Mutter und Bloggerin und lebt nach dem Tod ihres Mannes ein eher unspektakuläres Leben – bis Emily in ihr Leben tritt. Emily ist PR-Beraterin für eine Modefirma, sehr erfolgreich, sehr hübsch und das glatte Gegenteil von Stephanie. Aber Emilys und Stephanies Söhne gehen in die gleiche Schule und so freunden sich die ungleichen Mütter an. Stephanie passt oft auf die beiden Jungs auf. Eines Tages kehrt Emily aber nicht zurück, um ihren Sohn abzuholen. Stephanie macht sich Sorgen und ruft Emilys Mann, Sean, an. Der kommt vorbei und gemeinsam melden sie Emily vermisst – deren Leiche irgendwann gefunden wird. Nur was ist passiert?

Auf „A Simple Favour“ bin ich durch den gleichnamigen Film mit Blake Lively und Anna Kendrick, der vor kurzem in den Kinos lief, aufmerksam geworden. Ins Kino habe ich es nicht geschafft, aber das Buch von Darcey Bell zumindest auf meine Leseliste.

Zuerst das Positive: Der Schreibstil von Darcey Bell ist sehr gut und mitreißend. Die einzelnen Kapitel des Buches sind aus der Sicht aller drei Hauptcharaktere geschrieben und man merkt den unterschiedlichen Sprachstil. Zusätzlich bietet die Geschichte sehr viel Gesprächsstoff, weil …

… ich alle Hauptcharaktere unsympathisch fand und mir das bisher in kaum einen Buch vorgekommen ist. Stephanie ist extrem naiv bis ins Unglaubwürdige. Emily dagegen ist extrem zerstörerisch und hinterhältig, so dass es schon ins Absurde geht (und mich an The Meaning of Night). Und Sean ist so abhängig von Emily und gleichzeitig ein nicht sehr netter Mensch, um es freundlich auszudrücken. Insofern konnte ich mit keinem der Charaktere mitfühlen, was es nicht leicht gemacht hat, das Buch zu mögen.

Aus dem Grund hat mir vermutlich auch das Ende des Buches nicht gefallen. Scheinbar sind Emilys Handlungen und Intrigen alle ohne Konsequenzen. Es muss ja nicht zwingend ein Happy End geben, aber irgendeine Botschaft außer dass man mit Lügen und Betrügen gut durchs Leben kommt, hätte ich mir schon gewünscht.

Insofern ist es ein gutes Buch, das mir aber nicht gefallen hat. Echt eine seltsame Mischung …

Buch: Clean Architecture

Titel Clean Architecture
Autor Robert C. Martin
Sprache Deutsch
Genre Sachbuch
Verlag mitp Verlag, 2018
Seitenanzahl 375

Nach „Clean Code“ und „Clean Coder“ veröffentlicht Onkel Bob sein neuestes Werk: „Clean Architecture“. Vermutlich ist der saubere Architekt auch nicht mehr weit … Der Untertitel des Buches ist „Das Praxis-Handbuch für professionelles Softwaredesign“, was sehr generisch und eher nichtssagend ist. Interessanter ist der zweite Untertitel „Regeln und Paradigmen für effiziente Softwarestrukturierung”. Die Frage ist: Kann das Buch diese vermitteln?

Zielgruppenfindung

Ich mach's kurz: Ja, kann es größtenteils. Die Frage ist vermutlich eher, wem diese Regeln und Paradigmen näher gebracht werden sollen. Wer schon lange in Richtung Software-Architektur unterwegs ist, wird aus den ersten Kapiteln zu Programmierparadigmen und Designprinzipien nicht mehr so viel Neues mitnehmen. Auf der anderen Seite: Ein Quäntchen Neues findet vermutlich jeder auf den Seiten! Und in meinen Augen schadet es auch nicht, die SOLID-Designprinzipien noch einmal durchzugehen, zumal das Single-Responsibility-Prinzip immer wieder falsch verstanden wird. Und auch das Depency-Inversion-Prinzip habe ich – glaube ich – erst jetzt richtig verstanden. Und auch, wieso ich Interfaces bisher immer der falschen Komponente zugeordnet habe.

Interessante Kapitel

Etwas interessanter, wenn auch nicht ganz neu fand ich das Kapitel zu den Komponentenprinzipien, wie zum Beispiel Common-Closure, Common-Reuse, Acyclic-Dependencies, etc. Martin zeigt anhand von kleinen Beispielen die Bedeutung der Prinzipien und greift dazu auch gerne in die Geschichtskiste und zaubert dort Beispiele in Assembler hervor. Dennoch passen alle Beispiele und sind sehr anschaulich.

Das für mich wichtigste Kapitel war aber „Teil V – Softwarearchitektur“. Der Titel ist sehr generisch, aber Robert C. Martin zeigt sehr deutlich, welche Auswirkungen die Softwarearchitektur auf ein Projekt hat – auch im laufenden Betrieb – und wie eine gute Struktur aussehen kann. Dabei natürlich nicht in einer Allerweltsformel, sondern durch Prinzipien und Paradigmen, die einem helfen sich entlang des Architekturaufbaus und -eingliederung entlang zu hangeln. Am hilfreichsten war für mich die Einteilung der Architektur in Layer, wobei aber ein rundes Modell benutzt wird, in welchem die Abhängigkeitspfeile immer von außen nach innen gehen. Das liefert ein völlig neues Bild und Verständnis der eigenen Software.

Von allen Kapiteln, die interessant waren, fällt der Anhang A „Architekturarchäologie“ etwas ab. Robert C. Martin plaudert aus dem Nähkästchen über Projekte, denen er in seiner Laufbahn beiwohnen durfte, und was diese ausgezeichnet hat – entweder, weil sie etwas besonders gut machten oder weil sie katastrophal scheiterten. Teils ist das interessant, teils aber nur eine Anekdote, aus der ich nicht viel mitnehmen konnte. Aber es steht ja auch im Anhang und bildet nicht den Hauptteil des Buches.

Fazit

Fand ich das Buch interessant? Ja, auch wenn ich es sicherlich nicht wie einen Roman am Stück lesen konnte. Und für wen eignet es sich? Natürlich für Software-Architekten, aber ich mag die Abgrenzung zu Software-Entwicklern nicht wirklich. In meinen Augen ist auch jeder Entwickler ein Architekt und muss gewisse Regeln und Prinzipien kennen, damit das Haus (also die Software) nicht zusammenfällt. Ggf. nicht in der ganzen Breite und Tiefe, aber ein gewisses Verständnis sollte da sein. Und diesen Überblick verschafft das Buch „Clean Architecture“ von Robert C. Martin sehr gut. Im Detail kann man dann zu jedem einzelnem Kapitel sicherlich ein eigenes Buch finden, was das Thema behandelt.

Vielen Dank an dieser Stelle auch noch an Miriam Robels vom mitp Verlag für das Rezensionsexemplar!

Buch: Scythe

Titel Scythe
Autor Neal Shusterman
Sprache Englisch
Genre Roman
Verlag Walker Books, 2018
Seitenanzahl 443

In ferner Zukunft sind alle Krankheiten ausgemerzt. Niemand muss Hunger leiden. Und auch den Alterungsprozess hat die Menschheit besiegt, sodass sich jeder Mensch jederzeit wieder verjüngen kann, um sein Erwachsenenleben erneut von vorne zu beginnen. Geregelt wird das tägliche Dasein durch eine Maschine, dem Thunderhead, einer Künstlichen Intelligenz, die sich um alles kümmert, damit es den Menschen gut geht. Eine Ausnahme dieser Utopie gibt es: Die Scythes (Sensenmänner). Wenn die Menschen ewig leben könnten, gäbe es bald ein riesiges Problem mit der Überbevölkerung. Aus dem Grund werden Menschen ausgebildet, anderen Menschen das Leben zu nehmen – so wie dies früher durch Krankheiten, Unfälle oder Schlimmeres auch der Fall war.

In dieser Welt leben Citra Terranova und Rowan Damisch und stoßen getrennter Wege auf Scythe Faraday, der beide als Lehrlinge zu sich nimmt, was sie nur widerwillig annehmen. Wer will schon sein ewiges Leben lang andere Menschen töten? Doch dann bringt sich Scythe Faraday plötzlich um und Rowan und Citra werden getrennt und müssen gegeneinander antreten, denn nur einer von beiden darf ein neuer Scythe werden. Steckt mehr hinter Faradays Tod? Und wie kümmern sich die neuen Scythe-Ausbilder um die beiden Lehrlinge?

„Scythe“ ist ein großartiges Buch. Shusterman schafft ein Welt, die obwohl sehr utopisch, dennoch nicht unwirklich klingt. Die Menschheit hat alles erreicht, es gibt kaum noch einen Antrieb, irgendetwas zu tun, da der Thunderhead sich um alle Belange kümmert. Die Scythes passen sehr gut in diese Welt. Gefürchtet, da sie den Tod bringen. Aber auch umgarnt, da sie Immunität vor dem Tod geben können. Manche werden wie Popstars angehimmelt. Und trotz allem zeichnet Shusterman ein menschliches Bild mit starken Unterschieden zwischen den Ausbildern und deren Verhalten.

Sprachlich ist es recht einfach zu lesen. Einige besondere Wörter wie „Gleaning“ kann man aus dem Kontext erschließen. Die abwechselnde Sichtweise aus Rowans und Citras Sicht ist spannend, da mitunter genau die andere Seite gerade mehr Informationen hat als der Leser.

Das Buch ist auch auf Deutsch als „Scythe – Hüter des Todes“ erschienen. Teil 2 der Trilogie wurde als „Thunderhead“ bzw. „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ bereits veröffentlicht und ich freue mich sehr darauf, wie es mit Citra und Rowan weitergeht.

Buch: arc42 in Aktion

Titel arc42 in Aktion
Autor Gernot Starke, Peter Hruschka
Sprache Deutsch
Genre Sachbuch
Verlag Hanser Verlag, 2016
Seitenanzahl 190

In vielen Software-Projekten, die länger als ein Jahr leben, gibt es eine Software-Architektur. Nicht immer sieht man sie sofort im Code, nicht immer entspricht die Realität dem Angedachten und sehr oft ist rein gar nichts dazu dokumentiert. Vor allem der letzte Punkt soll sich durch das Buch „arc42 in Aktion – Praktische Tipps zur Architekturdokumentation“ von Gernot Starke und Peter Hruschka bessern.

arc42-Template

Wer es nicht kennt: arc42 ist eine Vorlage für die Entwicklung, Dokumentation und Kommunikation von Software-Architekturen. Mit Template ist dabei keine Vorlage gemeint, die man strikt befolgt und ausfüllt, sondern es gibt eine Gliederung und Hinweise, welche Inhalte eine Architektur-Dokumentation haben kann und sollte.

Das Buch setzt genau dort an und stellt jedes Kapitel des Templates im Detail vor, welches Ziel damit verfolgt wird und wem es etwas nützt. Das Ganze an einem kleinen Beispiel, damit man die Vorlage auch einmal ausgefüllt sieht. Dabei muss man natürlich vor allem als Dokumentschreiber selbst abwägen, welche Teile man übernimmt und welche nicht. Das können die Autoren des Buches einem nicht abnehmen, aber sie geben wie gesagt Hinweise, was sinnvoll sein könnte.

Ich zähle hier nicht auf, wie das arc42-Template aufgebaut ist und welche Teile es enthält. Das kann man auf der Webseite nachschlagen. Positiv erwähnen will ich die Lizenz, denn das Template steht unter der Creative Commons Attribution Lizenz und darf damit von jeder Person frei benutzt, abgeändert und weiterverteilt werden. Nur die Originalquelle muss man angeben, wenn man sich darauf abstützt, was aber kein großes Problem sein sollte. Der Download steht für verschiedene Formate wie Office, LaTeX, Markdown oder HTML zur Verfügung.

Auch für Nicht-arc42-Nutzer

Besonders gefallen hat mir an dem Buch, dass der Sinn hinter der einzelnen Kapitel des arc42-Templates erklärt wird. Damit versteht man nämlich die Hintergründe, auch wenn man nicht arc42 als Template benutzt. So kann man sich sehr leicht einzelne Elemente, die einem zusagen, für die eigene Vorlage übernehmen.

Aus dem Grund fand ich vor allem Kapitel III „Grundregeln effektiver Dokumentation“ so wertvoll. Hier geht es wirklich um die Fallstricke für gute – und damit ist wertschöpfend gemeint – Dokumentation und wie man mit Problemen umgehen kann.

Aber natürlich kochen auch die Autoren bzw. die Entwickler des arc42-Templates nur mit Wasser. Nicht alles, was ich in dem Buch gelesen habe, halte ich für richtig. Nicht alles, was in der arc42-Vorlage steht, für sinnvoll. Alles in allem hat das Buch aber einen Mehrwert für jeden, der Architektur-Dokumente schreibt.

Nachtrag: Für mich sind die Grenzen zwischen Design und Architektur fließend. Aus dem Grund unterscheide ich nicht zwischen Architektur- und Design-Dokumenten. Deswegen können alle Tipps aus dem Buch fast eins zu eins für Design-Dokumente – oder allgemein fast jede Art von Dokumentation – übernommen werden.

Buch: Das Theorem des Papageis

Titel Das Theorem des Papageis
Autor Denis Guedj
Sprache Deutsch
Genre Roman
Verlag Bastei Lübbe, 1999
Seitenanzahl 745

Nach dem letzten Mathebuch folgt gleich ein weiteres: Das Theorem des Papageis. Darin geht es um eine Familie, die in der Rue Ravignan in Montmatre, Paris lebt. Der 84-jährige Buchhändler Pierre Roche wohnt dort mit seiner Angestellte Perrette und dessen drei Kindern zusammen. Jonathan und Lea sind Zwillinge, der jüngere Max ist adoptiert und taub. Eines Tages kommt Max ein Papagei zugeflogen und Monsieur Roche erhält Post von einem alten Studienfreund. Dieser schickt ihm einen Abschiedsbrief und damit gleich seine ganze Bücherei an historischen Mathebüchern, die er in Manaus im Amazonas gesammelt hat. Und damit beginnt der Krimi, denn es gilt den Tod von Pierres Freund aufzudecken, der Spuren in den Mathebüchern versteckt hat.

Ich fürchte, wer kein Faible für Mathematik hat, wird das Buch schnell beiseite legen. Die Hintergrundgeschichte ist ganz okay, auch wenn bis zum Ende nicht alles erklärt wird. Aber die sehr langen Passagen über die verschiedenen Mathematiker seit der Antike in Griechenland oder Arabien bis hin zu den Europäern sind mitunter doch sehr trocken. Ich selbst fand Einiges davon sehr interessant, es waren auch neue Erkenntnisse dabei. Aber ich kann verstehen, wenn das nicht jeden fesselt.

So interessant die Passagen waren, so anstrengend war der Roman teilweise dazwischen zu lesen. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung lag, aber die Emotionen bzw. Gefühle der Personen wurden nicht wirklich gut transportiert. Die Charaktere schreien auf, sind verärgert oder zieren sich. Auf einer Bühne wären dies die richtigen Worte und Emotionen, aber von einer Pariser Familie erwartet man nicht so viel Theatralik. Das ganze Buch über konnte ich jedenfalls keine Beziehung zu irgendeinem der Charaktere aufbauen, was sehr schade ist. Ein bisschen hat mich der teils philosophische Stil an Umberto Ecos „Das Foucaultsche Pendel“ erinnert, welches ähnlich unverständlich für mich daherkam.

Sehr schlecht sind natürlich die mathematischen Fehler in einem Mathebuch. So wurden an einer Stelle bei einem Bruch Zähler und Nenner vertauscht. An zwei Stellen im Buch ist nicht von Fermat, sondern von Fernrat die Rede. Da könnte man fast meinen, das Buch wurde von einer nicht ganz sauber gedruckten Vorlage eingescannt und weiter bearbeitet. Bei Fermat's Vermutung wurde in der Formel (x^4 + y^4 + z^4 = w^4) ein Ist-Gleich anstelle eines Plus gesetzt. Und der größte Fauxpas, den es in meinen Augen geben kann, war die Gleichung: π² / 6 = Σ (π=1,…,∞) 1/π², was natürlich Unsinn ist. π (Pi, ca. 3,14) ist ein definierter Wert, den man nicht als Laufvariable nutzt. Selbst wenn man dies aber täte, dann nicht mit der gleichen Variable auf beiden Seiten der Gleichung. Im Text selbst wird dann korrekt von „n“ als Laufvariable gesprochen, aber das ist ein Fehler, der nicht passieren darf.

Alles in allem habe ich mich durch das Buch gekämpft und auch wenn der mathematisch historische Anteil gut war, war es der Rest des Buches eher nicht. Und eine Frage hatte ich bis zum Ende: Wie kann ein tauber Junge, der bei Menschen von den Lippen abliest, einen Papagei sprechen hören?

Buch: Math Girls

Titel Math Girls
Autor Hiroshi Yuki
Sprache Englisch
Genre Sachbuch (?)
Verlag Bento Books, 2012
Seitenanzahl 288

„Math Girls“ erzählt die Geschichte des namenlosen Erzählers, der zusammen mit zwei Mädchen in die Oberstufe geht. Dort gibt ihnen ihr Lehrer immer wieder Aufgaben, die sie knacken sollen. Tetra ist gerade erst dabei, Mathematik richtig zu verstehen und der Erzähler hilft ihr bei den Aufgaben. Miruka dagegen übertrifft das Wissen des Erzählers bei Weitem und kann diesen – und die Leser – leicht abhängen.

Und so ist „Math Girls“ ein Buch über drei Schüler, die Matheaufgaben lösen. Das klingt nach Spaß – wenn man Mathe mag zumindest. Die Gespräche zwischen den dreien lesen sich sehr angenehm, dazwischen findet man immer wieder zahlreiche Formeln, Definition und – was ich besonders gut finde – Beweise. Das Buch bringt einem mit einer steilen Lernkurve bei, wie man Beweise führt und vor allem, welche Hebel es gibt, um zum Ziel zu kommen. Das ist etwas, was vor allem Mathestudenten im ersten Semester sehr helfen kann.

Thematisch beschäftigt sich der Inhalt nicht gerade mit Matheproblemen der Grundschule. Genau genommen geht es hauptsächlich um Analysis des Mathe-Grundstudiums. Primzahlen und Fibonacci-Zahlen kennt man ggf. auch bereits so, aber harmomische Zahlen und Reihen, „partition numbers“, Taylorreihen, Differentialgleichungen, Primfaktorzerlegung und dergleichen läuft man eher selten über den Weg.

Und so kann ich das Buch für alle empfehlen, die höhere Mathematik studieren oder studiert haben und sich für das Thema interessieren. Für andere Menschen könnten die Inhalte einfach zu herausfordernd und unverständlich sein, weil Hiroshi Yuki nicht bei den Grundlagen anfängt. Mir selbst hat es sehr gut gefallen – sowohl die mathematische Probleme und Beweise als auch die Hintergrundgeschichte um den Erzähler und die beiden Mädchen.

Von „Math Girls“ gibt es noch zwei weitere Teile sowie Bücher mit konkreten Themen wie Trigonometrie, Gleichungen und Graphen oder Algebra. Vor allem die letzten sollen dann eher als Einführung in die jeweiligen Themen dienen. Ich weiß noch nicht, ob ich mehr von der Reihe lesen werde, aber es wäre nicht ungewöhnlich, wenn ich mich dazu entscheide.

Buch: GameTek – The Math and Science of Gaming

GameTek-Buch

Titel GameTek – The Math and Science of Gaming
Autor Geoff Engelstein
Sprache Englisch
Genre Sachbuch
Verlag Kickstarter, 2017
Seitenanzahl 328

Kickstarter und der Autor

Im englischsprachigen Raum ist der GameTek-Podcast aus dem Dice-Tower-Netzwerk unter Brettspielern sicherlich einigen ein Begriff. Ich habe zugegeben bis zu diesem Buch noch nie zuvor davon gehört, auch wenn der Podcast bereits seit über 10 Jahren existiert. Gestolpert bin ich über das Buch bei Kickstarter, für das das 10-jährige Podcast-Bestehen der Anlass waren, dort ein Buch zu finanzieren. Als Mathematiker und Wissenschaftsfanatiker hat mich die Idee begeistert, in einem Buch über die verschiedenen Aspekte des Spielens – konkret anhand von Brettspielen – zu lesen. Und so habe ich die Finanzierung des Buchs ebenfalls unterstützt.

Ob Geoff Engelstein der beste ist, um über Spieltheorie, Mathematik, Psychologie und Spielmechaniken zu sprechen bzw. zu schreiben, kann ich nicht beurteilen. Sein Erfahrungsschatz als Brettspieldesigner (z.B. The Ares Project, The Fog of War oder Space Cadets) helfen aber sicherlich dabei, die Aspekte zu durchleuchten. Eine Professur am NYU Game Center im Fach „Board Game Design“ und ein Abschluss in Physik vom MIT sind sicherlich auch nicht hinderlich.

Mehr zum Inhalt

Über den Inhalt habe ich schon kurz etwas gesagt. Die einzelnen Kapitel des Buches entsprechen den Podcast-Folgen der letzten zehn Jahre, die Geoff Engelstein am besten fand. Natürlich wird mit Spieltheorie angefangen, in dessen Genuss der eine oder andere Mathestudent auch an der Universität kommt – manchmal einhergehend mit praktischen Übungen abends im Hörsaal mit den Brettspielen des Professors. (Und ja, genau so bin ich zum Brettspielen gekommen.)

Aber natürlich spielt auch Mathematik bei vielen Spielen – vor allem, aber nicht nur bei sogenannten „Euro Games“ – eine wichtige Rolle. Ganz vorne mit dabei die Statistik, mit der Grübler versuchen 10 Minuten lang den besten Zug zu berechnen. Auch werden verschiedene Spielmechaniken vorgestellt und deren Besonderheit durchleuchtet.

Aber nicht nur diese „trockenen“ Fachgebiete geht Engelstein in seiner Reihe an, er erweitert das Repertoire glücklicherweise auch um „lebende“ Fächer wie Psychologie – schließlich sitzt man beim Brettspielen (meistens) mit anderen Menschen am Tisch, die man zu verstehen versucht.

Jedes Kapitel ist dabei nur wenige Seiten lang und lässt sich schnell lesen. Die Kapitel sind meist losgelöst voneinander, auch wenn mitunter Bezug auf das eine oder andere vorher oder weiter hinten genommen wird. Prinzipiell muss man das Buch aber nicht zwingend in der vorgegebenen Reihenfolge lesen.

Gefällt mir/gefällt mir nicht

Was gefällt mir an dem Buch besonders? Kommen wir erst zu dem, was mir nicht gefällt. Zum einen sind von den 382 Seiten des Buches ca. 70 Leerseiten. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass ein neues Kapitel immer auf einer ungeraden Seite anfängt, die Kapitel aber fast alle drei Seiten lang sind. Wer kurz nachrechnet, wird feststellen, dass somit eine Seite leer bleiben muss, damit das nächste Kapitel wieder mit einer ungeraden Seite anfängt. Das stört beim Lesen nicht, aber irgendwie ist die reale Seitenzahl doch kleiner als erwartet.

Zum anderen merkt man dem einen oder anderen Beitrag das Alter an. Auch wenn Geoff Engelstein in Fußnoten oft zeitliche Korrekturen einbringt, weil zur Ausstrahlung der Podcast-Folge keine anderen Informationen vorlagen, ist es doch seltsam, ein Buch aus 2017 in den Händen zu halten, was stellenweise veraltet ist. Hier hätte ich mir eine direkte Überarbeitung der Kapitel gewünscht, auch wenn dies natürlich mehr Aufwand gewesen wäre.

Aber genug gemeckert. Was gefällt mir an dem Buch? Vor allem die Beispiele – und von denen die aus dem spieltheoretischen Bereich am meisten. Das Gefangenendilemma ist dabei noch ein alter Hut, wer sich bereits ein bisschen mit der Materie auseinander gesetzt hat. Etwas unbekannter ist das Monty-Hall-Problem/Ziegenproblem. Und auch wenn ich davon bereits zuvor gehört habe und mir das Buch eigentlich nichts Neues gezeigt hat, habe ich erst nach dem Lesen bei dem Erklären des Problems gegenüber einer anderen Person den Beweis erst wirklich verstanden. (Und ja, es ist wirklich die bessere Strategie, das Tor zu wechseln.)

Sehr interessant fand ich auch Quantum Tic Tac Toe, welches normales Tic Tac Toe auf einer höhere Ebene hievt, um so anschaulich ganz ohne Mathematik an die Quantenphysik heranzuführen. Ich habe es bisher einmal gespielt und habe noch keine Ahnung, wie man strategisch an das Spiel herangeht. Der Knoten im Gehirn ist einfach noch zu groß. Und auch das „Beauty Contest“-Problem ist psychologisch hochinteressant und es macht Spaß seine Freunde nach dem Lesen des Kapitels damit zu nerven.

Lohnt sich das Buch?

Ja, auf alle Fälle. Man kann zwar auch die Podcasts hören, aber das ist zeitaufwändiger (zumindest ich lese etwas schneller als einen Beitrag anzuhören) und zusätzlich ist das wiederholte Durcharbeiten in einem Buch einfacher. Und ja, einige der beschriebenen Probleme muss man zwei- oder dreimal lesen, ehe man seinen Kopf wirklich in der Sache hat.

Der Stil ist locker, teils lustig und sehr unterhaltsam. So kann man fast jedes Kapitel in einigen Minuten durchlesen und hat danach (meistens) sogar verstanden, um was es geht. Vor allem aber wegen der Aspekte, die mir in Bezug auf Brettspiele neu waren (vor allem die psychologische Komponente), hat sich der Kauf für mich bereits gelohnt. Dabei werden die Aussagen immer wieder mit Beispielen aus zahlreiche bekannten Brettspielen untermauert, wie z.B. Diplomacy, Euphrat und Tigris, Dominion, Hanabi, Nightfall, Caylus, Cosmic Encounter, Terra Mystica und viele viele mehr.

Wer bei Kickstarter nicht zugeschlagen hat (und am somit ehesten diesen Beitrag hier liest), muss nicht traurig sein, denn das Buch gibt es inzwischen auch im normalen Online-Handel – entweder als gebundene Ausgabe oder etwas preiswerter als E-Book, beispielsweise bei Bookzilla.

Ich werde mein Exemplar (mit Geoff Engelsteins Unterschrift auf der ersten Seite, yeah) jetzt jedenfalls brav ins Regal stellen, wo es sich neben den anderen Spieltheorie-Büchern sicherlich heimisch fühlt. Und ab und an werde ich es sicher auch hervorholen, um einen Vorteil gegenüber meinen Mitspielern zu erhalten – in der Hoffnung, dass die das Buch nicht auch gelesen haben. ;)

Buch: Spiegel

Titel Spiegel
Autor Cixin Liu
Sprache Deutsch
Genre Sci-Fi
Verlag Heyne, 2017
Seitenanzahl 117

Was wäre, wenn es einen Hochleistungscomputer geben würde, der anhand verschiedenen Parameter die Entstehung und das Leben des Universums vom Urknall an simulieren könnte? Was wäre, wenn jemand die Parameter gefunden hätte, die unserem Universum, unserer Erde entsprechen? Und was wäre, wenn dies publik wird?

Cixin Liu kannte ich bisher noch nicht, die deutsche Erstausgabe seines Romans „Spiegel“ hat mich von der Idee aber sehr angesprochen. Liu gilt als Autor des Hard Science Fiction. Ich gehöre eher zu Liebhabern des Soft Science Fiction, deren Vertreter u.a. Stanislaw Lem, Ray Bradbury und Philip K. Dick sind.

Und dennoch wirft das Buch einige gute und philosophisch interessante Fragen auf. Die Idee, aus den ersten Ansätzen der Stringtheorie einen Stringcomputer (als Analogon zu einem Quantencomputer) zu bauen, gibt Liu die Möglichkeit, aktuell herrschende Speicher- und Geschwindigkeitsprobleme einer Urknall-Simulation beiseite zu schieben. Was bleibt, ist die Frage, ob so eine Simulation als Spiegel der Gesellschaft dieser dienlich wäre oder nicht. Verbrechen ließen sich ohne Probleme aufklären, da nichts mehr geheim wäre, was bisher geschehen ist. Aber weil auch nichts mehr geheim wäre, würden die Menschen unter Umständen degenerieren, weil jede Art der Andersartigkeit und Abweichung von der Norm auffallen würde.

Als Novelle lässt sich das Buch wirklich gut lesen. Ich gebe aber zu, dass ich vermutlich keinen ganzen Roman in dieser Art durchlesen würde. Zu anstrengend ist es teilweise, den wissenschaftlichen Ausführungen zu folgen. Es hat einen Grund, wieso ich Soft Science Fiction lieber mag.