Sonntag, 22. August 2010Winter Wood
Vor einem Jahr traf die zwölfjährige Midge auf die kleinen Leute, die im Wald lebten. Damals hatte sie keine guten Erfahrungen gesammelt, da einige Mitglieder des Ickri-Stammes sie töten wollten. Nun steht es um die einzelne Stämme der Various nicht besser. Zwischen Ickri und Tinkler entsteht ein Machtkampf. Die beiden Stammeshäupter wollen in Besitz des Touchstones, welcher von den Ickri gehütet wird, und des Orbis kommen, welchen Midges Groß-Groß-Tante Celandine für die Tinkler aufbewahren sollte. Midge soll den Orbis nun wieder beschaffen, damit die Various wieder ins Elysium zurückkehren können. Dabei hat sie keine Ahnung, wo und ob Celandine überhaupt noch lebt. Und selbst dann ist ungewiss, ob sie das Relikt nach über 80 Jahren noch hat. „Winter Wood“ ist der abschließende Teil der Various-Trilogie und schließt die Verbindung zwischen Midge und Celandine. Das Buch liest sich gewohnt gut, enthält viel Spannung und einige interessante Wendungen. Sprachlich ist das Buch meistens gut verständlich, auch wenn die Various einen sehr eigenen Slang haben, in den man aber mit der Zeit hineinfindet. Von meiner Seite gibt es eine klare Empfehlung für das Buch. Man sollte die ersten beiden Teile aber unbedingt gelesen haben, bevor man sich an „Winter Wood“ macht. Freitag, 13. August 2010Der Herr der Finsternis
Danka liegt krank im Bett als sich plötzlich ein Kater aus einem Sonnenstrahl vor ihm materialisiert. Dieser bringt ihn in eine Parallelwelt, in der die Finsternis herrscht; echtes Tageslicht gibt es dort nicht mehr. Danka schließt mit einem Flügelträger namens Len Freundschaft und gemeinsam versuchen die drei den Herrn der Finsternis und seine Armee aus Freifliegern zu besiegen. Ich mag Lukianenko sehr gern (und würde seine Bücher zu gerne mal im Original lesen), „Der Herr der Finsternis“ stand aber nicht auf meiner Leseliste, da es sich vom Umschlagtext eher an Kinder und Jugendliche richtet. Da ich aber in einer Stadt gestrandet war und kein Buch dabei hatte, musste ich irgendetwas kaufen. ;) Leider konnte Lukianenko mit dem Werk nicht an seine Wächter- oder Weltengänger-Reihe anknüpfen. Die Charaktere sind sehr blass und verhalten sich extrem seltsam. Vor allem der Protagonist Danka kommt mir eher wie ein Spielball des Katers vor als eine Person mit eigenem Willen. Es gibt (wenn ich mich nicht recht erinnere) keinen Vorschlag des Katers, den Danka wirklich hinterfragt. Und falls doch, beendet der Autor den Gedanken abrupt mit der Aussage, dass es keine andere Möglichkeit gibt. Der Herr der Finsternis (nachdem das Buch schließlich benannt ist) hat einen ca. zweiseitigen Auftritt und keinerlei Profil. Man erfährt weder etwas von den Zielen, noch der Motivation der Finsternis. Insgesamt ist die gesamte Geschichte sehr lahm und auch wenn alles auf eine neue Trilogie (oder mehr) hindeutet, werde ich die kommenden Bücher nicht lesen. Lukianenko hat einfach zu wenig aus dem Kampf Licht gegen Finsternis gemacht. (Wobei dies mit Nacht gegen Tag bereits bekannt vorkommt. Und auch das Zwielicht der Wächter-Romane hat mit der Dämmerung einen Gegenpart in „Der Herr der Finsternis“). Und auch die verschiedenen Welten (die Danka sicherlich noch erforschen wird) kommen in den Weltengänger-Romanen besser ausgearbeitet herüber. Fazit: Es gibt wesentlich bessere Bücher von Sergej Lukianenko, wie die erwähnten Wächter- oder Weltengänger-Romane, die man diesem Buch hier definitiv vorziehen sollte. Freitag, 13. August 2010Ghosts & Lightning
Nach dem Tod seiner Mutter kehrt der arbeitslose Denny nach Dublin zurück, um mit seiner Schwester Paula und deren Freundin (im Sinne von Lebensgefährtin) Teresa im Haus der Mutter zu leben. Denny versucht den Verlust zu verarbeiten und flüchtet sich dabei in sein altes Leben, welches nur aus Drogen und Alkohol besteht. Seine Freunde, die gleichermaßen drauf sind, helfen ihm dabei nicht gerade. „Ghosts & Lightning“ ist das Erstlingswerk von Trevor Byrne und soll brüllend komisch sein … Hm, ich habe das Buch dann wohl nicht verstanden. Zum einen mag das daran liegen, dass der Dubliner Slang manchmal schon schwer zu lesen ist (auch wenn man nach einiger Zeit reinfindet), aber mein größtes Problem war, dass ich mich nicht mit dem Protagonisten identifizieren konnte. Sowohl Denny als auch seine Freunde haben keine wirklichen Ziele und halten sich fast alle nur mit krummen Geschäften (Diebstahl, Hehlerei, Drogenverkauf) über Wasser. Keiner versucht wirklich etwas dagegen zu tun. Jeden Abend besaufen und volldröhnen ist der einzige Lebenszweck. Denny selbst grübelt zwar selbst immer darüber nach, was er tun könnte, aber er tut nie wirklich etwas (mit Ausnahme des Schlusses). Solche Nichtstuerei widerstrebt mir ja etwas. Einige Passagen waren ganz witzig, aber insgesamt fand ich das Buch belanglos. Es gibt einen sehr guten Einblick in die Dubliner Unterschicht, aber zumindest mich hat es dabei nicht unterhalten. Wer eine gute „Dokumentation“ der Abläufe in der armen Schicht der Dubliner Teens und Twens haben will, findet das Buch aber sicher spannend. Samstag, 7. August 2010Infected
Ex-Footballspieler Perry Dawsey wacht eines Morgens mit juckenden Entzündungen am Körper auf. Im Laufe der Tage wachsen diese und Perry beginnt sich anders zu verhalten. Er wird paranoid und hört Stimmen – und ist nicht der einzige Infizierte. Agent Dew Phillips und die Ärztin Margaret Montoya untersuchen die anderen Opfer; zumindest das, was von ihnen übrig blieb, nachdem sie sich selbst umgebracht haben. „Infected“ (zu Deutsch Infiziert) ist der erste Teil einer Sci-Fi-Trilogie von Scott Sigler, der vor allem durch seine Hörbücher und Podcasts in der Online-Welt bekannt geworden ist. Der zweite Teil Contagious (Virulent) ist bereits in den Buchläden erhältlich, der dritte Teil Pandemic erscheint demnächst. Siglers Stil bewegt sich zwischen Sci-Fi und Horror, was man in seinen meisten Büchern merkt. „Infected“ ist daher an einigen Stellen ziemlich blutig und brutal. Die Beschreibungen der Szenen gehen aber (in meinen Augen) noch nicht zu weit, sodass man keinen extrem starken Magen braucht, um das Buch zu lesen. Sprachlich ist es angenehm zu lesen, auch wenn ggf. ein paar Fachbegriffe aus der Medizin nicht bekannt sind. Inhaltlich liest sich „Infected“ sehr gut, man merkt aber am Ende, dass alles auf eine Fortsetzung hinausläuft. Dafür wird das Finale in wenigen Seiten zu schnell abgehandelt. Sehr gut hat mir die Beschreibung der Infektion gefallen. Sprich, wie der Virus vorgeht, um sich im Körper des Wirts niederzulassen und auszubreiten. Wer Sci-Fi mit Horroranleihen mag, kann sich „Infected“ ruhig einmal anschauen. Sonntag, 1. August 2010Red Seas Under Red Skies
Locke Lamora und Jean Tannen sind nach dem drastischen Ende in Camorr nach Tal Verrar geflohen. Dort wollen sie die Vergangenheit vergessen und planen lieber ihren nächsten Coup. Sie wollen Requin, den Besitzer des Sinspire, einem exklusivem Casino, ausrauben. Leider kommen ihnen die Bondsmagi, die noch eine Rechnung aus Camorr offen haben, und der Archon von Tal Verrar in die Quere. Durch einen hinterhältigen Plan zwingen sie Locke und Jean, sich als Piraten auszugeben und für Unruhe in der Bevölkerung zu sorgen … Red Seas Under Red Skies ist die großartige Fortsetzung von Scott Lynchs Debut The Lies of Locke Lamora. Am Ende des ersten Buches gab es bereits einen Ausblick aus dem zweiten Teil, in dem Jean Locke verriet. Diese Passage befindet sich auch vor der eigentliche Geschichte im zweiten Buch. Ein drittes Mal findet man diesen Text dann etwas weiter hinten im Buch und erfährt endlich, was es mit dem Verrat auf sich hat. Mit dieser Taktik schürt Lynch die Neugier der Leser und fesselt sie bis zur letzten Seite. Sprachlich ist das Buch wieder etwas anspruchsvoller, zumal Lynch die Umgebung von Tal Verrar extrem detailliert beschreibt. Spätestens an Bord des Piratenschiffes mit den diversen nautischen Fachbegriffen wird es für den einen oder anderen schwer. Dennoch kann man die Geschichte auch verstehen, wenn man nicht jedes Wort deuten kann. Die Geschichte ist extrem spannend, hat zahlreiche Wendungen, es gibt Verrat, Action, Liebe und jede Menge Humor und ich würde mich auf eine Verfilmung freuen. So sympathische Diebe habe ich schon lange nicht mehr gesehen und ich bin auf den dritten Teil der Gentlemen-Bastards-Reihe namens The Republic of Thieves gespannt, welcher im Februar 2011 als Paperback erscheinen soll. Sonntag, 27. Juni 2010Looking Glass WarsNur eine Woche nach dem letzten Buch habe ich ein weiteres beendet. Das kann eigentlich nur Gutes bedeuten.
Alice im Wunderland kennt wohl jeder. Aber wie ist die Geschichte hinter dem Buch wirklich? Frank Beddor weiß es … An ihrem siebten Geburtstag muss Alyss Heart erleben, wie ihre böseartige Tante Redd ihren Vater König Nolan und ihre Mutter Königin Genevieve ermordert, um die Herrschaft über das Wunderland zu erlangen. Alyss kann aber durch ein Spiegelportal in das viktorianische England flüchten. Dort ist sie gezwungen, ihre Erinnerungen an das Wunderland aufzugeben, um nicht weiter aufzufallen. Zu ihrem zwanzigstem Geburtstag bricht das Wunderland aber wieder in ihr Leben und die Redd-Gegner benötigen Alyss, damit sie die rechtmäßige Herrschaft übernimmt. Nach dem Klappentext (der ähnlich, nur kürzer lautet) musste ich das Buch einfach kaufen, da es ein anderes Licht auf das von mir sehr geliebte Buch von Lewis Carroll wirft. Die Ideen von Frank Beddor sind echt klasse, vor allem wie er die bekannten Charaktere in die Geschichte einbindet. So findet man das weiße Kaninchen in der Gestalt von Alyss' Mentor Bibwit Harte (ein Anagramm zu „White Rabbit“), der ähnliche Züge wie in Carrolls Buch aufweist. Daneben findet man auch die Grinsekatze, Tweedledum und Tweedledee, die blaue Raupe und viele andere wieder. Auch wenn man von Anfang an weiß, wie die Geschichte ausgehen wird (kein Happy-End wäre auch grauenvoll), gibt es ein paar Wendungen, vor allem auf den letzten Seiten, mit denen man nicht gerechnet hat. Die Spannung bleibt also erhalten. Wer also etwas Fantasy mag, der sollte unbedingt einen Blick in das Buch werfen. Die Geschichte ist als Trilogie angesetzt, die anderen beiden Teile Seeing Redd und Arch Enemy sind bereits erhältlich. Das Buch gibt es auch in einer deutschen Übersetzung unter dem Titel „Das Spiegellabyrinth“, wem das besser gefällt. Interessantes Detail: Der vor kurzem erschienene Film Alice im Wunderland weist sehr viele Parallelen zu Beddors Buch auf, denn auch dort ist Alice erwachsen und kommt kurz vor ihrer Heirat ins Wunderland zurück, um gegen die rote Königin zu kämpfen. Auf eine Verfilmung des Buches wäre ich aber auch gespannt … Sonntag, 20. Juni 2010World without EndVor knapp drei Jahren schrieb ich, dass „The Pillars of the Earth“ sicherlich nicht das letzte Buch von Ken Follett in meinem Regal sein würde. Mit dem Nachfolger „World without End“ hat sich das bewahrheitet.
England im Jahre 1327. Fünf Kinder treffen an Allerheiligen in Kingsbridge zusammen und ihre Leben sind ab dem Zeitpunkt bis zu ihrem Tode miteinander verbunden. Zum einen sind da Merthin und Ralph, Söhne von Sir Roland, der sein Land und seinen Titel an das Priorat in Kingsbridge verliert, weil er seine Steuern nicht mehr zahlen kann. Dann gibt es noch die Geschwister Gwenda und Philemon, Kinder des armen und hinterlistigen Joby. Und zu guter Letzt ist Caris, die Tochter des reichen Wollehändlers Edmund Wooler, mit in der Gruppe. Am Anfang der Geschichte erinnern die Ereignisse noch an „The Pillars of the Earth“ und ich fürchtete schon, Follett kopiert einfach nur das erste Buch. Glücklicherweise ist dem nicht so. Obwohl die Liebesgeschichte von Merthin und Caris an Jack und Aliena und Merthin mit seinem Wunsch den höchsten Turm Englands zu bauen doch sehr an Jacks Wunsch die größte Kathedrale zu erstellen erinnert, sind die weiteren Umstände und Verwobenheiten der Personen ganz anders. Follett schafft es mit viel Spannung und interessanten Wendungen die Geschichte der Person von 1327 bis 1361 zu erzählen. An vielen Stellen fragt man sich erneut, wieso der Autor so grauenvoll zu seinen Protagonisten sein kann und sie so viel Leid durchleben lässt. Und es gibt auch diesmal genügend Gegenspieler, die einen an der Gerechtigkeit der damaligen Zeit zweifeln lassen. Insgesamt sollte jeder, der „The Pillars of the Earth“/„Die Säulen der Erde“ gelesen hat, den Nachfolger „World without End“/„Die Tore der Welt“ durchlesen. Dabei ist es kein Zwang, den Vorgänger zu kennen, auf die alten Personen wird nur selten Bezug genommen und auch dann immer erklärt, um wen es sich handelt. Aber auch Historienliebhaber werden mit dem Buch viel Spaß haben. Einzig die über 1000 Seiten könnten ggf. den einen oder anderen abschrecken. Aber die Geschichte liest sich so flüssig, dass das kaum auffällt. Ich habe knapp drei Wochen gebraucht, um das Buch zu verschlingen. Montag, 31. Mai 2010Die Anarchie der Hacker
Viele Menschen wissen nicht, dass „Freie Software“ und „Open Source“ zwei unterschiedliche Dinge beschreiben, die nur ansatzweise auf das Gleiche abzielen. Der Begriff „Freie Software“ wurde von Richard M. Stallman geprägt, der die Ansicht vertritt, dass Software allen Menschen gehören sollte. Das Buch „Die Anarchie der Hacker“ von Christian Imhorst behandelt die Entstehung der Freie-Software-Bewegung und Stallmans Einflüsse darauf. Richard Stallman als Anarchist
Der Begriff „Anarchist“ bzw. „Anarchie“ im Allgemeinen hat heutzutage einen sehr schlechten Beigeschmack, bringt man ihn doch meist mit Chaos und Zerstörung in Verbindung. Dabei bedeutet Anarchie doch nur die Abwesenheit einer Hierarchie als Form der Unterdrückung, die die individuelle und kollektive Freiheit einschränkt. Eine Freiheit, die Richard Stallman seit den 1970er Jahren propagiert. In der wissenschaftlichen Arbeit „Die Anarchie der Hacker“ zeigt der Autor Christian Imhorst die Beweggründe Stallmans auf, die eigentlich anfangs ganz simpel waren: Zum einen sah er sich in seiner Arbeit in Hardvard unterdrückt, weil die Rechenzeitvergabe der damals noch teuren Computer sehr ungerecht vorging. Daneben war eines der größten Ärgernisse ein simpler Xerox-Drucker, dessen Treiber Stallman nicht anpassen durfte, weil der Entwickler des Treibers ein Geheimhaltungsabkommen (Nondisclosure Agreement) mit Xerox unterschrieben hatte (S. 51 ff)). Dies veranlasste Stallman dazu, zu einem Verfechter Freier Software zu werden. Software, die allen gehört, und von keinem – bis auf einige Grundsätze – eingeschränkt werden darf. Die GPL als Meilenstein
Ein Meilenstein im Kampf gegen proprietäre Software war die GNU General Public License (kurz GPL). Auf Basis der Hackerethik, die unter anderem Informationsfreiheit und Dezentralisation propagiert (S. 23 ff), wurde zuerst die Emacs-Lizenz (zum zugehörigen von Stallman entwickelten Editor Emacs) verfasst und danach im Jahr 1989 etwas allgemeiner die GPL (S. 57). Die Lizenz stellte sicher, dass jeder ein GPL-lizenziertes Programm ausführen, den Quellcode des Programmes studieren und anpassen, das Programm verbreiten und Veränderungen veröffentlichen darf (S. 56). Bill Gates, Gründer von Microsoft, war kein Freund der Hackerethik und Freier Software, denn sein Geschäftsmodell basierte gerade auf der Nutzung freier Informationen ohne diese weitergeben zu müssen. So wurde beispielsweise das erfolgreiche MS-DOS aus dem aufgekauften QDOS von Tim Patterson entwickelt, welches widerum den Code des frei zugänglichen CP/M „geklaut“ hatte (S. 44 f). Mit der GPL war damit aber Schluss. Natürlich können Firmen GPL-lizenzierten Code immer noch verkaufen, aber sie müssen dem Käufer den Quellcode unter den gleichen Bedingungen zur Verfügung stellen, unter dem sie ihn selbst erhalten haben. Dies führte dazu, dass heutzutage weniger mit GPL-Software Geld verdient wird, sondern eher mit Zusatzmaterial und Dienstleistungen rund um die angebotene Software (S. 69). Etwas, wovon Microsoft sehr wenig hat, da ein Großteil des Geldes durch Windows-Lizenzen erzielt wird. Frei oder frei?
Nicht jeder sah die GPL aber als Segen an, vor allem Anhänger der Berkeley Software Distribution License (BSD-Lizenz) waren über die virale Verbreitung der GPL nicht erfreut, da sie die Freiheit eines Programmierers einschränkte. Mit der BSD-Lizenz war wirklich alles erlaubt, solange man den Urheber eines Stück Codes nannte. Auch die Verarbeitung zu proprietärer Software war damit möglich. Etwas, was die GPL gerade verhindern soll. In der Freien-Software-Bewegung fanden sich somit zwei Lager, die doch beide das Gleiche wollten: Einen freien Informationsaustausch. Dabei hat Freie Software vor allem im Englischen ein Problem: Das Wörtchen „free“ steht für „frei“, aber eben auch für „kostenlos“ (S. 50). Daher stammt auch der Ausspruch „Frei wie in Freiheit, nicht wie in Freibier“, wenn es um Freie Software geht. Aus dem Grund setzten sich 1998 einige wichtige Mitglieder der Szene zusammen, darunter Bruce Perens und Eric S. Raymond, um einen neuen Begriff zu finden, der zum einen von dem „kommunistischen“ Wörtchen „free“ wegführen, aber auch den Begriff Freier Software nicht mehr so eng fassen sollte, sodass beispielsweise auch die BSD-Lizenz davon erfasst wird. Das Ergebnis war der Begriff „Open Source“ und die Gründung der Open Source Initiative (kurz OSI) (S. 70 f.). Die wichtigsten Punkte der Open-Source-Definition sind, dass die Software frei verteilt werden darf, der Quellcode offen liegen muss und Ableitungen erlaubt sein müssen (S. 75). Der Begriff hat sich bis heute aber nicht richtig gegenüber Freier Software durchgesetzt, da der Name „Open Source“ vor allem eben Quelloffenheit propagiert, man aber nicht direkt schließen kann, dass auch eine Veränderung des Codes erlaubt sein muss. Etwas, was sich viele Firmen zu Eigen machen, um mit dem Begriff „Open Source“ werben zu können (S. 76). Das führt auch dazu, dass „Freie Software“ und „Open Source“ in den meisten Open-Source-Projekten synonym verwendet werden. Einzig die extremen Anhänger beider Lager bestehen auf eine Differenzierung der Begriffe (siehe auch Wikipedia). Über das Buch
Das Buch „Die Anarchie der Hacker“ von Christian Imhorst gibt einen sehr guten Einblick in die Entstehungsgeschichte Freier Software, aber ebenso auch in Open-Source- und proprietärer Software. Aufgrund der zeitlichen Herausgabe (Ende 2004, Anfang 2005) sind die Informationen bzw. die Schlüsse darin aber leider etwas veraltet. Sätze wie „Trotzdem war das Mozilla-Projekt nie wirklich erfolgreich, weil der Aufbau einer Entwickler-Gemeinschaft nicht wirklich funktioniert hat, was allerdings mehr an der Organisation des Projektes lag als an der Lizenz.“ (S. 71) lesen sich seltsam, wenn man bedenkt, dass der Browser Firefox des Mozilla-Projektes im Jahr 2010 einen Marktanteil von über 50% hat. Von „nicht erfolgreich“ kann also aus heutiger Sicht keine Rede sein, auch wenn es vor fünf Jahren anders aussah. Davon abgesehen treffen die meisten Aussagen, die sich auf das letzte Jahrtausend beziehen, dennoch zu. Richard Stallmans Einfluss ist zwar der Aufhänger des Textes, dennoch nimmt er nicht den Großteil des Buches für sich in Anspruch. Imhorst wechselt immer wieder auch auf andere Bereiche und wichtige Persönlichkeiten der damaligen Geschichte. Das Buch ist also keine Biographie von Richard Stallman, sondern sieht eher die Freie-Software-Bewegung im Vordergrund. Sprachlich ist der Text sehr gut und selten langweilig, obwohl er mit zahlreichen Zitaten und Fußnoten gespickt ist. Da es einer Erstauflage ist, enthält das Buch noch kleinere Rechtschreibfehler, die aber wirklich nur sehr selten zu finden und damit zu verschmerzen sind. Wer Interesse an der Person Stallman und vor allem an Freier Software gefunden hat, sollte sich „Die Anarchie der Hacker“ unbedingt durchlesen. Ganze im Sinne Freier Software
Und so, wie Richard Stallman es propagiert, kann das Buch nicht nur bei diversen Buchhändlern für 19,90 Euro bezogen werden, nein, seit dem 1. Mai 2010 ist es auch in digitaler Form kostenlos unter der Creative-Commons-Attribution-NonCommercial-ShareAlike-Lizenz auf der Seite des Autors Christian Imhorst verfügbar. Der Tectum Verlag hält nur noch die Rechte an der (kommerziellen) Verwertung der Druckausgabe in Deutschland. „Die Anarchie der Hacker“ kann direkt als HTML angeschaut oder im mobilen PDF- oder EPUB-Format herunterladen werden. Die CC-Lizenz erlaubt die Veröffentlichung des Buches (oder Ausschnitten) sowie Veränderungen davon, solange der Autor weiterhin genannt und das Werk nicht kommerziell vertrieben wird. Wer nach dieser Rezension also Interesse daran gefunden hat, wie die Freie-Software-Bewegung entstanden ist und was Richard Stallman damit zu tun hatte, kann sich das Buch in digitaler Form sofort besorgen. Hinweis: Vielen Dank an den Tectum Verlag für die Bereitstellung eines gedruckten Rezensionsexemplares. Sonntag, 16. Mai 2010Winterstrike
In ferner, ferner Zukunft hat sich Einiges geändert: Die Erde ist mit Wasser überflutet und es gibt nur noch wenige Landflecken. Über einige Teile des Planeten herrscht die Königin der Tausendfüßler (Centipede Queen). Dafür ist der Mars bereits seit einigen tausend Jahren besiedelt. Die Gesellschaft hat sich von einer patriarchalischen in eine matriarchalische geändert, sodass es Männer nur noch in Spukgeschichten für kleine Kinder gibt. Einzige einige Genexperimente in der Wildnis zeugen davon, dass es einmal männliche Menschen gab. Kinder werden nicht mehr geboren, sondern erzeugt. Auf dem Mars streiten sich die beiden Städte Winterstrike und Caud um ein kleines Stück Land und stehen kurz vor einem Krieg. Um einen Trumpf in der Hand halten zu können, soll die Spionin Hestia Mar in Cauds Bibliothek nach den Dokumenten zu einer alten Waffe suchen und diese nach Winterstrike bringen. In Winterstrike gibt es dagegen andere Probleme. Hestias Cousine Leretui Harn lebt seit einem Jahr eingesperrt in einem Zimmer, nachdem sie sich für kurze Zeit mit einer männliche Bestie eingelassen hat. Abgeschnitten von der Welt und ihrem Leben – weswegen sie nur noch Shorn genannt wird (Shorn stammt vom englischen Verb „to shear“ ab und heißt soviel wie „abgeschnitten“ oder „abgerissen“) – schafft sie es dennoch ein Jahr später aus ihrem Zimmer zu fliehen. Ihre große Schwester Essegui wird von ihrer herrschsüchtigen Mutter beauftragt, Shorn in der kalten Wildnis zu suchen und zurück zu bringen. Williams' Bücher haben mir ja bereits bei Darkland und Bloodmind sehr gefallen, auch wenn sie sprachlich fordernd waren. Liz Williams zeigt in „Winterstrike“ eine ganz andere Zukunft als ich sie bisher in Sci-Fi-Filmen oder -Büchern gefunden habe. Die Menschen haben sich sehr weiterentwickelt, vor allem aber die Nachfahren der männlichen Menschen („men-remnants“, also Männer-Rest) haben kaum noch Menschenähnliches an sich und erinnern eher an wilde Tiere. Auch die Ausrüstung und die Waffen der Marsianer hat sich verändert. Inzwischen werden Kämpferinnen („excissiere“ genannt) mit Haunt-Tech-Rüstungen ausgestattet. Die Kleidung ist mit den Geistern Verstorbener belegt und verbindet sich mit dem Träger, um dessen Fähigkeiten zu erweitern. Sprachlich ist wieder das Problem, das Williams viele neue Begriffe einführt bzw. sich ausdenkt, die es so nicht gibt und man von der eigentlichen Beschreibung verstehen muss, was mit vulpen, geise, demothea oder eben excissiere gemeint ist. Wer sich darauf aber einlässt, den erwartet ein sehr schönes Sci-Fi-Abenteuer, was auch zu einem Teil auf der Erde spielt. Extrem gemein ist, dass das Ende wieder offen gelassen wurde. Der Hauptstrang (das Verschwinden von Shorn) wird zwar zu Ende gesponnen, aber man lernt im Buch, dass nicht jeder auf der Seite steht, auf der er vorgibt zu stehen. Verrat ist an der Tagesordnung und man weiß nicht, wem man trauen kann. Aus dem Grund gibt es eine Entdeckung am Ende des Buches, die aber nicht verraten, sondern nur angedeutet wird. Dadurch kann sich Liz Williams bei mir aber zumindest sicher sein, dass der Nachfolgetitel auf alle Fälle gekauft wird. :) Sonntag, 25. April 2010Somnia
Scarlet Hawthorne taucht ohne Gedächtnis im Battery Park in New York auf. Verfolgt von den Wendigo, Wölfe, die sich aus Eiskristallen bilden, wird sie von Mistress Anthea Atwood aufgesammelt. Zusammen versuchen die beiden Scarlets Gedächtnis wiederzufinden und verfolgen dabei eine rätselhafte Spur von Schlafwandlern und Eistoten. Somnia ist der vierte Teil der „Trilogie“ ;) um die uralte Metropole (Lycidas, Lilith und Lumen). Wer Nimmermehr und darin die Kurzgeschichte „Scarlet“ gelesen hat, weiß natürlich, wer Scarlet Hawthorne ist. Aber selbst wenn man das weiß, nimmt dies keinesfalls die Spannung. Kritik kann ich kaum welche anbringen, nicht umsonst habe ich das Buch in weniger als einer Woche durchgelesen. Nach wie vor sind die Floskeln „Es gibt keine Zufälle!“ und „Fragen Sie nicht!“ im Buch vertreten, aber nicht mehr ganz so zahlreich, was wohl auch daran liegt, dass andere Charaktere die Hauptrolle spielen. Und nach wie vor wird die Geschichte aus einer allwissenden Ich-Perspektive von Scarlets Mentorin Mistress Atwood erzählt - mit den gleichen Nachteilen wie in der vorherigen drei Bänden. Aber man kann damit leben. In „Somnia“ greift Marzi wieder zahlreiche Fabelgestalten auf und verbindet diese (mehr oder weniger geschickt). So haben die Arachniden wieder einen Gastauftritt, ebenso wie die Nekir und einige Engel. Dafür lernt man aber auch neue Gestalten wie die oben erwähnten Wendigo, eine geheimnisvolle Lady Solitaire sowie das Krokodil aus „Peter Pan“ kennen. Und natürlich dürfen auch Mr. Fox und Mr. Wolf nicht fehlen. Das Ende ist einfach genial und Marzi deutet es im Nachwort schon an, dass Scarlet noch einige Abenteuer in Gotham erleben wird. Wer Fantasy mag und die ersten drei Bände sowieso verschlungen hat, muss „Somnia“ einfach lesen. Aber auch für alle anderen ist das Buch sicherlich ein guter Einstieg in die uralte Metropole.
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