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Spiel: Broken Age

Broken Age ist ein Point-and-Click-Adventure, in welchem man abwechselnd die Rolle des jungen Shay oder der jungen Vella übernimmt, die beide eine völlig verschiedenes Leben führen und dennoch ein ähnliches Schicksal teilen: Beide sind eingesperrt und wollen entkommen.

Shays Geschichte

Jeden Morgen wacht der junge Shay alleine auf seinem Raumschiff auf. Und jeden Morgen beginnt der gleiche Trott. Der mütterliche Schiffscomputer bereitet ihm das Frühstück zu, das, obwohl er aus 20 unterschiedlichen Müsli-Packungen wählen kann, doch immer gleich schmeckt. Danach darf sich Shay auf „gefährliche“ Rettungsmissionen begeben, die aber, wie er schon längst bemerkt hat, keine echte Missionen sind, sondern vom Computer simuliert werden.

Und so sehnt sich Shay danach, ein richtiges Abenteuer zu bestehen, bei dem er auch wirklich etwas Gutes tun kann. Da trifft es sich ganz gut, dass er plötzlich auf einen geheimnisvollen Wolf namens Marrek stößt, den er noch nie im Raumschiff gesehen hat. Marrek kann das Schiff zu anderen Planeten steuern, auf denen Shay bedrohte Lebewesen retten kann.

Die Frage ist, ob Marrek wirklich die Wahrheit sagt, denn sehr oft weicht er Shays Fragen aus, sodass die Rettungsmissionen mit dem Wolf doch nur wieder wie ein sinnloses Spiel wirken.

Der Computer passt auf, dass sich Shay in seinem Spielzeugraumschiff nicht verfliegt.
Der Computer passt auf, dass sich Shay in seinem Spielzeugraumschiff nicht verfliegt.

Vellas Geschichte

Vellas Geschichte beginnt schlafend unter einem Baum an einem wunderschönen Tag. Könnte sie weiterschlafen, wäre alles noch viel schöner, denn der Tag verheißt nichts Gutes für sie. Auf dem Maidenmahl-Fest soll Vella dem Mog Chotra, einem riesigen Monster, geopfert werden. Ohne die Opferung würde der Mog Chotra Vellas Dorf angreifen und zerstören.

Doch Vella hat keine Lust zu sterben. Im Gegensatz zu den anderen jungen Frauen, die ebenfalls geopfert werden sollen, sieht sie es nicht als Ehre an, zu sterben, sondern hinterfragt, wieso man sich nicht gegen den Mog Chatra zur Wehr setzt.

Und so findet Vella, kurz bevor der Mog Chatra sie fressen kann, einen Ausweg und landet in Wolkenheim, einem Ort über den Wolken. Findet sie von hier wieder einen Weg zurück, um ihr Dorf zu retten und den Mog Chatra zu besiegen?

Für Vella beginnt kein guter Tag, da sie geopfert werden soll.
Für Vella beginnt kein guter Tag, da sie geopfert werden soll.

Die Geschichte von Broken Age

Broken Age hat im Jahr 2012 Geschichte bei Kickstarter geschrieben, nachdem von den anvisierten 400.000 US-Dollar über drei Millionen US-Dollar von den Unterstützern bereitgestellt wurden. Hergestellt wurde das Spiel von Double Fine und Entwickler Tim Schafer, der sich auch für Spiele wie Monkey Island oder Psychonauts verantwortlich zeichnete. Den Schritt, das Spiel über Kickstarter zu finanzieren, musste er notgedrungen machen, da ihm kein Publisher das Geld für ein simples Point-and-Click-Adventure geben wollte.

Trotz des finanziellen Erfolges dauert es anderthalb Jahre, ehe das Spiel im Januar 2014 veröffentlicht wurde. Und weil man auch dann noch nicht komplett fertig war, entschied sich das Entwicklerstudio, das Spiel in zwei Akte zu trennen. Der zweite Akt soll zum Ende des Jahres 2014 folgen.

Vella nach ihrer Flucht in Wolkenheim.
Vella nach ihrer Flucht in Wolkenheim.

Etwas Technisches

Bei Broken Age handelt es sich um ein klassisches Point-and-Click-Adventure. Mit der Maus bewegt man sich durch die zweidimensionalen Orte, spricht mit anderen Menschen, wobei Dialogoptionen die Antworten vorgeben, sammelt hilfreiche Gegenstände ein und benutzt diese mit der Umgebung. In dieser Hinsicht bietet Broken Age keine Besonderheit. Alles funktioniert, wie man es von anderen Adventure-Spielen bekannt ist. Eine kleine Besonderheit ist, dass man jederzeit zwischen den beiden Spielcharakteren umschalten kann, was aber natürlich auch schon bei vielen anderen Adventures zuvor möglich war.

Zu Vellas Opfertag gibt es eine große Feier.
Zu Vellas Opfertag gibt es eine große Feier.

Sehr schön anzusehen ist die Grafik des Spiels, die im Comic-Look gehalten ist. Auch wenn der Stil neu ist, fühlt man sich als Spieler stellenweise an andere Spiele von Double Fine erinnert, was aber nicht schlecht sein muss. Interessant zu erwähnen ist, dass alle In-Game-Grafiken auch ins Deutsche übersetzt wurden, was der Welt sehr viel Authentizität gibt.

Auch die Dialogoptionen sind Deutsch, nur leider die Sprache nicht. Im Englischen hat man hierfür großartige Sprecher bzw. Schauspieler wie Masasa Moyo als Vella, Jennifer Hale als Computer, Elijah Wood als Shay und daneben auch noch Jack Black und Will Wheaton in kleineren Rollen engagieren können. Für die deutschsprachige Version war eine Übersetzung scheinbar nicht möglich. Immerhin gibt es deutsche Untertitel für alle Dialoge.

Shay verschlägt es auch in den Weltraum – mit Schal, weil es da so kalt ist.
Shay verschlägt es auch in den Weltraum – mit Schal, weil es da so kalt ist.

Das Spiel wurde von Anfang an für Linux angekündigt und entwickelt, sodass es auf allen Distributionen ohne Probleme laufen sollte, auch wenn es hauptsächlich für Ubuntu spezifiziert ist. Neben der Steam-Version gibt es im Humble Store auch eine DRM-freie Version. Im Preis inbegriffen ist auch Akt 2, sobald dieser erscheint.

Fazit

Auch wenn Spiele, wie jede Art von Kunst, immer Geschmackssache sind, zeigt Tim Schafers Lebenslauf, dass er gute Spiele machen kann: Monkey Island, Grim Fandango, Psychonauts, Brütal Legend, Costume Quest oder The Cave. Alle kamen sowohl bei der Presse, aber noch viel wichtiger bei den Spielern sehr gut an und haben heute teilweise einen Kult-Status erreicht. Vor allem der Humor, den man – wenn auch in abgeschwächter Form – auch in Broken Age finden kann, zeichnet den Entwickler aus.

Der geheimnisvolle Wolf Marrek nimmt Shay mit auf ein richtiges Abenteuer.
Der geheimnisvolle Wolf Marrek nimmt Shay mit auf ein richtiges Abenteuer.

Spielerisch ist das Adventure sehr solide und macht nichts falsch. Die Rätsel sind auf normalen bis einfachen Level und jederzeit logisch zu lösen. Es gibt keine lange Laufwege, sodass man nicht stundenlang durch die Gegend irren muss. Hier ist Broken Age also auf normalen Niveau, auch wenn es keine Hot-Spot-Anzeige gibt, die man aber bei der Einfachheit der Rätsel auch nicht vermisst.

Wo Broken Age in meinen Augen besser ist als andere Genre-Vertreter ist die Grafik, die Sprecher, die musikalische Untermalung von Peter McConnell und vor allem die Story. Von Anfang an fiebert man als Spieler mit Shay und Vella mit und möchte sie aus ihrem „Gefängnis“ befreien. Das geht am Anfang noch etwas behäbig und langsam, nimmt dann aber schnell Fahrt auf. Und vor allem treibt einen die Frage an: Wie sind beide Geschichten miteinander verbunden? Die Antwort bleibt das Spiel bis fast zum Ende von Akt 1 schuldig und nur kleine Andeutungen während der Spielzeit zeigen, dass es überhaupt eine Verbindung gibt.

Am Strand von Muschelhöhe findet die Opferung für Mog Chatra statt.
Am Strand von Muschelhöhe findet die Opferung für Mog Chatra statt.

Der Schluss von Akt 1 ist dann auch ein echter Cliffhanger und wer Broken Age spielen will, sollte vielleicht auf Akt 2 warten, um das Spiel gleich von Anfang bis Ende spielen zu können. Zu viel Zeit wird man dabei leider nicht einplanen müssen. Akt 1 war nach knapp vier Stunden bereits vorbei. Wenn Akt 2 genauso lange dauert, handelt es sich um einen sehr kurzen Vertreter des Adventure-Genres. Ob dies den aktuellen Preis von knapp 23 Euro wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Mir hat Akt 1 von Broken Age sehr gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Akt, der hoffentlich demnächst herauskommt. Vor allem möchte ich wissen, wie Shays und Vellas Geschichte weitergeht. Das eigentliche Spielen des Spiels (d.h. die Mechanik) trat dabei in den Hintergrund – was für mich ein gutes und unterhaltsames Spiel auszeichnet.

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