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Spielemesse in Stuttgart 2016

Letztes Wochenende war wieder die Spielemesse in Stuttgart. Wie die Jahre zuvor war ich am Stand des FsF e.V. zu finden. Entweder, um Spiele zu erklären (am Samstag) oder neue Spiele zu spielen (am Freitag). Hier meine Eindrücke …

Terraforming Mars

Terraforming Mars war das Hype-Spiel auf der Spielemesse Essen 2016, wobei „Hype“ hier weder positiv noch negativ gemeint ist. Es war jeden Tag innerhalb kurzer Zeit ausverkauft und die Leute standen Schlange ohne Ende wie dieses Video zeigt.

In Terraforming Mars wollen wir – na was wohl? – den Mars terraformen, sodass auf ihm neues Leben entstehen kann. Somit ist das Spielende auch erreicht, wenn die Temperatur ein gewisses Level erreicht hat und der Sauerstoffgehalt der Luft entsprechend hoch ist.

In jeder Runde ziehen die Spieler vier Karten und draften diese reihum. Wer Karten behalten will, muss diese für 3 Mega-Credits kaufen. Danach sind die Spieler reihum immer wieder dran und dürfen jeweils eine Aktion ausführen, bis alle Spieler gepasst haben.

Zu den Aktionen gehören u.a. eine Karte ausspielen, einen „Baum“ pflanzen, einen Meteor einschlagen (und dadurch die Wärme ansteigen) lassen, einen See anlegen und vieles mehr. Mit den Aktionen versucht man sich zum einen Area-Control-mäßig auf dem Spielplan auszubreiten und zum anderen die eigenen Produktionen (für Energie, Stahl, Titanium, Mega-Credits etc.) ansteigen zu lassen, die man benötigt, um gewisse Karten ausspielen zu können.

Was nach viel klingt, ist in der ersten Runde als Neuling auch viel. Zum Start gibt es 10 Handkarten (ohne Drafting) und daraus soll man nun wählen? Wow! Dabei ist das aber gar nicht so schlimm, wie man schnell feststellt. Innerhalb ein, zwei Runden hatten wir heraus, wie der Spielfluss ist, was wir wann wie sinnvoll einsetzen können etc. Da wir für die ersten vier, fünf Runden aber bereits eine Stunde brauchten, brachen wir das Spiel ab.

Aus dem Grund kann ich auch nur eine kurze Meinung liefern: Terraforming Mars spielt sich gut. Man kommt sehr schnell hinein, es ist und bleibt aber ein anspruchsvolles Spiel, bei dem viele Mechanismen ineinander greifen und abgewogen werden wollen. Es gab einige längere Denkpausen, wobei man Züge in der Regel sehr gut vorplanen kann, auch wenn man sich auf dem Planet ein bisschen und durch Aktionskarten ein bisschen mehr in die Quere kommt. Ich würde also eine ganze Partie gerne einmal mitspielen, aber: Es ist kein Spiel für mein Spielregal, da es nur ein- oder maximal zweimal pro Jahr auf den Tisch käme.

Terraforming Mars

4 Gods

Bereits auf der Spielemesse in Essen konnte ich 4 Gods testen, wollte es aber noch einmal spielen. Daher wiederhole ich auch den Text zum Spiel hier nicht in Gänze, nur kurz: Es handelt sich um ein Echtzeit-Plättchenlegespiel.

Mir hat 4 Gods nach wie vor gut gefallen, aber: Es ist immer noch anstrengend zu bauen, wobei die Spielgruppe diesmal wesentlich unhektischer gespielt hat. Ich hätte daher gerne lieber die rundenbasierte Version mit 30-Sekunden-Sanduhr getestet, wurde aber überstimmt. Eine zweite, wichtige Lektion: Man sollte bei einem Echtzeitspiel sicher sein, dass alle die Regeln richtig verstanden haben. Falsches Anlegen kann man während des Spiels noch klären, weil man es sieht. Aber wenn jemand ein falsches Verständnis zur Punktevergabe hat, dann ärgert sich derjenige zurecht am Ende, wenn er verliert.

Ein wichtiger Punkt war auch: Bevor man ein Spiel erklärt, sollte man die Anleitung gelesen haben. Ein reines Erklären anhand der Erklärung vom Vortag kann gut gehen – wenn die Erklärer vom Vortag alle Regeln richtig wiedergegeben haben. Manchmal kommt aber auch der Stille-Post-Effekt zustande, sodass der Ersterklärer irgendetwas vergisst oder falsch erklärte, was sich dann von Erklärung zu Erklärung weiterzieht.

4 Gods

Habitats

Habitats war ein weiteres Legespiel, was wir gespielt haben, weil nicht allen 4 Gods gefallen hatte. In Habitats baut jeder Spieler seinen eigenen Wildpark auf. Hierfür läuft man mit seiner Spielfigur (jede Spielschachtel enthält individuelle Keramik-Tiere) auf einem Auswahlfeld von 4x7 Plättchen (bei fünf Spielern). Laufen darf man nur gerade aus, links oder rechts. Dieses Plättchen muss man dann in die eigene Auslage legen. Dort versucht man Bedingungen zu erfüllen, die die Tiere haben. Ein Hai benötigt rundherum Wasser, eine Biene Blumen, ein Skorpion etwas Baum und Wüste. Wer die meisten Bedingungen erfüllt, gewinnt am Ende.

Habitats hat seine Stärken und Schwächen. Toll finde ich die Keramik-Figuren. Die sehen einfach großartig aus und wenn jede Box andere Tiere enthält, ist das ein nettes Gimmick, wenn man ein andere Ausgabe spielt. Ebenfalls gefallen hat mir die Bewegung der Spielfigur. Problem daran: Das Spielfeld ist so stark belegt, sodass es oft passiert, dass man gar keine Wahl hat, weil nur noch ein Plättchen regulär genommen werden kann. Hier fühlt man sich trotz aller Strategie gespielt. Ein anderer negativer Aspekt ist die Ikonographie. Die Sonderplättchen für Besucher oder Aussichtspunkte sind nicht direkt intuitiv verständlich. Ebenfalls erkennt man die Symbole für Wiese (Gras) oder Wüste (Stein) nicht auf Anhieb.

Am Schlimmsten war aber die Erklärung für die Sonderpunkte: Diese waren sicherlich rechtlich absolut exakt aufgeschrieben, aber nicht jeder verstand sie nicht auf Anhieb. Wer Spielerfahrung hat, kann es sich logisch herleiten, was sinnvoll ist, aber andere Spieler hatten arge Verständnisschwierigkeiten.

Mir hat Habitats gefallen vom Spielgefühl her, in der Spielgruppe als Ganzes war das Spiel aber durchgefallen. Insgesamt bleibt ein nettes Spiel, das ich wieder mitspiele, aber nicht in mein Spielregal wandert.

Habitats

Kanagawa

Als kleines Füllerspiel dient Kanagawa, das vor allem durch seine Grafik besticht (und ich habe kein Bild gemacht. :() Jede Runde werden gemäß Spieleranzahl Gemäldekarten in einer Reihe aufgedeckt. Der Startspieler darf entscheiden, eine Spalte (also eine Karte) zu nehmen. Falls er keine wählt, darf der nächste Spieler entscheiden. Wenn Spieler keine Spalte genommen haben, werde weitere Karten in der nächsten Reihe aufgedeckt. Man kann nun also zwei Karten pro Spalte wählen. Das geht weiter, bis drei Karten pro Spalte ausliegen oder alle Spieler eine Spalte gewählt haben.

Die gewählten Karten kann man nun als Gemälde zeichnen – wenn man die entsprechenden Farbtöpfe hat, die wiederum auf der anderen Seite der Karte abgebildet sind. Sprich, die Entscheidung, wann ich die Karte als Farbtopf spiele und wann als Gemälde, ist sehr wichtig. Kleine Bonuskarten geben weitere Punkte während des Spiels.

Mir hat Kanagawa sehr gut gefallen. Ich mag grafisch gute Spiele, vor allem wenn sie sich auch noch gut spielen. Die Idee, Karten auf verschiedene Art und Weisen einzusetzen, ist nicht neu, das Gesamtkonzept überzeugte mich jedoch, sodass Kanagawa auf meiner Kaufliste gelandet ist und sicher den Weg in mein Spielregal finden wird.

First Class

Ein zweites, in den letzten Wochen recht gehyptes Spiel war First Class. Die Spieler bauen Züge (zwei Stück an der Zahl), hierbei immer Wagon um Wagon. Beginnend bei einem 0-Punkte-Wagon kann man diese upgraden über 1, 2, 4 und 7 bis hin zu 12 Punkten. Das bringt aber nur etwas, wenn der Schaffner auch bis zu dem jeweiligen Wagon gelaufen ist. Daneben baut man eine Bahnstrecke, auf der die eigene Lok fährt und damit Siegpunkte oder Boni bringt.

Jede der sechs Runden liegen 18 Karten zur Auswahl aus. Jeder Karte ist dabei eine Aktion zugeordnet (Schaffner bewegen, Zug erweitern, Zug bewegen etc.). Nach jeder zweiten Runde gibt es eine Boni-Ausschüttung und eine Wertung der Züge/Waggons.

Wie bei Terraforming Mars wird man bei First Class beim ersten Mal von den Optionen erschlagen. Direkt nach dem ersten eigenen Zug versteht man das Konzept aber. Am Ende des ersten Spiels versteht man, was man alles falsch gemacht hat. Zum Beispiel, dass man nicht jede Runde wertet, sondern nur alle zwei Runden. ;) Im Ernst: Das Spiel geht wirklich schnell in den Kopf, aber für die verschiedenen Taktiken braucht man sicher etwas mehr Erfahrung.

Den Vergleich zu Russian Railroads spare ich mir. Ja, es ist der gleiche Autor. Ja, es geht um Züge. Und ja, ich habe Russian Railroads seit zwei Jahren nicht gespielt und habe daher keine Ahnung mehr, wie das Spiel funktioniert.

First Class

Panamax

Der Preis für das beste Spiel des Tages geht an Panamax. Der Preis für die schlechteste Anleitung aber ebenso. Eine geschlagene Stunde lang habe ich die Anleitung auf der Messe gelesen und meinem Spielpartner immer wieder mal häppchenweise eine neue Regelinformation weitergegeben. Dabei handelt es sich um sehr viel Text, der sich aber tatsächlich erst nach dem Lesen der gesamten Regel zu einem Ganzen zusammenfügt. Ich bin unsicher, wie man es hätte besser machen können, aber so war es nicht schön zu lernen. Wir waren sogar mehrfach kurz davor, abzubrechen und uns ein Spiel zu nehmen, was wir schon kennen. Glücklicherweise haben wir durchgehalten.

In Panamax belädt man Schiffe mit Waren und fährt mit diesen durch den Panamakanal. Verschiedene Schleusen benötigen unterschiedliche Bewegungsaktionen, die Schiffe sind unterschiedlich groß und vor allem kann jedes Schiff irgendetwas transportieren – sprich, ich kann die Schiffe meines Gegners mitbenutzen (was so ungewohnt war, dass wir es nie getan haben – es bringt dem Gegner aber auch Punkte). Für das Liefern von Waren bekommt man Geld in die Firmenkasse – was wenig bringt, denn wichtig ist das Privatvermögen. Das wird größer durch Aktienanteile der unterschiedlichen Schiffsfirmen.

Auf Panamax aufmerksam geworden bin ich durch durch Shut Up & Sit Down (großartiges Video, unbedingt anschauen!) und konnte es nun endlich einmal spielen. Und ich bin begeistert! Die Mechanismen greifen extrem gut ineinander, wie ich es bei kaum einem anderen Spiel gesehen habe. Dabei ist es das Thema ebenfalls sehr gut umgesetzt und wirkt nicht aufgesetzt.

Das geht soweit, dass in der Anleitung scheinbar vom Wissen ausgegangen wird, durch welche Seen man im Panama-Kanal alles fährt und wie die Schleusen heißen, denn es wird direkt darauf Bezug genommen. Das ist wohl auch der Minuspunkt. Die Anleitung wirkt komplexer als das Spiel ist. Dabei sind die Regeln so einfach, weil es sich effektiv um ein Würfel-Wegnehm-Spiel handelt, bei dem man entweder eine Verlade-Aktion oder eine Bewegungsaktion durchführt. Natürlich ist das Ganze noch gekoppelt an Bedingungen und natürlich gibt es Sonderfälle und Ausnahmen, aber im Prinzip erklärt sich das Spiel damit schon.

Daher meine klare Empfehlung: Spielt Panamax, wenn ihr anspruchsvolle, thematische Spiele mögt. Es macht auch einfach nur Spaß, die Schiffe durch den Kanal zu schieben! Aber: Wie Terraforming Mars wird es nicht in meine Sammlung wandern, weil ich es viel zu selten Spielen würde – außer es gibt es irgendwo mal sehr preiswert. ;)

Panamax

Qwixx: Das Duell

… Was bei 7 Wonders funktioniert hat, muss wohl auch bei einem Würfelspiel gehen.

Wie beim Vorbild Qwixx, würfelt man mit vier farbigen und zwei weißen Würfeln. Dann wählt man die Summe der zwei weißen Würfel und/oder die Summe aus einem farbigen und einem weißen Würfel und legt eine Scheibe auf das entsprechende Feld auf dem Spielbrett. Dort findet man zwei Reihen von 2 bis 12 (rot und gelb) und zwei von 12 bis 2 (grün und blau). Besonderheit: Man darf nur rechts von eigenen Scheiben auf Felder legen. Damit gibt es im Laufe des Spiels immer weniger erlaubte Züge. Wie bei Mensch ärger dich nicht darf man gegnerische Spielsteine schlagen. Am Ende bekommt man Punkte für eigene Spielsteine pro Reihe, wobei die Punkte exponentiell wachsen – oder quadratisch oder so etwas in der Art.

Braucht man Qwixx: Das Duell, wenn man Qwixx hat? Nein, definitiv nicht. Qwixx macht auch zu zweit Spaß und es gibt keinen Grund, dass man auf einem Spielbrett gegeneinander agiert. Braucht man Qwixx: Das Duell, wenn man Qwixx nicht hat? Nein, denn dann kauft man einfach Qwixx und springt zu ersten Frage zurück. Störend ist sogar die fehlende Beteiligung, wenn man selbst nicht an der Reihe ist. War bei Qwixx bei jedem Zug jeder Spieler involviert (da man auch Punkte ankreuzen durfte), fällt das bei Qwixx: Das Duell weg. Klar, die Downtime ist gering, aber eigentlich interessiert mich nicht, was mein Gegner macht. Bei mir hat Qwixx: Das Duell daher rein gar nichts hinterlassen.

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