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Bericht von der Ubucon 2012

Lange war nicht klar, ob auch dieses Jahr die Ubucon, eine Messe für alle Ubuntu-Nutzer und -Interessierte, stattfinden kann. Erst im Juli wurde der Call for Papers eröffnet und teilte mit, dass die Ubucon 2012 Mitte Oktober in Berlin stattfinden soll. Trotz der kurzen Vorlaufzeit wurde ein gutes und interessantes Programm auf die Beine gestellt.

Hinweis: Dieser Blogbeitrag entstand in Zusammenarbeit mit Vicki Ebeling.

Freitag, 19.10.2012

Obwohl die Programmseite es (inzwischen) verschweigt, fand am Freitag bereits ein erstes Treffen statt. So wurde die Räume der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HWTK) von zahlreichen freiwilligen Helfern eingerichtet, Getränkekisten geschleppt und die Anmeldung vorbereitet. Der große Ansturm kam zwar nicht, aber es gab doch einige Interessierte, die sich in die Hallen der Hochschule „verirrt“ hatten.

Ein Ersthelfer (also ein Helfer, der das erste Mal auf der Ubucon vor Ort war) fragte später, ob der Aufbau immer so chaotisch abläuft. Die Antwort der alten Hasen war darauf nur, dass es noch sie gut lief wie dieses Jahr. Chaotisch war es also wie immer und dennoch wurden die meisten Dinge rechtzeitig erledigt.

Belohnt wurden das Engagement der Helfer am Abend in der c-base Berlin. Auch wenn es nichts zu Essen gab, war das tschechische Bier mit Honig oder Blaubeeren einen Versuch wert. Und die Führung durch die heiligen Hallen war sehr lustig und interessant von einem c-base-Mitglied organisiert. Dabei lernte man auch, wie schnell man Hunderte von Euro in Strom umwandeln kann. ;)

Eine kleine Anekdote bot noch das vietnamesische Restaurant, welches an das Hotel angeschlossen war, in dem wir übernachtet haben. Wir waren dort eine Kleinigkeit essen, da es in der c-base nichts gab (siehe oben). Nach der Bestellungsaufnahme kam auch flugs eine Schüssel mit Reis – die kurze Zeit später von einer zweiten Kellnerin wieder abgeholt und zum Nachbartisch gebracht wurde. Bald darauf kam das richtiges Essen. Die einen hatten Nudeln mit Rindfleisch, die anderen Frühlingsrollen und Reis. Es dauerte aber nicht lange, als die Kellnerin erneut aus der Küche kam. Dieses Mal hatte sie zwei Teller dabei: einer war leer, der andere trug sechs Frühlingsrollen. Sie entschuldigte sich, weil die Küche die falsche Frühlingsrollen geliefert hat und holte diese vom Teller der Leute wieder herunter (sic!). Dafür gab es immerhin neue Ersatzrollen. Laut ihrer Aussage waren die Frühlingsrollen für eine andere Bestellung und gingen zurück in die Küche. Wir haben danach noch länger darüber gegrübelt, über wie viele Tische unser Essen bereits schon gewandert ist … (Die Geschichte soll das Restaurant im Übrigen nicht schlecht machen, im Endeffekt hatten wir viel zu lachen. ;) Und das Essen war auch gut.)

Der Französische Dom.

Der Französische Dom.

Samstag, 20.10.2012

Am Samstag ging es gleich früh mit einem Vortrag von mir zum Thema „Creative Commons“ los. Es waren ungefähr zwölf Zuhörer, die aber alle sehr interessiert dabei waren und sich auch an der Diskussion beteiligten.

Danach erzählte Martin Gräßlin etwas zu den KDE Plasma Workspaces. Eigentlich wollte er diese am Beispiel von Kubuntu zeigen. Da dieses vom Live-USB-Stick aber den Dienst versagt, musste als Ersatz sein Debian-Entwicklungssystem herhalten. Neben einer kleinen Einführung zu KDE allgemein, gab es zahlreiche Tipps und Tricks zum Umgang mit den KDE Plasma Workspaces.

Parallel dazu zeigte Kasten Günther in einem zweistündigen Workshop den Umgang mit Leuchttisch und Dunkelkammer im Bildverarbeitungsprogramm Darktable. Als (kosten-)freie Alternative zu Adobe Lightroom oder Corel AfterShot (dessen Weiterentwicklung für Linux nicht gesichert scheint) ist das Projekt für Fotografen, die auch bei der RAW-Entwicklung nicht das Betriebssystem wechseln möchten, durchaus interessant (siehe dazu auch den Artikel „RAW-Bildverarbeitung unter Linux“ in freiesMagazin 10/2012).

In der Mittagspause schlenderten wir durch die Berliner Innenstadt, die sehr schnell von der HWTK aus erreichbar ist. Dabei gab es auch die üblichen Touri-Fotos. Die Reise dauerte etwas länger, sodass wir die Vorträge, die um 13 Uhr begannen, nicht mitnehmen konnten.

Alte Bibliothek

Die Alte Bibliothek.

Wie im Jahr zuvor hielt Dr. Thomas Rose einen Workshop zum Thema „Wie man die Welt verändert (und bei sich selbst anfängt)“. Mit aktiver Teilnahme wollte er den Zuhörern klar machen, was deren persönliche Werte und Ziele sind und dass man diese von Zeit zu Zeit prüfen und überdenken sollte. Prinzipiell war der Vortrag ganz interessant und regte zum Denken an, passte dieses Mal aber nicht so gut wie die Vorträge zum Konfliktmanagement im letzten Jahr.

Der Frage „Wozu ist eigentlich der Kernel gut?“ ging Sebastian Bartor nach und widmete sich in seinem Vortrag den Grundlagen des Kernels. Er gab den Zuhörern einen Überblick über die Bestandteile eines Linux-Betriebssystems und den Aufbau der Systemverzeichnisse. Im Anschluss war noch reichlich Zeit für einen Erfahrungsaustausch und Was-wäre-wenn-Szenarien.

Parallel dazu gab es wieder einen Vortrag von mir zum Thema „E-Book-Erstellung aus LaTeX und HTML“. Aufgrund der Spezialität des Themas waren nur ca. acht Teilnehmer dabei, aber so entstand zumindest eine interessante Diskussion. Vor allem an den Tools und dem Workflow, wie (bei freiesMagazin) aus einer LaTeX-Datei eine HTML-Seite bzw. ein E-Book wird. Die verschiedenen Ansätze wurden dabei auch mit den Zuhörern diskutiert.

Zuhörer

Die Zuhörer warten gespannt auf den nächsten Vortrag.

Zum Abschluss des Abends gab es wie jedes Jahr das Linux-Quiz. Normalerweise wird dies von Adrian Böhmichen abgehalten, der aber aus privaten Gründen nicht auf der Ubucon sein konnte. Aus dem Grund spielte ich den Quizmaster. Es traten immer zwei Teilnehmer in einem Quiz gegeneinander an, um ihr Wissen rund um Ubuntu und freie Projekte auf den Prüfstand zu stellen. Als Preis für den Gewinner gab es viele attraktive, gesponserte Buchpreise von Galileo Press und Open Source Press. Die schlagfertigen Antworten der Kandidaten und diverse Einwürfe aus dem Zuschauerraum sorgten auch dieses Mal wieder für kurzweilige Unterhaltung.

Der Abend schloss dann mit dem Social Event im Cancún, einem lateinamerkianischem Restaurant und Cocktailbar in der Mitte Berlins. Nicht nur das Essen und die Cocktails waren gut, vor allem die Kellnerin hatte den Abend viel Spaß mit uns und wir mit ihr. Bis Mitternacht saßen so ca. 35 Ubucon-Teilnehmer an den Tischen und unterhielten sich über die Messe und viele Themen fernab davon.

Der Ablauf beim Creative-Commons-Vortrag hat mir sehr gut gefallen. Es war mein erster Vortrag, wo ich das Gefühl hatte, dass die Leute alle dabei sind und mitmachen. Sonst ist es immer etwas schwer, die Leute zum Mitmachen zu bewegen. Diesmal waren die Fragen, die ich an das Publikum gestellt habe, aber zum einem sehr einfach, aber vor allem konnte auch jeder darauf antworten. Ich werde mir das für zukünftige Vorträge definitiv merken. Denn wenn die Zuhörer aktiv mit eingebunden werden, haben beide Seiten mehr Spaß daran.

Das Linux-Quiz war wieder sehr witzig. Als die Preise verteilt waren, lieferte ich mir mit Simon zusammen einen Showdown über die restlichen (gefühlten 100) Fragen. Vor allem für die Zuhörer war das sehr lustig, das eigentliche Raten und Punktesammeln stand im Hintergrund. Es hat wirklich Spaß gemacht!

Sonntag, 21.10.2012

Der Sonntag war etwas von Faulheit unsererseits geprägt. Diese ersten Vorträge um 10 haben wir wissentlich verschlafen. Und die Vorträge um 11 Uhr haben wir mit interessanten Diskussionen anderweitig verbracht.

Nach der Mittagspause ging es dann etwas ernster mit einem Erfahrungsaustausch zum Thema „Anwendertreffen in Real Life“ weiter. Torsten Franz wollte – als zentraler Ansprechpartner für die deutsche Ubuntu-Community – von den Teilnehmern wissen, welche Erfahrungen sie mit Anwendertreffen gesammelt haben und ob es irgendwo hakt. Das Resultat war ein nettes Gespräch, wo man die verschiedenen Ansätze aus diversen Städten wie Berlin, Wien oder Stuttgart hören konnte.

Gleich danach ging es in die nächste Diskussionsrunde zum Thema „Ubucon 2013“. Torsten Franz, der dieses Jahr den Hauptteil der Ubucon allein organisierte, wollte dies nächstes Jahr nicht erneut tun. Es wurden Nachfolger gesucht und auch Orte, die die Ubucon in 2013 veranstalten wollen. Da sich spontan niemand sofort für diesen Posten beworben hat, soll es in Ikhaya demnächst eine Ausschreibung für Orte und Personen geben.

Mein Problem mit Ubucon-Organisation hatte ich ja schon einmal dargelegt. Dieses chaotische Element, wovon viele denken, es gehört zu solchen Communitys dazu, gefällt mir einfach nicht. Ein bisschen Unordnung darf sein, aber nicht zu viel. Für nächstes Jahr habe ich mich wieder als Referentenbetreuer gemeldet (diesen Job hatte ich schon bei der Ubucon 2011) unter der Voraussetzung, dass an der Spitze ein kompetenter Mensch steht, der die Fäden in der Hand hat, und dass mindestens ein zweiter Betreuer an meiner Seite steht. Ich bin gespannt, ob das was wird …

Um 15 Uhr gab es dann noch eine kurze Abschlussrede von Torsten Franz, die vielen Brötchen wurden an die restlichen Teilnehmer verteilt und die Räume der HWTK wurden innerhalb einer Stunde wieder so hergerichtet, wie sie ursprünglich aussahen.

Abschlussrede von Torsten Franz

Die Abschlussrede von Torsten Franz.

Schlussbemerkung

Die Ubucon hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Das Programm kam einem vielleicht etwas schwächer vor als letztes Jahr, wenn man aber bedenkt, dass die Vorlaufzeit von Juli bis Oktober nur drei Monate war, ist das Programmangebot aber ganz gut gewesen.

Ein Problem der Ubucon-Organisation war dieses Jahr aber vor allem die Werbung. Für eine Großstadt wie Berlin war die Menge von circa 150 Teilnehmern sehr gering – vor allem wenn man mit der Vorjahreszahl von 250 Personen aus Leipzig vergleicht. Hier muss nächstes Jahr stark nachgebessert werden. Dennoch haben Torsten Franz als Hauptverantwortlicher eine gute Veranstaltung auf die Beine gestellt. Nach seiner eigenen Aussage ist es für eine Person aber kaum machbar, die ganze Ubucon zu stemmen, weswegen er das auch nicht noch einmal machen will (siehe oben).

Ein zweites Ärgernis für mich war die Geldverwaltung. Die Anmeldung vor Ort kostete 15 Euro. Da aber keine Kasse da war, wanderte das Geld in die Portemonnaies der Standbetreuer. Ich bin mir sicher, dass das Geld von dort wieder an der richtigen Stelle angekommen ist, aber dennoch sollte es nicht sein, dass mit so viel Geld (mindestens 200 Euro) so gewissenlos verfahren wird.

Abschließend bleibt zu sagen: Wer die Chance hat, die Ubucon zu besuchen, sollte sie unbedingt nutzen. Weniger wegen der Vorträge, sondern eher wegen der Leute und der Kommunikation. Diese stand auch dieses Jahr bei sehr vielen Teilnehmern im Vordergrund. Und es ist schön, alte, aber auch neue Gesichter wieder zu sehen …

An dieser Stelle auch Danke an Vicki für ihre Aufzeichnungen und natürlich an meine drei Hotel-Genossen, mit denen ich viel Zeit verbracht habe!

Trackbacks

deesaster.org am : Planung für die Ubucon 2013 läuft an

Vorschau anzeigen
Auf der diesjährigen Ubucon 2012 war ich zwar anwesend und habe vor Ort geholfen, im Voraus habe ich mich aber nicht beteiligt. Grund dafür waren die schlechten Erfahrungen der Ubucon 2011. Umso schöner war es, das Toddy auf der Ubucon eine Diskussionsrun

deesaster.org am : Neues zur Ubucon 2013

Vorschau anzeigen
Wie man auf ubucon.de lesen kann, soll es 2013 wieder eine neue Ubucon geben. Diesmal in Heidelberg und nicht in Berlin. Bei der IRC-Abstimmung waren mehr für den Süden Deutschlands, was vor allem den Ubuntu-Nutzern aus der Schweiz und Österreich zu Gute

deesaster.org am : Rückblick: DANTE-Tagung 2013 in Gießen

Vorschau anzeigen
Auch dieses Jahr fand eine Frühjahrstagung des DANTE e.V. statt, bei der sich zahlreiche TeX-Anwender trafen, um sich über das Textsatzsystem und dessen Unterarten auszutauschen. Ich war sowohl als Zuhörer als auch als Teilnehmer dabei und auch wenn der V

Kommentare

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Volkmar am :

Inzwischen ist ein weiterer Vortrag von der Ubucon fertig geworden.

Robert Clausecker stellte die Programmiersprache Haskell vor:

https://www.youtube.com/watch?v=R-K8l4X8F54

Weitere Videos die vor 2 Jahren entstanden sind:

Betrieb von Unternehmensdesktops auf Ubuntu Basis

https://www.youtube.com/watch?v=aBt5KwrEqi8

Unternehmenskommunikation mit freier Software

https://www.youtube.com/watch?v=CVvk7UOVS0o

Wie man die Welt verändert (und bei sich selbst anfängt) - Dr. Thomas Rose

https://www.youtube.com/watch?v=h-r32UQmFUo

ounCloud

https://www.youtube.com/playlist?list=PLihY5Qljpqonetuy6rF3Q2dYhVuFWqHmR

*Back 2 Unity* Ubuntu 12.04 -Martin Wildam

https://www.youtube.com/watch?v=0P-bwgPFM4E

Dee am :

Danke für die Info!

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