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Buch: The Man in the High Castle

Titel The Man in the High Castle
Autor Philip K. Dick
Sprache Englisch
Genre Sci-Fi
Verlag Penguin Books, 2001
Seitenanzahl 249

Ein fiktives Amerika in den 1960er Jahren. Japan und Deutschland haben den zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt. Ähnlich wie sich in unserer Realität Russland und die USA nach Kriegsende feindlich gegenüberstanden, ist dies auch bei Japaner und Deutschen so. Das Buch besteht aus vier Handlungssträngen, die mitunter lose verknüpft sind.

Robert Childan ist Händler für antike US-Waren, an denen vor allem seinen japanischen Besatzer Interesse haben. Einer dieser Kunden ist Mr. Nobosuke Tagomi, Kopf des japanischen Handelspostens in San Francisco. Er sucht für den Empfang eines hochgestellten, deutschen Gastes ein passendes Geschenk. Hierbei handelt es sich um den Agenten Bayes, der in geheimer Mission mit den Japanern verhandeln soll. Zu Robert Childans Ware gehören auch einige neue Schmuckgegenstände, die von Frank Frink und seinem Partner Ed herstellt werden. Franks Ex-Frau Juliana wiederum macht sich mit dem Trucker Joe Cinnadella auf in die unabhängigen Staaten der Rocky Mountains (ein Niemandsland), um dort den Autor Hawthorn Abendsen aufzusuchen. Dieser hat das Buch „The Grasshopper lies heavy“ verfasst, in welchem eine alternative Geschichte präsentiert wird, in der Japan und Deutschland den Krieg verloren haben. Abendsen wird aufgrund seiner Behausung in einem abgesicherten Haus auch als „The Man in the High Castle“ bezeichnet, woher der Titel von Dicks Buch stammt.

Ich mag Philip K. Dick als Autor nicht nur aufgrund der guten Verfilmungen seiner Bücher („We Can Remember It For You Wholesale“ aka. Blade Runner, „Minority Report“, „Adjustment Team“), sondern vor allem aufgrund seines Schreibstils und Ideenreichtums. „The Man in the High Castle“ wurde 1962 von Dick geschrieben, also nur wenige Jahre nach Kriegsende. Die Idee, dass Deutschland und Japan sich die Welt aufteilen, ist großartig. Beeindruckend ist, dass Dick auf die Gräueltaten der Deutschen nie direkt eingeht, sondern immer nur durch indirekte Erzählungen oder Andeutungen.

Vom Stil her ist das Buch zwar aus der dritten Person geschrieben, aber man liest direkt den Gedankengang aller Protagonisten in Ich-Form mit. Das ist stellenweise verwirrend, aber auf der anderen Seite auch sehr spannend und gibt einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der handelnden Personen – besser als es eine bloße Beschreibung könnte.

Getoppt wird das Ganze natürlich noch durch das Buch im Buch. Ein Buch, welches Deutschland und Japan als Verlierer dastehen lässt. In Deutschland ist dies natürlich verboten, in Japan begegnet man dem offener. Und was es insgesamt mit dem Buch auf sich hat, erfährt man ebenfalls am Ende.

Mir hat „The Man in the High Castle“ sehr gut gefallen. Die Geschichte ist interessant, die Protagonisten glaubwürdig und es ist immer wieder lustig, deutsche Sätze oder Aussprüche in englischer Literatur zu lesen. Das Buch wurde im im Übrigen als Amazon-Serie verfilmt – die ich aber nicht kenne und somit nicht vergleichen kann.

Film: Valerian und die Stadt der tausend Planeten

Titel Valerian und die Stadt der tausend Planeten
Genre Sci-Fi, 2017
Darsteller Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen
Regisseur Luc Besson
Länge 137 min
Trailer Trailer

Raumstation Alpha. Was im 20. Jahrhundert als Raumstation ISS startete, wurde von Jahrzehnt zu Jahrzehnt und Jahrhundert zu Jahrhundert immer mehr erweitert. Im 28. Jahrhundert sind dort nicht nur menschlichen Rassen heimisch, sondern es hat sich eine riesige Stadt im Weltraum mit zig Millionen außerirdischer Lebewesen gebildet. Aber die Raumstation ist bedroht, da es in deren Mitte eine unbekannte Macht gibt, die sich auszubreiten droht. Die Agenten Major Valerian (Dane DeHaan) und Sergeant Laureline (Cara Delevingne) werden nach ihrer letzten Mission als Leibwache für Commander Arun Filitt (Clive Owen) auf Alpha abgestellt. Doch der Commander wird entführt und beide Agenten müssen in die verbotene Zone und der Bedrohung begegnen.

Nach Luc Bessons letztem, eher durchschnittlichen Film „Lucy“ hatte ich mich auf etwas Neues gefreut. Der Trailer wirkte sehr bunt, lustig, actionreich – er erinnerte an „Das Fünfte Element“. Leider erreicht „Valerian“ diese Messlatte nicht.

Problematisch war vermutlich, dass ich vorher schon einige Rezensionen gelesen habe und ein bisschen gewarnt war. Umso leichter fallen dann einige Negativpunkte im Film auf. Die Story ist prinzipiell ganz okay, wenn auch nicht sonderlich überraschend. Von Anfang an kann man sich denken, was auf Alpha los ist, wobei für den Zuschauer aber auch genügend Hinweise eingestreut werden. Darüber kann man hinwegsehen, schlechter sind da die Logiklöcher, auf die ich nicht eingehen kann, weil ich sonst von der Story zu viel verraten würde. So viel sei gesagt: Der Commander hätte das Problem auf Alpha viel schneller und leichter lösen können. Und wieso Valerian den Transmutator nicht gleich herausrückt, sondern Laureline ihn erst überreden musst, passt auch nicht ins Konzept (vor allem ist Valerians Begründung, sich an Regeln zu halten, einfach unglaubwürdig nach seinen Aktionen zuvor). Und wieso der Kampf am Ende plötzlich zu Gunsten der Guten ausgeht, ist ebenfalls nicht erklärt.

Was gar nicht funktioniert ist die Beziehung zwischen Valerian und Laureline. Am Anfang des Films sind sie Kollegen, die mitunter auch vor engem Körperkontakt nicht zurückschrecken. Aber vor dem allerersten Kuss die Partnerin zu fragen, ob sie einen heiraten will, geht irgendwie nicht in meinen Kopf hinein. Und dass Laureline die ganze Zeit standhaft bleibt, um am Ende einzuknicken, ist sehr schade. Aber auch so stimmt die Chemie nicht zwischen den beiden. Ebenfalls etwas komisch kam mir die Synchronisation vor. Laureline lässt an vielen Stellen Sätze und Sprüche fallen, die an der Stelle keinen Sinn ergeben. So bleiben mir beide Charaktere den ganzen Film über eher fremd und ich kann mit keinem der beiden mitfühlen.

Extrem unnötig war auch der Gastauftritt von Rihanna. Den Teil danach, wo sie Valerian und Laureline unterstützt, fand ich ganz gut und witzig, aber der Auftritt als Gestaltwandler hatte mehr etwas von Fremdschämen und ich war froh, als die drei Minuten vorbei waren. Ebenfalls komisch kam mir Ethan Hawke als Jolly the Pimp vor, weil es schauspielerisch einfach nicht in die Szene passte.

Zu den positiven Aspekten gehört natürlich die Grafik und die Trickeffekte. Die sind einfach super gemacht und alle Aliens wirken (wenn auch immer noch künstlich) doch sehr gut gerendert. Ebenfalls sind Kulisse und Kostüme sehr schön anzusehen und hierfür könnte man dem Film sogar eine Oscar-Nominierung in Aussicht stellen.

Insgesamt war es der Film okay, aber eben nicht wirklich gut. Ich müsste ihn daher kein zweites Mal anschauen, auch wenn er für einen Kinoabend mit großer Leinwand ganz in Ordnung war.

PS: Und wieso eigentlich nur „Valerian“ im Titel? Laureline hat in die gleiche Bildschirmpräsenz und auch die Comic-Bücher tragen den Titel „Valerian und Laureline“ …

Buch: Als Schisser um die Welt

Titel Als Schisser um die Welt
Autor Jan Kowalsky
Sprache Deutsch
Genre Humor-Sachbuch
Verlag Goldmann Verlag, 2015
Seitenanzahl 313

Nicht jeder Mensch reist automatisch gerne. Manche sind auch völlig damit zufrieden, wenn sie ihren Urlaub daheim auf dem Balkon, im Garten oder ggf. noch an der Nordsee verbringen können. Fremde Länder kommen ihnen spanisch vor und im Ausland verstehen sie sowieso nur chinesisch. Zu dieser Kategorie gehört auch der Autor des Buches. Dank seiner Frau wird er aber immer wieder gezwungen sich mit den Gefahren des Fremden auseinanderzusetzen.

Ein bisschen konnte ich mich sicherlich im Protagonisten wiederfinden. Mit dem Rad sind Reisen in Deutschland und Europa einfach angenehmer, aber ich bin fremden Ländern natürlich nicht abgeneigt, nur weil ich dorthin bisher noch nie gereist bin. So viel Panik wie der Autor in seinem Buch vor jeder Reise hat, soviel Leichtsinnigkeit zeigt dagegen seine Frau. Spontan mal in ein Malaria-Gebiet fahren und sich nicht wirklich über Schutzmaßnahmen informieren, ist sicherlich die sinnvollste Art eine Reise anzutreten. Insofern wirkte das Buch hier leider etwas unglaubwürdig bzw. hoffe ich einfach, dass die Menschen nicht ganz so leichtsinnig die Reise ins Ungewissen antreten. Ebenfalls fand ich es etwas komisch, dass jemand eine Frau heiratetet, von der man vermutlich schon vorher weiß, dass sie gerne verreist, wenn man dem selbst komplett abgeneigt ist. Irgendwann vor der Hochzeit sollte das Thema doch mal abgeschnitten worden sein …

Aber das ist egal, denn im Vorwort heißt es auch, dass die kurzen Geschichten auf wahren Begebenheiten basieren – oder ggf. auch völlig ausgedacht sind. Die Wahrheit liegt sicherlich dazwischen und wenn man das im Hinterkopf hat, kann man das Buch mit einem Augenzwinkern und einem Schmunzeln auch ganz gut durchlesen. Viel Tiefgang sollte man aber dennoch nicht erwarten. Und einen Reiseführer ersetzt es auch nicht, auch wenn sicherlich ein paar nette Orte wie China, Japan oder Sri Lanka darin vorkommen. ;)

Disclaimer: Ich bekam das Buch von einer guten Freundin geschenkt – und sie ist es nach dem Buch immer noch. :p

Buch: Gather, Darkness!

Titel Gather, Darkness!
Autor Fritz Leiber
Sprache Englisch
Genre Sci-Fi
Verlag Open Road, 2014
Seitenanzahl 190 Seiten, E-Book

Die Welt in der Zukunft. Nachdem die Theologie in der Vergangenheit versagt hat, haben Wissenschaftler und Techniker die Welt übernommen und eine eigene Religion gegründet, die allein auf den Naturgesetzen – und Unterdrückung basiert. Durch technische Neuerungen, Hologramme und Drogen wird die Bevölkerung unter Kontrolle gehalten. Die Hierarchy genannte Organisation wird weltweit von Priestern gestützt, die ein Auge auf abtrünnige Bürger haben. Zu diesen zählt auch Bruder Armon Jarles, der sich unsicher ist, ob die Hierarchy das richtige für die Welt ist. Deswegen versuchen die Gegner der Hierarchy, die Anhänger Satans, Armon für ihre Sachen abzuwerben.

Erstmals veröffentlicht 1943 von Fritz Leiber im Magazin „Astounding“ über drei Monate hinweg, wurde es 1950 als Novelle zusammenfasst und 2014 von Open Road als E-Book veröffentlicht. Das heißt, das Buch wurde vor 74 Jahre geschrieben, dementsprechend muss man sich auch ein kleines bisschen in die Sprache hineinarbeiten – dennoch ist es immer noch interessant und spannend zu lesen.

Stellenweise wirkt die Dystopie schon fast ein bisschen wie Satire und ein Seitenhieb auf die Kirche und gleichzeitig auf die Technik. In der heutigen Zeit, wo die Menschheit immer mehr von dieser abhängig ist, fragt man sich, ob nicht vielleicht bereits jemand im Hintergrund die Strippen zieht und indirekt alles steuert. Wichtig zu unterscheiden ist aber, dass in Leibers Roman die Bürger absichtlich dumm gehalten werden (im Gegensatz zu unserem Informationszeitalter). Die Hierarchy erschafft selbst die Figur des Satan, damit der Pöbel sowohl ein Feindbild hat als auch von Angst getrieben sich den Priestern zuwendet, die natürlich das Böse austreiben können.

Ich kannte Leiber vorher noch nicht, seine Novelle „Gather, Darkness!“ hat mich aber sehr begeistert. Damit reiht er sich erst einmal zu den anderen Sci-Fi-Autoren Lem, Heinlein, Bradbury, Dick und Co. ein, die ich ebenfalls gerne lese. Wenn ich wieder über ein Buch von ihm stolpern sollte, werde ich es mir sicherlich mitnehmen.

Buch: Sister Light, Sister Dark

Titel Sister Light, Sister Dark
Autor Jane Yolen
Sprache Englisch
Genre Fantasy
Verlag Open Road, 2016
Seitenanzahl 210 Seiten, E-Book

Jenna (eigentlich Jo-ann-enna) wächst als Waisenkind bei Selna und ihre dunklen Schwester Marjo auf. Beide sind Teil eines rein weiblichen Stammes, der abgeschieden in den Wälder lebt und die ungewollten Kinder der umliegenden Dörfer aufnimmt und aufzieht. Alle huldigen der Göttin „Great Alta“, die durch eine Hohepriesterin vertreten wird. Als diese zuerst von Jennas Ankunft erfährt, erkennt sie, dass es sich vielleicht um das Kind aus der Prophezeiung handelt, welches Königin über alles und nichts sein wird. Die Hohepriesterin verschweigt ihrem Stamm dies aber und plant, wie sie mit Jenna umgeht, da sie das Mädchen als Gefahr für ihre eigene Stellung sieht. Jenna wächst derweil mit ihrer besten Freundin Pynt auf und wird zu einer Kriegerin ausgebildet. Mit 14 Jahren muss sie das sichere Lager verlassen und sich alleine zu einem Nachbarstamm durchschlagen, um ihre Würdigkeit zu erweisen. Doch der Weg ist voller Gefahren …

Das Buch ist interessant geschrieben, weil jedes Kapitel eine kurze Beschreibung aus der Prophezeiung und Mythos der Göttin „Great Alta“, aus der Legende des jeweiligen Ortes und eine rückblickenden Geschichtsstunde aufweist, bevor die wahre Geschichte von Jenna erzählt wird. So wird man als Leser sehr schnell in das Abenteuer und die Hintergründe geworfen, die sich dann erst langsam im Buch zusammenfügen. Auf die Art entsteht sehr schnell eine sehr leb- und bildhafte Welt in den Köpfen der Leser. Zusätzlich ist es auch interessant zu lesen, wie sich Jennas Schicksal immer mehr der Prophezeiung annähert bzw. sich die (fiktiven) Geschichtsgelehrten immer wieder irren, was Begebenheiten angeht.

Insgesamt liest sich das Buch sehr gut, auch als Nicht-Englisch-Muttersprachler. Jennas Vorgeschichte mit ihrer Ankunft im Stamm ist zwar detailliert, aber nicht langweilig geschrieben. Ebenso bildet sich ihr Charakter sehr gut in den folgenden Seiten, die im Alter von 7 bzw. 14 Jahren kurz innehalten sehr gut heraus. So versteht man als Leser sehr gut Jennas widerstrebendes Handeln und Leugnen, als sie das erste Mal von der Prophezeiung erfährt und dem Druck, der auf ihr liegt. Auch alle anderen Charaktere, von Selnas Ziehmutter, über die Priesterin bis hin zu Jennas Freundinnen sind alle sehr gut beschrieben und haben ein eigenes Leben, welches deren jeweilige Motivation erklärt.

Mir hat „Sister Light, Sister Dark“ sehr gut gefallen und wenn ich an die Folgeteile komme, werde ich mir diese besorgen. Das Buch wurde 1988 von Jane Yolen geschrieben und ist Teil einer Trilogie. Die Folgeteile heißen „White Jenna“ (1990) und „The One-Armed Queen“ (1998). Auf Deutsch ist das Buch, soweit ich das sehe, nicht erschienen, was schade ist.

Buch: Beauty

Titel Beauty
Autor Robin McKinley
Sprache Englisch
Genre Fantasy
Verlag Open Road, 2014
Seitenanzahl 174 Seiten, E-Book

Die Geschichte „Die Schöne und das Biest“ kennen sicherlich die meisten. Vielleicht weniger von der ursprünglich französischen Erzählung als viel mehr von Disneys Zeichentrickfilm von 1991 oder von Disney Realverfilmung von 2017. Bereits 1978 hat Robin McKinley aber ein Buch aus der Sicht von Beauty geschrieben.

Die Hauptgeschichte ist wie in der französischen Erzählung gleich, nur dass die Beautys Schwestern keineswegs böse oder neidisch sind (oder zumindest nicht so auf Beauty wirken). Wer den Disney-Film kennt, wird vermutlich einige Charaktere wie z.B. Gaston vermissen, der aber auch in der Ursprungsgeschichte keine Rolle spielte. Insofern hat sich McKinley gut an das ursprüngliche Märchen gehalten.

Leider fehlt dem Buch etwas Spannung. Ja, es ist ganz nett zu lesen, wie aus Abneigung Freundschaft und dann Liebe wird, aber irgendwie reicht die Geschichte für so viele Seiten einfach nicht aus. Vieles ist sehr detailliert und für mich langatmig erklärt, sodass man gerne vorblättern würde. Dass da Ende bekannt ist, macht das Buch leider auch nicht spannender.

Insofern war es eher kein guter Lesestoff für mich. Der Disney-Film ist jedenfalls schneller geschaut und macht auch mehr Spaß.

Film: Die Verführten

Titel Die Verführten
Genre Drama, 2017
Darsteller Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning
Regisseur Sofia Coppola
Länge 93 min
Trailer Trailer

Zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs 1864. Bei der Suche nach Pilzen im Wald findet eine Schülerin des nahe gelegenen Mädchenpensionats einen Soldat der gegnerischen Seite (Collin Farrell). Stark blutend bittet er sie um Hilfe. Sie bringt ihn daraufhin in die Schule, welche von von Miss Martha (Nicole Kidman) geleitet wird. Die meisten Mädchen sind abgereist, aber neben der Headmistress und einigen Schülerinnen ist nur noch die Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) zurückgeblieben. Während der attraktive Corporal gesund gepflegt wird, wirft fast jedes Mädchen samt Lehrerin ein Auge auf ihn. Und so kommt es zu einer Tragödie, die das Leben der Mädchen verändern wird.

„Die Verführten“ ist die Neuverfilmung des Films „Betrogen“ von 1971, der wiederum auf dem 1966 veröffentlichten Buch „The Beguiled“ von Thomas Cullinan basiert. Sofia Coppola hat als Regisseurin bereits mehrfach gezeigt, was sie leisten kann (u.a. „Lost in Translation“ oder „The Virgin Suicides“). Dieser Film über einsame, junge Frauen in den Zeiten des Krieges ist ebenso gut verfilmt. Sehr ruhig führt sie die Figuren ein, fernab von den Kämpfen. Einzig im Hintergrund hört man die Kanonen, die unaufhörlich donnern. Dennoch zeigt das sehr einsame stehende Landhaus mitten im Wald auch, wie isoliert die Frauen leben. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie einen jungen Soldaten interessant finden.

Unsicher bin ich über Corporal McBurneys Motivation. Die Darstellung von Collin Farrell schwankt irgendwie zwischen ehrlicher Liebe zu Edwina, dann aber auch wieder Verlangen nach der jüngeren Alicia (Elle Fanning) und auch mit der Headmistress verbinden ihn etwas mehr als nur Gespräche. Da ich weder Buch noch Originalfilm kenne, weiß ich nicht, ob der Charakter tatsächlich so schwankend ist. Mir hätte es besser gefallen, wenn klarer herausgekommen wäre, ob der Corporal tatsächlich alle Frauen gegeneinander ausspielen will. Die anderen Charakterzeichnungen sind gut, wenn auch in Anbetracht der Kürze der Zeit teilweise nur recht oberflächlich.

Ansonsten hat mir „Die Verführten“ ganz gut gefallen, auch wenn er stellenweise kleinere Längen hat. Ich denke, auf der kleinen Leinwand daheim reicht das Anschauen auch aus.

Neue Brettspiele vom 15.08.2017

Planet Defenders

„Planet Defenders“ konnte ich letztes Jahr auf der SPIEL 16 spielen und hatte nun nach fast einem Jahr das Glück, es erstehen zu können. In dem Spiel bewegt jeder Spieler eine Auswahl von drei Robotern auf einem zufälligen 3x3-Planetenfeld. Mit der Bewegung darf man die Aktion des Planeten nutzen und bekommt hierüber Ressourcen (blaue, grüne und orange Energiewürfel). Mit diesen Ressourcen kann man um das Spielfeld herumliegende Roboter „fangen”, was Siegpunkte bringt.

„Planet Defenders“ ist ein einfaches, dennoch taktisches Spiel. Die Bewegung der Roboter geschieht über ein bestimmtes Aktionsverfahren, sodass man sich nicht beliebig bewegen kann. Dadurch muss man immer genau überlegen, wie und wohin man die Roboter stellt. Das Laufen und Einsammeln der Rohstoffe erinnert dabei ein bisschen an Istanbul (wenn man nur einen Stein hätte ;)). Das Spielmaterial ist klasse (schöne große, durchsichtige Plastikwürfel) und die Grafik sehr niedlich (erinnert angeblich an Terrance und Phillip.

Planet Defenders
Planet Defenders auf der SPIEL 16

Century – Die Gewürzstraße

Ist „Century – Die Gewürzstraße“ nur ein „Splendor“ mit Gewürzen? Ja, es fühlt sich so an. Aber nur spielerisch, nicht haptisch, denn die großen Pokerchips wurden durch kleine Holzwürfel „ersetzt“.

Zum Spiel: Jeder startet mit den gleichen Handkarten, mit denen man entweder Ressourcen bekommt (unterschiedliche Gewürze, aber letztendlich sind es nur fünf verschiedenfarbige Würfel) oder die Ressourcen gegen andere Ressourcen tauschen kann. Alternativ zum Ausspielen einer Karte darf man sich eine neue aus der Auslage nehmen (je nach Position der Karte ist dies kostenlos oder kostet 1, 2, 3 ... Ressourcen). Wenn man genügend Ressourcen beisammen hat, kann man sich damit eine der Zielkarten kaufen. Und wenn jemand fünf Zielkarten hat, zählt man Punkte.

Mir hat „Century“ keinen großen Spaß gemacht. Zum einen ist das Thema vollkommen aufgesetzt und austauschbar. Wir haben gar nicht versucht, die Namen der Gewürze zu nennen, wenn wir uns Würfel genommen haben. Und wären auf den Karten keine Grafiken abgebildet, würde es genauso funktionieren. Zum anderen spielt man solitär vor sich hin. Das stört mich nicht bei allen Spielen, weil es dann andere Arten der Interaktion gibt (siehe Planet Defenders, weil alle die gleichen Roboter bewegen oder unten bei Mondo, weil man sich für einige Punkte miteinander vergleicht), aber hier spielt es sich einfach runter. Man kommt sich maximal in die Quere, wenn jemand eine Karte nimmt, die man selbst wollte (was oft aber wenig ausmacht) oder eine Zielkarte eher einlösen kann. Das passierte aber sehr selten (nur einmal im Spiel).

Wer ein abstraktes, aber solides Solitärspiel sucht, der ist mit „Century – Die Gewürzsstraße“ sicher gut bedient. Ich bevorzuge Spiele mit etwas mehr Tiefe.

Magic Maze

Magic Maze hatte ich bereits im April erklärt. In dem Koop-Spiel bei dem man nicht sprechen darf, versucht man Pöppel durch ein Labyrinth zu schieben, wobei jeder jeden Pöppel bewegen darf, aber nur in die Richtung, die einem das aktuell zugewiesene Aktionsplättchen erlaubt. Sehr heftige Fuchtelei mit den Armen, großes Augenrollen, intensives Anstarren und wildes Schnauben inklusive.

Wir haben uns diesmal an den Szenarien 5 und zweimal 6 versucht. In Szenario 5 kommen die Eigenschaften von Zwerg (durch spezielle, kleine Türen laufen), Elf (beim Ablegen des Raumplättchen darf man sprechen) und Zauberer (einmalig zwei Räume aufdecken und beliebig anlegen) zum Einsatz. Leider vergaßen wir die wichtige Regel aus Szenario 4, unser Aktionsplättchen beim Umdrehen der Sanduhr weiterzugeben. Daher gewannen wir dieses Szenario vermutlich auch ohne Probleme, wohingegen wir bei Szenario 6 zweimal scheiterten.

In Szenario 6 kommt die Eigenschaft des Barbaren dazu. Solange zwei oder mehr Sicherheitskameras offen liegen, darf man die Sanduhr nicht umdrehen. Der Barbar muss diese zerstören. Dadurch, dass es aber in Szenario 6 nur insgesamt zwei gibt, reicht es einen zu zerstören, was bei uns sehr schnell möglich und so waren Sicherheitskameras wenig störend. Dennoch haben wir verloren, weil wir in entscheidenden Momenten die Sanduhr nicht umdrehen konnten. Irgendwie fehlte uns da die Absprache, weil es reicht, wenn nur einer nicht kapiert, dass die Sanduhr gerade am Ablaufen ist und nicht sieht, welchen Pöppel er bewegen soll.

Trotz Verlust wieder sehr spaßig und es war ein guter Anwärter für den Spiel-des-Jahres-Titel in diesem Jahr, auch wenn der nicht an „Magic Maze“ ihn ging.

Magic Maze
Magic Maze

Isle of Skye: Wanderer

Nachdem ich gelesen hatte, dass es zum Kennerspiel des Jahres 2016 „Isle of Skye“ eine Erweiterung geben sollte, musste ich mir diese so schnell wie möglich besorgen. Und die Wanderer-Erweiterung verändert einiges.

Jeder Spieler hat eine Wanderer-Figur auf seiner Burg stehen und ein Tableau mit drei Wanderstrecken (die ein bisschen an Russian Railroads erinnern). Nach dem Einbau der Plättchen darf man bis zu (anfangs zwei, später drei) Wegewürfel auf seine Plättchen legen und mit dem Wanderer diese betreten (falls die Reichweite des Wanderers passt). Je nachdem, wo der Wegewürfel lag, darf man auf einem der drei Wanderstrecken auf dem eigenen Tableau vorrücken, was einem Boni gibt: meist Siegpunkte oder Geld.

Isle-of-Skye-Wanderer-Erweiterung
Tableau der Isle-of-Skye-Wanderer-Erweiterung

Durch den Wanderer spielt sich „Isle of Skye” anders. Phase 5 mit dem Einbau der Plättchen bzw. dem Legen der Wegewürfel geschieht gleichzeitig, dennoch dauert es länger als zuvor, da es mehr Kombinationen zu beachten gibt. Bei uns passierte es, dass wir dadurch nicht zwingend nach Spielerreihenfolge den Wanderer laufen ließen sondern eher danach, wer zuerst fertig war (und mindestens eine Person kontrolliert, dass alles richtig ist). Durch diese Planung spielt sich Isle of Skye noch etwas solitärer als vorher, aber eben auch wesentlich taktischer. Auch spielen die Wege nun eine größere Rolle, denn von Plättchen zu Plättchen braucht der Wanderer einen Schritt – wenn diese über einen Weg verbunden sind, ansonsten zwei. Zusätzliche Straßen, die man als Boni freischalten und verbauen kann, sind dann strategisch gut einzusetzen, wo man oft langläuft.

Box der Wanderer-Erweiterung
Die Box der Wanderer-Erweiterung fügt sich nahtlos an das Grundspiel an.

Wenn man sich das Tableau anschaut, merkt man auch, dass man nicht alle Strecken auf das Maximum ausbauen kann. Pro Runde gibt es nur maximal drei Wertungen (in der ersten Runde noch weniger, weil man den dritten Würfel erst freischalten muss). Das heißt, maximal 17 Aufwertungen stehen den 36 Aufwertungsfeldern gegenüber. Aber: Es gibt Plättchen mit einem Wanderer darauf, für die man ebenfalls einen Streckenwürfel vorrücken darf. Und jedes Mal, wenn jemand ein Plättchen wegkauft, bekommt man neben dem Geld auch noch einen Schritt auf der Wegstrecke des Kriegers (die Strecke ist auch etwas länger). Rein rechnerisch erreicht man in einem Spiel also 37 Aufwertungen, ich glaube aber nicht, dass man das schafft.

Die Gewinnstrategie in unserem ersten Spiel war es, eine Strecke (die mittlere Händlerstrecke) komplett auszubauen. Dadurch hatte man ein sehr hohes Einkommen, konnte sich jedes passende Plättchen leisten und bekam im Bestfall jede Runde noch 8 Siegpunkte. Zusätzlich passten die Siegbedingungen aber auch noch sehr gut bei dem Spieler, wodurch er recht hoch mit 22 Punkten Vorsprung gewann.

Insgesamt ist „Wanderer“ eine Erweiterung für Strategen: Wer Isle of Skye lieber schnell und in der Familie spielen will, der sollte beim Grundspiel bleiben. Wer aber gern etwas grübelt und optimiert, findet mit der Erweiterung eine sehr gute Chance, das Spiel noch interessanter zu machen. Für mich war es also eine gute Investition.

Mondo

Den Abschluss des Abends machte „Mondo“, ein Plättchenlegespiel von 2011. Alle Spieler ziehen gleichzeitig in Echtzeit Plättchen aus einem Stapel aus der Mitte, womit das Spiel stark an „Galaxy Trucker“ erinnert. Nachdem die Plättchen auf das Tableau gelegt wurden, findet eine Wertung statt, wie gut man gebaut hat. Dies macht man drei Runden lang.

Mondo ist recht simpel, aber für ein kurzes Spiel am Abend genau richtig. Es war nicht zu unrecht für den Spiel-des-Jahres-Titel 2011 nominiert. Die Interaktion hält sich in Grenzen, einzig bei der Erfüllung der Ziele oder Anzahl der aktiven Vulkane (nur der mit den meisten bekommt Minuspunkte) schaut man schon einmal rechts und links, was die anderen so eingebaut haben. Insgesamt ist das für die Länge des Spiels ausreichend.

Ubucon 2017 im Oktober in Wolfsburg

Wie man bei Ikhaya nachlesen kann, kommt die Ubucon 2017 nach Wolfsburg. Das größte Treffen der deutschsprachigen Ubuntu-Community lebt also noch und hat sich dieses mal in der Autostadt angesiedelt. Die zentrale Lage sollte hoffentlich für genügend Besucher sorgen.

Die Veranstaltung findet vom 13. bis 15. Oktober statt. Der Call for Papers ist noch bis zum 31. August offen. Es wird sportlich, in drei Wochen ein gutes Programm erstellen zu können. Da die meisten Einreichungen aber eh erst kurz vor Schluss kommen, wie ich aus Erfahrung weiß, könnte das ggf. reichen.

Ich bin gespannt, welche Vorträge es geben wird und vielleicht schaue ich dieses Jahr wieder vorbei, nachdem ich die Ubucon Europe in Essen letztes Jahr nicht besuchen konnte.

Film: Wonder Woman

Titel Wonder Woman
Genre Superhelden-Action, 2017
Darsteller Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen, Robin Wright, David Thewlis
Regisseur Patty Jenkins
Länge 141 min
Trailer Trailer

Diana (Gal Godot) wächst als Amazone auf der kleinen, versteckten Insel Themyscira auf. Auch wenn ihre Mutter Hippolyta (Connie Nielsen) nicht möchte, dass ihre Tochter zur Kriegerin heranwächst, zeigt Diana erstaunliche Fähigkeiten in der Übungsarena. Diese muss sie alsbald auch einsetzen, als ein britischer Soldat (Chris Pine) per Zufall auf der Insel landet und eine ganze Horde von deutschen Angreifern unfreiwillig im Schlepptau hat. Diana erfährt, dass die Welt im Krieg versinkt und denkt, dass Kriegsgott Ares die Strippen im Hintergrund zieht. Sie geht mit Soldat Steve Trevor los, um Ares zu besiegen und der Menschheit den Frieden zu bringen.

Nach den gritty Reboots von Batman und Superman hat es mich gefreut, mal wieder einen Superhelden-Film von DC in Farbe zu sehen. Kunterbunt fängt der Film auf Themyscira an und obwohl es danach Richtung erster Weltkrieg geht, fehlt ihm glücklicherweise diese teilweise lästige Ernsthaftigkeit anderer DC-Filme. Dennoch wird der Film nicht zu albern oder verharmlost den Krieg – ganz im Gegenteil.

Der Charakter der Diana ist ebenfalls sehr stark und keinesfalls stereotyp. Ja, die Kampfkleidung ist etwas spärlich, ansonsten läuft Gal Godot nicht in sonderlich aufreizenden Kleidern umher, was sie schauspielerisch auch gar nicht nötig hat. Das Zusammenspiel mit Chris Pine fand ich gut, auch wenn ich das Liebesverhältnis zwischen beiden als etwas plötzlich empfand.

Missfallen haben mir eigentlich nur die CGI-Effekte am Anfang, bei denen man klar gesehen hat, dass sich der digitale Hintergrund auf dem Green Screen und die kämpfenden Amazonen im Vordergrund nicht synchron bewegten. Glücklicherweise wurde das danach besser und fiel nicht mehr besonders auf.

Alles in allem ist „Wonder Woman“ ein sehr guter Superhelden-Film, der einen Abend lang sehr gut unterhält.